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Ostprignitz-Ruppin MAZ-Serie „Mein Beruf“: Bühnen- und Kostümbildnerin
Lokales Ostprignitz-Ruppin MAZ-Serie „Mein Beruf“: Bühnen- und Kostümbildnerin
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11:37 25.08.2017
Jule Dohrn-van Rossum in ihrer Boxring-Kulisse zu „Tucholskys Spiegel“ an der Kammeroper Rheinsberg.  Quelle: Peter Geisler
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Rheinsberg

 Am vergangenen Freitag wurde in Rheinsberg die Oper „Tucholskys Spiegel“ uraufgeführt. Die Wahlberlinerin Jule Dohrn-van Rossum hat für das moderne Stück das Bühnenbild gestaltet. Die Inszenierung ist für die 39-Jährige die 53. Produktion, im ganz Deutschland hat sie bereits verschiedenen Theaterproduktionen einen ästhetischen Rahmen gegeben. Das Gespräch mit der MAZ fand zwei Tage vor der Premiere in den Kulissen von „Tucholskys Spiegel“ im Schlosstheater statt.

Frau Dohrn-van Rossum, ist die Bühne ein Ensemblemitglied?

Auf jeden Fall! Die Bühne ist definitiv Teil des Ensembles, sie unterstützt das Zusammenspiel aller Beteiligten.

Ist dabei weniger mehr?

Je weniger auf der Bühne zu sehen ist, desto bedeutungsvoller werden die einzelnen Gegenstände. Ein reduziertes Bühnenbild schafft Platz für die eigene Fantasie, es regt dazu an, Bilder für sich selbst zu ergänzen. Deshalb arbeite ich in meinen Bühnenbildern gerne mit einer Meta-Ebene. In der Produktion zu „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare, die ich 2016 an der Landesbühne Wilhelmshaven begleitet habe, war der Schauplatz – der Wald – beispielsweise nur ein schwarz-weißes Foto im Hintergrund. Wenn ich die Bühne vollstelle, was bei diesem Stück ja denkbar wäre, dann nehme ich den Zuschauern die Möglichkeit, eigene Vorstellungen zu entwickeln.

Haben Sie in Ihren Bühnenbildern mittlerweile eine eigene Handschrift entwickelt?

Mir ist es in meiner Arbeit wichtig, nicht immer dem gleichen Prinzip zu folgen, mich immer wieder neu auf die Suche zu begeben und mich nicht einzuschränken. Auf jede Geschichte muss man sich neu einlassen und nicht das übernehmen, was man vorher schon mal gemacht hat. Sicher entwickelt man mit der Zeit einen gewissen eigenen Stil, und ich bin eben ich, aber ich versuche zu vermeiden, dass man meine Arbeiten beim ersten Draufschauen sofort als meine erkennt.

Wie beschreiben Sie ihren Beruf?

Als Theatermensch führt man ein Nomadenleben. Ich lebe es gerne, treffe interessante, tolle Menschen und komme an Orte, zu denen ich sonst nie gefahren wäre. Natürlich gibt es Vor- und Nachteile, aber meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Wer darüber nachdenkt, diesen Beruf ergreifen zu wollen, dem kann ich nur sagen: Überleg‘ es dir gut! Es ist viel Arbeit für wenig Geld, es ist sehr anstrengend und kein Job, den man „mal eben so“ macht. Darüber sollte man sich vorher im Klaren sein. Aber gleichzeitig ist er kommunikativ und wahnsinnig spannend, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Man muss es wollen. Ein Studium würde ich in jedem Fall empfehlen, allein schon wegen der technischen Zeichnungen, die man beherrschen muss, und auch, um Methoden zu entwickeln, kreative Ideen realistisch zu gestalten.

Wie kamen Sie nach Rheinsberg zu Tucholsky?

„Tucholskys Spiegel“ ist meine 53. Produktion und meine erste Zusammenarbeit mit der Kammeroper Rheinsberg. Das Bühnenbild für dieses Stück ist eine Auftragsarbeit, die ich im Januar begonnen habe. Für das Bühnenbild habe ich mich davon inspirieren lassen, dass Tucholsky versuchte, „mit seiner Schreibmaschine gegen die Nazis zu kämpfen“. Das Libretto ist sehr lyrisch, hier wird nicht einfach Tucholskys Leben erzählt. Das Stück besteht aus kaleidoskopartigen Momenten und Szenen, die den Kampf mit den Gefühlen Tucholskys darstellen, nämlich in einer Welt zu leben, die er ändern will. Die Inszenierung ist wirklich ein musikalisches Ereignis, es gibt spannende Szenen mit großartigen, jungen Sängern und tollen Musikern. Ich bin sehr beeindruckt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Man fängt bei so einer Aufgabe erst einmal bei Null an, bevor es mit der kreativen Entwicklung losgeht. Ich beginne zu recherchieren, lasse mich inspirieren von Bildern, Fotos, Farben, Skulpturen, Wörtern, Musik, Licht und Stimmungen. Die Ideen kommen von alleine – manchmal auch bei einem Spaziergang. Vielleicht habe ich dann schon einen Ansatz im Hinterkopf, und dann kommt mir plötzlich ein Gedanke, aus dem sich langsam etwas entwickelt. Ich habe auch viele Gespräche mit dem Regisseur über das Stück geführt. Mit dem Regisseur bilde ich ein Team, man redet über die Konzeption, die Zeit, in der man sich befindet, und ich mache dann Entwürfe und ein Bühnenbildmodell.

