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Ostprignitz-Ruppin Lustig, bissig, Oechelhaeuser
Lokales Ostprignitz-Ruppin Lustig, bissig, Oechelhaeuser
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00:31 15.03.2018
Die Kabarettistin Gisela Oechelhaeuser bei ihrem Auftritt am Sonntag im Kulturhaus. Nur ganz selten saß sie dabei mal. Quelle: Wolfgang Hörmann
Kyritz

Sie ist jetzt schon zum vierten Mal in Kyritz und kommt an diesem Sonntag im schwarzen Hosenanzug. Ihr Programm passt sich dem Zweiteiler an. Es gibt einen Teil vor der Pause und eine Fortsetzung danach. Requisiten für die kommenden zwei Stunden im Kyritzer Kulturhaus sind eine Papierblume im Haar und ein roter Fummel, den sie sich überwirft, wenn sie als „Valentina“ ihr Leben reflektiert. Dann ist sie die Frau von der Lidl-Kasse, nicht unterzukriegen von ihren Chefs und den Tücken des Alltags, immer wachsam mit einer Mischung aus naiv und bauernschlau. Aber diese Verwandlung kommt erst fast zum Schluss.

Gisela Oechelhaeuser, Kabarettistin seit über vier Jahrzehnten, Pfarrerstochter, gelernte Industrie-Uhrmacherin, promovierte Germanistin, Ex-Distel-Gewächs aus Berlin, führt am Anfang ihres Programms zunächst mal die „große“ Politik und die Kultur zusammen. Sie wird bis zum Ende ihres Solos den Beweis dafür antreten, was ein Journalisten-Freund einst über sie sagte, nämlich, dass sie eine „Sammlerin von Nachrichten mit verborgenem Widersinn“ sei.

Trotz jeder Menge Humor auch ernsthafte Töne

Und diese Nachrichten klingen bei weitem nicht immer gut. Sie sind kabarettistisch in einer Handlung versteckt, die zum Beispiel auf einem Kreuzfahrtschiff spielen kann, das keinesfalls im Mittelmeer untergehen dürfe, schon wegen der vielen toten Flüchtlinge hier. Oechelhaeuser serviert starken Tobak ohne zu vergessen, dabei an das Leid der von Schleppern Verführten zu erinnern. Sie lässt keinen Zweifel an ihrer kritischen Haltung zu den Regierenden. Die richtet sich an eine hilflos erscheinende Europäischen Union und die Bundesregierung samt Kanzlerin, die ihre Hände wie zum Gebet falte, aber keine brauchbare Lösung beim Umgang mit den Ankommenden parat habe. Und für die Menschen hier, die die Fremden empfangen sollen.

Die Frau auf dem flachen Podest vor der Bühne erweist sich ein weiteres Mal als Meisterin der Ironie, wobei den Zuhörern im gut gefüllten Saal manchmal das Lachen im Hals stecken bleibt. Dann zum Beispiel, wenn sie über Schweigeminuten für 40 000 ertrunkene Flüchtlinge fabuliert und dabei laut drüber nachdenkt, wie die vielen Stunden am besten „abgetrauert“ werden könnten (Ihr Vorschlag: „vielleicht immer eine Stunde sonntags nach dem „Tatort“).

Das Publikum fühlte sich zwei Stunden lang gut unterhalten vom Programm, das die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke) organisiert hatte. Quelle: Wolfgang Hörmann

Etwas lockerer wird es im zweiten Teil des Programms. Hier nimmt die 74-jährige schonungslos Marotten ihrer Mitmenschen aufs Korn. Da wäre der „Schnäppschenkauf“, bei dem es klassisch-sächsisch aber teilweise auch tiefschwarz-humoristisch zugeht. So etwa in der Szene, in der Urnen für Begräbnisse „bei drei Prozent Rabatt“ im Angebot sind, und die kluge Nachbarin gleich zehn Aschebehälter hamstert. Leider gibt es die nur ohne Deckel („da haben zum Glück aber die von Einmachgläsern gepasst“), doch der Weitblick der klugen Hausfrau setzt sich durch. „Wir sind schließlich eine große Familie mit viel Verwandtschaft“.

Wie schon bei ihrem Auftritt zuletzt vor zwei Jahren in Kyritz läuft Gisela Oechelhaeuser als „Valentina“ und komplett zahnlose steinalte „Frau Müller“ zur Hochform auf. Deren Lebensweisheiten lässt so manchen im Saal Tränen lachen. Überhaupt: Das Lebensalter. Die Akteurin des Sonntagsvormittags macht klar, dass sie vorläufig nicht daran denke, sich zur Ruhe zu setzen oder Däumchen zu drehen. „Ich komme auch mit dem Rollator“, lässt sie wissen. Als Kabarettistin, so bekennt sie in ihrem Buch „Hier geblieben“, genieße sie gern den Austausch mit dem Publikum und liebt das spontane Reagieren – immer noch.

Kirsten Tackmann (l.) bedankte sich am Ende mit einer Zierpflanze. Die blühte natürlich rot. Quelle: Wolfgang Hörmann

Die Matinee am Sonntag war die 15. kurzweilige Veranstaltung, organisiert, veranstaltet und finanziert von Kirsten Tackmann, Bundestagsabgeordnete der Fraktion „Die Linke“. Wie immer galt der Vormittag als Nachfeier des Internationalen Frauentages.

Von Wolfgang Hörmann

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