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Ostprignitz-Ruppin Männer mischen in der Kita mit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Männer mischen in der Kita mit
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00:20 23.09.2017
Hier spielen vielleicht Bauarbeiter von morgen. Erzieher Lars Giese hat in seinem Beruf eine neue Bestimmung gefunden. Quelle: Wolfgang Hörmann
Wusterhausen

Pia bringt Plaste-Pizza. Die Stücke klappern ein bisschen auf dem Teller. Das „Gericht“ passt haargenau zur Unterlage. „Hast du die selber gebacken?“ Ernstes Nicken bei der kleinen Hausfrau mit dem Pferdeschwanz. Sie spielt Mama. Und deckt den Tisch. Lars Giese spielt mit. Dabei hat der Erzieher die Mini-Brigade im Auge, die auf dem Teppich-Fundament aus Holztafeln ein Haus errichten will. Jetzt kommt es wie im richtigen Leben. Der Ton wird gerade mal etwas rauer auf dem Bau. Ein Schlichter muss her. Schnell ist klar: Bei der „Materialbeschaffung“ fühlt sich einer ausgetrickst. Er protestiert. Giese klärt die Fronten ruhig, aber bestimmt.

Die kleinen Handwerker stapeln hoch

Die kleinen Handwerker stapeln schon wieder weiter hoch, unbeeindruckt vom Puppenwagen, der leicht überladen vorbeifährt. So geht’s zu beim Spiele-Nachmittag der Vierjährigen in der Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Wusterhausen. Erst vor wenigen Tagen sind zwei Gruppen aus ihrem angestammten Quartier Am Burgwall unweit der „Dosse“-Halle ein paar Meter zurück in die ehemalige Bibliothek umgezogen.

Haus 2 ist nun leer. Es wird grundlegend saniert. Zwar ist es noch nicht ganz so weit, noch fehlt der Fördermittelbescheid, „aber wir wollten die Ferienzeit für den Ortswechsel nutzen, weil dann weniger Kinder betreut werden müssen“, hatte Bürgermeister Roman Blank jüngst erklärt.

Spaziergang mit den Kindern durch den Ort Quelle: Wolfgang Hörmann

Das Ganze war ein Kraftakt. Schließlich musste ja fast gleichzeitig auch die gesamte Verwaltung ihre Koffer packen, um in der Alten Schule für die nächsten Monate die Rathaus-Kopie einzurichten. Für das „richtige“ am Marktplatz stehen schon die Handwerker in den Startlöchern.

Es wird also demnächst zwei große Baustellen geben in der Stadt. Die notwendigen Bedingungen an den Ausweich-Adressen mussten erst geschaffen werden, was alles in allem gut gelungen ist. Sogar „optimal“ nennt sie Diana Klüssendorf-Mediger, Leiterin der Kita, für ihren Bereich.

Zwei Gruppen kamen in der Astrid-Lindgren-Grundschule unter und zwei in der früheren Bücherstube mit ebenfalls sanierter Turnhalle gleich nebenan. Zum Austoben ist das ideal. Im einstigen Bibliothekshaus wurden Trennwände gezogen und Sanitäranlagen eingebaut.

Männer sind in der Kita keine Exoten mehr

Karsta Reich betreut nun in Nachbarschaft zur Alten Schule zwölf Mädchen und Jungen. Das zweite Dutzend schlüpfte unter die Fittiche von Lars Giese.

Ein Kindergärtner in der Frauen-Domäne? Das ist längst nichts Exotisches mehr. Die Zeit, in der man sich darüber wundern konnte, liegt längst zurück. „Es gibt keinen Kindergärtner. Die Männer sind ausgebildete Erzieher. Und wieso einer? Wir haben drei“, stellt die Chefin der kommunalen Kita klar. Neben Michael Martin, ihrem Stellvertreter, sind das Daniel Kopperschmidt und eben Lars Giese. „Die Mischung ist gut für die Kinder und auch für das Arbeitsklima“, findet die Leiterin.

Lars Giese kam als Quereinsteiger ins Team

Lars Giese kam als Quereinsteiger ins Team. Der gelernte Fliesenleger, unter anderem auch auf Baustellen in den Niederlanden eingesetzt, suchte eine berufliche Alternative. Sie sollte ihn wieder näher an die Familie heran bringen. „Wir hatten damals zwei Kinder, die mehr als nur einen Wochenend-Vater brauchten. Und mir fehlten sie natürlich auch. Das ging nur mit einem beruflichen Neuanfang. Weil ich schon immer gut mit Kindern umgehen konnte, fand ich den Erzieher-beruf interessant“, erinnert sich der Vehlower. Seit 2010 übt er ihn schon aus, zunächst im Hort, jetzt in der Vorschule, womit sich sein Wunsch erfüllte. „Ich habe das nicht bereut“, so das Fazit des nun vierfachen Familienvaters.

Für Ina Schläfke, eine der Mütter, ist Lars Giese eine Bestbesetzung. „Unser Großer war schon in seiner Gruppe und nun ist es auch der Kleine. Die Art, wie Herr Giese mit den Kindern umgeht, tut ihnen gut. Und uns Eltern auch.“

Von Wolfgang Hörmann

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