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Ostprignitz-Ruppin MAZ-Leser im Ruppiner Land zeigen Herz
Lokales Ostprignitz-Ruppin MAZ-Leser im Ruppiner Land zeigen Herz
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17:39 14.12.2015
Auch zu diesem Weihnachtsfest regnet es wieder Sterntaler. Quelle: Fotolia
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Neuruppin

Kostet ein Ehefähigkeitszeugnis bei der kenianischen Botschaft wirklich 300 Euro? Und ist es das richtige Projekt für die MAZ-Weihnachtsaktion? Sollen die MAZ-Leser einem Neuruppiner die Reparatur seines Autos bezahlen, wenn andere Menschen auch mit dem Zug nach Berlin fahren können? Wäre eine Monatskarte nicht billiger als die Autowerkstatt? Wie kann man sicherstellen, dass für Lebensmittelgutscheine kein Alkohol gekauft wird?

Vor allem aber: Wie können wir Arbeitslosengeld-II-Empfängern zu Weihnachten etwas Gutes tun, ohne dass die Hartz-IV-Behörde das Geschenk anrechnet und den Betroffenen damit sofort wieder wegnimmt? In diesem Fall könnten wir die Sterntaler-Spenden gleich an die Agentur für Arbeit überweisen. Doch unseren Spendern ist daran gelegen, Bedürftigen eine Freude zu machen – und nicht dem Bundesfinanzminister.

Solche Fragen bestimmen die Diskussion unserer Sterntaler-Konferenzen ebenso wie die Frage, worüber sich eine alleinerziehende Mutter von drei behinderten Kindern denn am meisten freuen würde. Ihre Lebenssituation grundsätzlich verbessern, das könnten wir auch mit ein paar tausend Euro nicht. Es geht darum, Menschen zum Weihnachtsfest eine Aufmunterung zu schenken, die sie sich selbst nicht leisten können.

Man erschrickt, wie wenig das mitunter sein kann – das Nicht-leisten-Können: ein Kinobesuch, ein Essen im Restaurant, ein Tag mit den Kindern im Tierpark. Worüber Normalverdiener nicht nachdenken müssen, das ist für andere unbezahlbar. Zu helfen wirft mehr Fragen auf, als man glaubt: Soll man jemandem einem stromfressenden Wäschetrockner schenken, der schon jetzt Stromschulden hat? Oder bekommt die Familie ohne den Trockner noch ein Schimmelproblem?

Die Neuruppiner Sterntaler-Kommission berät einmal wöchentlich in den MAZ-Räumen am Fontane-Denkmal über die Vergabe der Spenden. Quelle: Peter Geisler

Bargeld an die Bedürftigen auszuzahlen ist tabu, das ist schnell klar – es würde ihnen sonst sofort von der Agentur für Arbeit weggenommen. Andererseits möchten sich die Empfänger auch gern selbst etwas im Laden aussuchen, sei es Spielzeug, Kosmetik oder Kleidung. Also verschenken wir Gutscheine. Dafür muss man die Hilfsbedürftigen aber kennen. Dafür hat die MAZ kompetente Partner aus dem sozialen Bereich. Sie schlagen uns die Empfänger Ihrer Spenden vor. Mehr als 5200 Euro sind in dieser Adventszeit schon für Bedürftige im Ruppiner Land zusammengekommen. Viele Leser und Betriebe haben großzügig gespendet, damit mittellose Menschen im Ruppiner Land sich und ihrer Familie zu Weihnachten auch eine Freude machen können.