Wie kommen Sie an Aufträge?

Der Kontakt läuft immer über die Regisseure, meist bringen sie ihr eigenes Team mit. Das ist sinnvoll, weil man schon eine gemeinsame Sprache entwickelt hat. Sich ein Netzwerk aufzubauen, ist sehr wichtig. Ich habe während meines Studiums in Offenbach Kontakte geknüpft, die heute noch bestehen und bin froh, dass ich immer wieder angefragt werde.

Sie sind auch Kostümbildnerin. Wie gestaltet sich diese Aufgabe?

Das Kostümbild betrifft die Figuren des Stückes, ich bespreche mich mit der Maske, wie sie geschminkt werden sollen, zeichne Figurinen, entwerfe Kostüme und überlege, welche Materialien und Stoffe gut passen. Unterschiedliche Materialien erzählen unterschiedliche Dinge, sie machen sehr viel aus und haben mit dem Gesamtbild zu tun, sowohl beim Bühnenbild als auch bei den Kostümen. Wenn ich zum Beispiel Kostüme für Tänzer mache, die sich darin gut bewegen können sollen, kommt Leder nicht in Frage. Die meisten Theater verfügen über eigene Werkstätten, zum Beispiel Malereien, Schneidereien und Schreinereien, wo Kulissen und Kostüme hergestellt werden können. Für den Aufbau sind die Bühnentechniker zuständig, die Requisiteure kümmern sich um die kleineren Details.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf
gekommen?

Der Gedanke war immer schon da. Er ist einfach immer mehr an die Oberfläche gerutscht. Mit dem Theater bin ich groß geworden, meine Mutter ist Schauspielerin, das hat mich beeinflusst. Gebürtig komme ich aus Frankfurt am Main. Zuerst habe ich zwei Jahre Romanistik in Perugia studiert, dann 1998 ein Studium der Restauration alter Hölzer in Florenz angeschlossen und schließlich an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach im Fach Visuelle Kommunikation 2007 einen Diplomabschluss mit dem Schwerpunkt Bühnen- und Kostümbild gemacht. Von 2007 bis 2011 war ich Ausstattungsleiterin am Theater der Jungen Welt Leipzig und arbeite seitdem freiberuflich. 2015 habe ich einen zusätzlichen Studienabschluss als Kulturmanagerin an der Deutschen Akademie für Management erworben.

Auf der Bühne möchte ich nicht stehen, aber ich finde es sehr spannend, ihr eine Ästhetik zu geben, Kostüme zu kreieren und Akzente zu setzen, die die Fantasie anregen. Ich bin ein ästhetischer Gucker.

Wie sieht ein „typischer“ Arbeitsalltag für Sie aus?

Die Tage sind lang. In der Vorbereitung für ein Stück gehe ich morgens um acht in die Werkstätten und schaue, was dort schon gemacht wurde. Zwischen zehn und 14 Uhr finden die Proben statt, nach der Mittagspause kümmere ich mich beispielsweise um die Lichteinrichtungen auf der Bühne. Und von 18 bis 22 Uhr sind dann die Abendproben.

Wie kriegen Sie Ihren Kopf wieder frei?

Ich bin froh, wenn ich mal zuhause bin und dort ein wenig Ruhe habe. Ich bin ja sehr viel unterwegs. Außerdem gehe ich gerne in die Natur, wandere und höre Musik.

Gibt es eine Art von Theater, für das Sie besonders gerne das Bühnenbild machen?

Ich mag alles gerne, es kann für mich gemischt und unterschiedlich sein! Alles ist auf seine Weise spannend. Bei der Oper passieren ganz andere Dinge als beim Sprechtheater, dort öffnen sich ganz andere Bilder. Ich habe auch gerne Klassiker, aber ebenso Kindertheater und Jugendstücke, wobei die leider oft einen negativen Touch haben, so nach dem Motto, da wird ja nur ein bisschen „Spieli, Spieli“ gemacht. Dabei sind Kinder die viel härteren Kritiker – die lassen dich sofort wissen, wenn irgendwas nicht funktioniert. Man darf Kinder nicht unterschätzen. Ich möchte mit meiner Arbeit Ästhetik vermitteln, was fürs Auge, und Kinder zu verzaubern ist schön, das macht mir Spaß.

Aber auch Erwachsene sollen verzaubert werden! Und auch von ihnen freue ich mich sehr über Reaktionen auf meine Arbeit, denn natürlich es ist mir wichtig, wie sie wahrgenommen wird.

Von Christina Koormann

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