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Ostprignitz-Ruppin Märkischer Pferdehimmel für tierische Senioren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Märkischer Pferdehimmel für tierische Senioren
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07:35 17.05.2016
Leni, Romy, Andreas Rau und Irene Hämmerling. Quelle: Regine Buddeke
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Dierberg

Die Nachbarskinder Romy und Leni tätscheln gerade den „Weltenbummler“ – genannt Bommel. „Wo Pferde sind, sind kleine Mädchen“, sagt Irene Hämmerling und schmunzelt. Ihr Partner Andreas Rau packt derweil noch etwas Heu auf die Raufe, an der Bommel und seine Kameraden stehen und genüsslich kauen. Aus dem Stalltor lugt ein Brauner, auf der Koppel hat sich ein Pferd zum Schlafen ausgestreckt, ein anderes döst daneben. Die Apfelbäume stehen in voller Blüte, es duftet, die Bienen summen. Zwischen den Bäumen liegen alte Autoreifen, die als Futterstellen dienen. „Wegen der Rangordnung“, erklärt Andreas Rau. „Dann können alle Tiere gleichzeitig fressen.“

Idylle mit Apfelbäumen. Quelle: Buddeke

Sieben Pferde sind es zurzeit, die die weitläufige Weide, den Apfelbaumhof und den „Mehr-Raum-Offen-Laufstall“ bewohnen, wie Rau die überdachte und für die Pferde von zwei Seiten begehbare Scheune nennt. „Wir hatten mal 14, aber das war zuviel“, erinnert sich Andreas Rau. „Mehr als zehn dürfen es nicht sein, wenn man alle ordentlich versorgen will“, ergänzt Irene Hämmerling. Alle Pensionsgäste eint, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes Pensionäre sind: Also in einem Alter, in dem es überall ziept und knirscht, die Augen oder die Zähne nicht mehr wollen. Andreas Rau und Irene Hämmerling betreiben in Dierberg die „Villa Pegasus“ – eine Art Seniorenheim und artgerechtes Zuhause für Pferderentner und Rekonvaleszenten: mit Krankenboxen, liebevoller Betreuung und reichlich Platz. Etwa „Crack“, der auch Opi genannt wird dank seiner 34 Jahre. „In Menschenjahre umgerechnet wäre er weit über 100“, sagt Rau. Mit 28 Jahren kam das Tier aus Neuss nach Dierberg. Haflinger Aramis, 29 Jahre, hat nur noch wenige Backenzähne. „Er kann nicht so gut kauen, daher braucht er viele kleine Mahlzeiten über den Tag“, sagt die Wahl-Dierbergerin. „Und über die Nacht“, ergänzt ihr Partner. Heu geht bei Aramis nicht – er braucht sein Futter kleingehäckselt. Insofern ist Irene Hämmerling froh, dass sie im Internet den „Mampfomat“ entdeckte: eine Art Futterautomat, der in frei wählbaren Zeitabständen das Spezial-Futter in gewünschter Menge in den Trog kippt. Bis zu acht Portionen kann man vorab einfüllen. „Jetzt müssen wir nur aufpassen, dass Ari nicht zu rund wird“, scherzt Hämmerling, die weiß, wie schwer es ist, Pferde aufzupäppeln, wenn sie erst einmal abgemagert sind.

In den Stall kann jedes Pferd, wenn es will. Quelle: Buddeke

Seit 2001 hat sie Pferde – es fing mit ihren zwei eigenen an, die sie in Berlin hielt. „Was mache ich mit Milva, wenn sie alt wird?“, grübelte Irene Hämmerling damals. Und schon suchten die beiden nach einem Ort auf dem Land – „mit Platz für zehn Pferde, damit meine beiden nicht allein sind.“ Gute Rentnerställe hat Irene Hämmerling nirgends im Berliner Umland gefunden. Der Hof in Dierberg wurde schnell für gut befunden – und neuer Lebensort des Paares. Auch wenn die beiden Pferde, die dafür verantwortlich waren, inzwischen im Pferdehimmel sind. „Das ist das einzige, woran man sich nie gewöhnt – wenn ein Pferd auf einmal nicht mehr da ist“, sagt die ansonsten taffe Frau.

Inzwischen hat sich herumgesprochen, wie gut es den Tieren in Dierberg geht. „Wir hatten früher ein Wanderreitquartier“, so Hämmerling. Die Besitzerin von Aramis etwa sei vor Jahren in Dierberg eingekehrt und habe spontan gesagt, dass das Tier nur hierher komme, wenn es mal alt sei.

Leni sitzt schon recht gut auf dem Pferderücken. Die Maske dient der Fliegenabwehr. Quelle: Buddeke

Bommel kam schon mit acht Jahren auf den Hof. „Er war krank“, so Rau. Fast alle Tiere aus Boxenhaltung seien das früher oder später. In Dierberg gehört die tierärztliche Versorgung zum Standard.

Dass die Tiere sich wohl und sicher fühlen, sieht man schon daran, dass sie sich zum Schlafen bisweilen hinlegen – für Pferde unüblich, die meisten schlafen im Stehen. Auslauf ist genug – sowohl auf der Sommer-und-Winter-Weide, auch auf dem Hof zwischen den Reifen. „Die Bewegung hält die Arthrose in Grenzen“, sagt An­dreas Rau. Dank der vielen Apfelbäume können die vierbeinigen Senioren auch den ganzen Winter lang Äpfel fressen. „Im Herbst müssen wir sie allerdings absperren. Sonst können wir den Tierarzt gleich bei uns einquartieren“, sagt Irene Hämmerling und hilft Leni auf Bommels Rücken.

Von Regine Buddeke

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