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Mäkeln am Millionenmuseum

Neuruppiner Heimatforscher sind enttäuscht Mäkeln am Millionenmuseum

Historiker, die sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte ihrer Heimatstadt beschäftigen, sind enttäuscht. Anders als in Perleberg und Wittstock sei der Museumsumbau in Neuruppin misslungen, die Ausstellung banal und auf Effekte aus. Nicht mal komplett barrierefrei sei der teure Anbau. Der Leiter des Museums wehrt sich. Besucherzahlen scheinen ihm Recht zu geben.

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Ganz so voll wie zur Eröffnung ist das Museum nicht mehr. Rollstuhlfahrer können die Bilderbogen in den hohen Vitrinen nicht sehen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Neun Monate nach der Wiedereröffnung des Neuruppiner Museum ebbt die Kritik an der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte nicht ab. Der Stammtisch Ruppiner Geschichte teilte am Mittwochabend im Neuruppiner Klosterhof mit, er werde sich an den Gesprächsrunden im Museum nicht weiter beteiligen.

Eine Dame und elf Herren – die meisten im Rentenalter – sind sich einig, dass die Zusammenarbeit keinen Sinn mehr habe. Vor allem der Verleger Peter Pusch, der Stadtführer Ulrich Gaebler und der Archäologe Dietmar-Wilfried Buck äußerten detailreiche Kritik. Zusammengefasst und vereinfacht werfen die langjährigen Neuruppiner Heimatforscher dem Museum Folgendes vor: Das Museum stelle keine historischen Zusammenhänge mehr dar – es sei eine „Raritätensammlung“, die effekthascherisch einige besonders kuriose Ausstellungsstücke in die Mitte des Raumes stelle, ohne damit etwas zu erklären. Die Früh­geschichte fehle ebenso wie Theodor Fontane völlig in der neuen Ausstellung, von der Kaufmannsfamilie Gentz gebe es nur noch drei Bilder. „Der Kern des Museums ist die Zietensammlung“, sagt Peter Pusch. „Davon sieht man fast nichts.“ Das Museum sei ein „Kuriositätenkabinett“ fast ohne Erklärungen, und wo Erklärungen stehen, da seien sie oft falsch oder banal. Beispiel: In einer Vitrine liegen sieben Knöpfe. Auf dem Schild stehe: „Sieben Knöpfe“.

Museumsleiter Hansjörg Albrecht

Museumsleiter Hansjörg Albrecht.

Quelle: Peter Geisler

Der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Gerd-Uwe Masberg, ärgert sich zudem, dass die Bariererefreiheit in dem Neubau nicht komplett umgesetzt worden sei – bei 5,4 Millionen Euro EU-Fördermitteln für den barrierefreien Umbau sei das ein Unding. So sollten eigentlich die Vitrinen der Bilderbogen angeschrägt sein, damit auch Rollstuhlfahrer im Sitzen die Ausstellungsstücke sehen können. Zu viel Kunst – zu wenig Geschichte, lautet eine weitere Kritik. Es gebe in Neuruppin sechs Galerien. Da müsse man das neue Museum nicht unbedingt mit einer Anton-Henning-Schau eröffnen. Aber das komme eben heraus, wenn drei Kunsthistoriker im Museum arbeiten.

Von dem Millionen teuren Anbau hatten sich die alten Neuruppiner vor allem mehr Platz im Museum versprochen, der dafür genutzt werden könnte, mehr Exponate zu zeigen, die sonst ungesehen im Magazin lagern. Umso größer die Enttäuschung, nun zwar große, aber fast leere Räume vorzufinden, in denen vielleicht nur sechs Bilder hängen und in der Mitte eine Vitrine steht.

Doppelt so viele Besucher wie vor dem Umbau

Was für die einen eine vertane Chance ist, darin sehen der Museumsleiter Hansjörg Albrecht und seine Mitarbeiterin Dorothea Leicht allerdings die Chance, in Zukunft auch Menschen zu erreichen, die sonst nicht ins Museum gehen. Das Museum zähle doppelt so viele Besucher wie vor dem Umbau. Die Ausstellung sei modern und nicht überfrachtet mit Text. Auch große Gruppen können sich durch die Räume bewegen, ohne überall anzustoßen. „Ein Museum kann Geschichte nicht komplett darstellen. Ausstellen heißt auswählen und gewichten“, sagt Hansjörg Albrecht am Tag nach dem Stammtisch.

Auch den Vorwurf, im Museum arbeiteten nur Kunsthistoriker, ist er allmählich leid. Alle Mitarbeiter hätten einen Magister-Abschluss und mindestens drei Fächer studiert. Dorothea Leicht ist unter anderem auch Pädagogin. Weil zu lange Texte gar nicht gelesen werden, kann man viele Informationen zusätzlich per Kopfhörer bekommen. Albrecht räumt ein, dass es bisher keine Werbezettel für das Museum gibt und dass auch die verprochenen Apps fürs Smartphone noch nicht da sind. Das liege daran, dass man auch diese Dinge durchdacht konzipieren will – selbst, wenn das dann ein bisschen länger dauert.

Von Christian Schmettow

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