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Ostprignitz-Ruppin Luhme: Filme über afghanische Kinder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Luhme: Filme über afghanische Kinder
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00:17 13.04.2016
Wissensdurstig: Layla (2. l.) und ihre Freundinnen. Quelle: Filmverleih
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Luhme

Kindheit? Gibt es für den elfjährigen Faridullah nicht. Seit er sechs Jahre alt ist, schuftet der afghanische Junge in einer Ziegelei. Er schiebt schwer beladene Karren, formt Ziegel. Noch im Dunkeln weckt ihn sein Vater. Eine Schule hat Faridullah nie besuchen dürfen. „Andere Kinder haben Stifte, ich nur eine Schaufel“, heißt es in dem 15-minütigen Dokumentarfilm „Faridullahs freier Tag“ – illusionsloser und niederschmetternder kann ein Kind sein Leben nicht beschreiben.

Vor drei Jahren hatte der afghanische Filmemacher Taj Mohammad Bakhtari den Film mit seinem dänischen Kollegen Jens Pedersen gedreht. Am Sonnabend stellte Bakhtari seine Doku im Ferienland Luhme vor. Durch einen persönlichen Kontakt war der Filmemacher, der heute auf Rügen lebt, nach Brandenburg gekommen, um mit Gästen über seine Arbeiten zu sprechen. Viele Kinder seien in Afghanistan komplett sich selbst überlassen, sagte Bakhtari vor dem Filmabend. Aus wirtschaftlicher Not sind ihre Eltern gezwungen, sie zum Arbeiten zu schicken. Selbst kleine Kinder müssen auf der Straße Kaugummi oder Brot verkaufen, um etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familie beizutragen. „Leben ist Schmerz in Afghanistan“, sagt Bakhtari. „Viele Kinder müssen arbeiten und können nicht zur Schule gehen.“

Auch Bakhtaris frühere Filme zeigen Kinderschicksale

Schon in früheren Arbeiten hatte sich der Dokumentarfilmer Bakhtari mit afghanischen Kinderschicksalen auseinandergesetzt. In seinem 2008 gedrehten Film „Sahar, the young carpetmaker“ zeigt er etwa, wie die 14-jährige Sahar in einer Teppichknüpferei ausgebeutet wird. Als der dänische Filmemacher Jens Pedersen ihn 2012 ansprach, entwickelten die beiden das Projekt „Faith hope afghanistan“, eine Sammlung von fünf Kurzfilmen über afghanische Kinder. „Wenn wir auf unsere Kinder nicht achtgeben, vergessen wir unsere Zukunft“, sagt Bakhtari.

Etwa drei Monate hatten Bakhtari und Pedersen recherchieren müssen, um die Protagonisten für ihre Filme zu finden. Geduldig beobachteten die beiden die Kinder in ihrem Alltag – auch als sich Faridullah und seine Schwestern aus der Ziegelei davonstehlen, um sich heimlich einen Kuchen zu kaufen, dürfen die beiden dabei sein. Im Film ist zu sehen, wie die Kinder ihren Kuchen genießen – es ist der einzige Moment des Glücks.

Ebenfalls berührend: der Kurzfilm über die elfjährige Layla, die ein Musikschulinternat besuchen darf, seit ihr Onkel sie aus ihrem Bergdorf wegschickte. Seit fünf Jahren hat Layla ihre Mutter schon nicht mehr gesehen. Doch sie traut sich nicht, sie in ihrem Dorf zu besuchen – zu groß ist ihre Angst, die Taliban könnten sie nicht wieder gehen lassen. Dorfmädchen gehen nach Vorstellung der Taliban nicht in die Schule, westliche Musikinstrumente sind ihnen nicht erlaubt.

In Afghanistan erhielt Bakhtari Todesdrohungen

In seiner Heimat wurde Bakthari wegen seines Films über Layla mit dem Tod bedroht. Die Bilder eines trommelnden Mädchens waren für die Taliban schlicht unerträglich. Mit einer Einladung des Dokumentarfilmfestivals Leipzig, auf dem Pedersen und Bakhtari ihre Filme gezeigt hatten, gelang es Bakhtari schließlich, Afghanistan zu verlassen.

„Mir bricht es das Herz, diese Filme zu sehen“, sagt ein junger Afghane bei der anschließenden Diskussion. Überrascht ist der 24-Jährige allerdings nicht. Schon junge Kinder müssten in Afghanistan schwer arbeiten. „Zu viele Kinder haben kein Leben.“

Von Frauke Herweg

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