Gemeinsam wird überlegt: Wo würde eine ältere Dame gern einkaufen, wo eine schwangere junge Frau, die aber nicht mobil ist? Wer kann welche Gutscheine besorgen? Soll das Spielzeug lieber im Supermarkt gekauft werden oder im kleinen Fachgeschäft in der Innenstadt? Die Vertreter des Netzwerks Gesunde Kinder, der Ruppiner Tafel, der Volkssolidarität, des Arbeiter-Samariter-Bundes, des Übergangswohnheimes in Treskow und der MAZ leben in Neuruppin, kennen die Geschäfte, und jeder hat eine Idee, wo man was am besten bekommen könnte. Gemeinsam wird dann festgelegt, wie viel Geld ein paar Schuhe kosten sollen, wie viel für einen Kinobesuch für vier spendiert werden müsste oder was man für einen Wintermantel anlegen muss, der nicht gleich kaputtgeht. Ist alles zusammengerechnet, ziehen die Helfer los, um die Gutscheine zu kaufen. Der Kinobetreiber legt noch einen Poster und ein paar Süßigkeiten mit in die Tüte, als er hört, dass die Spenden für die Sterntaler-Aktion der MAZ sind.

Hilfe auch für die, die sich nicht in den Vordergrund drängen

Die Waschmaschine für die syrische Flüchtlingsfamilie ist beim Fachhändler in der Neuruppiner Innenstadt auch nicht teurer als bei der großen Handelskette. Aber der private Händler kommt uns dann noch mit dem Preis entgegen, als er hört, worum es geht. Plötzlich reicht das Budget auch noch für den Kühlschrank, den ein alleinstehender Herr braucht. Kornelia Rangnow vom Netzwerk Gesunde Kinder hat gut verhandelt. Und sie kennt persönlich die junge Mutter, die nicht von selbst um Hilfe bitten würde, obwohl sie Unterstützung nötig hätte.

Frank Adelmann von der Tafel weiß, wer sich bei der Lebensmittelausgabe nicht in den Vordergrund drängt, obwohl er Hilfe braucht. Stefanie Kühl vom Übergangswohnheim im Neuruppiner Stadtteil Treskow beobachtet in den Flüchtlingsfamilien, wem es nicht gut geht, obwohl er es zu überspielen versucht. Sie sieht, welche Flüchtlinge sich anstrengen, Deutsch zu lernen, und doch in ständiger Angst leben, nicht bleiben zu dürfen – und wem es gut täte, diese Angst mal für ein paar Stunden zu vergessen. Sie will sich selbst die Zeit nehmen, um mit einem Flüchtlingsmädchen aus Tschetschenien ein Spielzeug zu kaufen.

Margitta Barsikow vom Arbeiter-Samariter-Bund unterstützt die Sterntaler-Aktion seit vielen Jahren. Sie überrascht Bedürftige gern mit Präsentkörben zum Weihnachtsfest. Quelle: Peter Geisler

Margitta Barsikow vom Arbeiter-Samariter-Bund weiß, welche ältere Dame sich über einen Präsentkorb mit Pralinen freuen würde und wer einfach nur eine warme Kuscheldecke braucht oder eine neue Herdplatte – und wo man die am besten kauft. Sie kocht auch gern schon mal Spiegeleier für jemanden, der das selbst nicht mehr kann.

Und die MAZ weiß, wie man diese Wünsche öffentlich macht, ohne die Bedürftigen bloßzustellen oder dem Neid der Nachbarn auszusetzen, die vielleicht auch nicht auf Rosen gebettet sind. Denn jedem helfen, der es nötig hat, das kann auch die Sterntaler-Aktion nicht.

Am Ende entscheidet sich die Neuruppiner Kommission für den Zuschuss zur Auto-Reparatur – weil der Mann, dem das Auto gehört, sonst nichts mehr hat: keine Arbeit, keine eigene Wohnung. Und weil sein Auto für ihn das letzte Stück Selbstbestimmung bedeutet, das ihm noch geblieben ist.

Nur den Gutschein für das Tierfutter müssen wir dann doch noch mal umtauschen. Darauf ist eine Katze abgebildet. Der Bedürftige, der die Futter-Beihilfe bekommt, hat aber einen Hund.

Von Christian Schmettow

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