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Märchenhaftes Papiertheater in Neuruppin

Miniaturbühne aus Bilderbögen Märchenhaftes Papiertheater in Neuruppin

Winzige Schauspieler, Kulissen, die man aus dem A3-Block zaubern kann, Drehbühne und Beleuchtung: das Papiertheater ist Theater für die gute Stube. Im 19. Jahrhundert kam diese Form des Miniaturtheaters erstmals auf – die Bilderbögen-Druckereien hatten viel zu tun, die Nachfrage zu befriedigen. Am Sonntag gastierte das Papiertheater Invisius im Museum Neuruppin.

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Der liebevoll gestaltete Königssaal.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Irgendwann im frühen 19. Jahrhundert wollte auch das Bürgertum Theater sehen, das sonst dem Adel vorbehalten war. Die Druckereien der Bilderbögen hatten Hochkonjunktur, Kulissen und Figuren zu drucken, die in den Bürgerhäusern rege genutzt worden: für das Papiertheater, was im kleinen Kreise, ähnlich wie Hausmusik, ein willkommener Zeitvertreib war. So liegt es auf der Hand, dass das Neuruppiner Museum, in dem just solche Bilderbögen ausgestellt sind, sich auch das Theater ins Haus holt. Rüdiger Koch vom Berliner Papiertheater Invisius war bereits im Winter mit dem „Freischütz“ zu Gast, dem Klassiker dieser Theaterform. Am Sonntag gastierte er mit „Rotkäppchen“ und mit „Vom Fischer un sin Fru“. Letzteres in plattdeutscher Sprache. „Sie müssen nur wissen, dass stejnern slot Steinschloss bedeutet“, erklärt er. Der Rest wie König, Kaiser, Papst sei gut zu verstehen. Die Geschichte um die nie zufriedene Fischersfrau, die dank des verzauberten Butts immer mehr Reichtum und Macht erlangt, ist bekannt. Am Ende landet sie – sie hat das Maß zu weit getrieben – da wo sie herkam, im Pisspott.

Hinterher durfte hinter die Kulissen geschaut werden

Hinterher durfte hinter die Kulissen geschaut werden. Rüdiger Koch (r.) erklärte alles.

Quelle: Regine Buddeke

Rüdiger Koch hat das Ganze in seiner kleinen Guckkastenbühne reizend gestaltet. Eine karge Meerlandschaft erscheint, als sich der Vorhang hebt. Der Fischer, eine Pappfigur, die am Stab über die Bühne geschoben wird, trifft den Butt – ein ums andere Mal. Und immer wieder ändert sich die Kulisse, wenn er nach Haus kommt. Ein Kronleuchter senkt sich feierlich ins Königsschloss, eine große Hand über der kaiserlichen Bettdecke ist Metapher dafür, dass diese Frau den Hals nicht voll genug bekommen kann. Immer düsterer wird die Szenerie, wenn der arme Fischer erneut zum Butt ans Meer kommt, Blitze zucken, der Himmel flammt wechselnd in Purpur und Schwarz. Immer größer wird das Tier, immer lauter hallt seine Stimme. Über allem ertönt Musik, dramatische Orgel, stille oder aufgeregte Flöte. Die 20 Zuschauer – die beiden letzten Reihen bekommen ob der kleinen Bühne ein Opernglas geliehen – sind gebannt von dem märchenhaften Geschehen.

Einfach aber effektvoll

Einfach aber effektvoll: das Theater von hinten.

Quelle: Regine Buddeke

Hinterher darf hinter die Kulissen geschaut werden. Rüdiger Koch zeigt die Figuren und Kulissen und demonstriert, wie sie sich bewegen können auf der runden Drehscheibe. Er zeigt die Beleuchtung und erzählt, dass sein Cousin, ein Pianist, die Musik zum Stück geschrieben hat, die manches Mal auch live gespielt wird. Und dass eine befreundete Architektin froh darüber war, endlich einmal ein Schloss entwerfen zu dürfen.

Von Regine Buddeke

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