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Manche Molchower mögen’s im Stehen

Paddeln auf aufgeblasenen Brettern Manche Molchower mögen’s im Stehen

Auf Hawaii war Stehpaddeln den Königen vorbehalten. Auch wenn es also ganz schön anmaßend ist: Ein freundlicher Franke möchte die Brandenburger fürs aufrechte Paddeln begeistern. Chris Schmitt vermietet in diesem Jahr die Treibgut-Flöße am Molchowsee.

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„Ich steh halt drauf“, sagt Chris Schmitt. Sein Hund Rico offenbar auch. Quelle: Christian Schmettow

Molchow. Manche Trends kommen hierzulande etwas später an. Im Stehen zu paddeln ist ein Trendsport, und das seit mehr als 1000 Jahren – allerdings in Polynesien. Traditionell sind die Fischer dort stehend in ihren Kanus aufs Meer hinausgefahren.

Auf Hawaii durften nur der König und einige Auserwählte im Stehen paddeln. Insofern nimmt man sich ganz schön etwas heraus, aufrecht zu paddeln, findet Chris Schmitt. Doch er ist so begeistert davon, dass er seine eigenen beiden Bretter in Molchow bald auch an andere verleiht – für zehn Euro pro Stunde oder 40 Euro am Tag.

Chris Schmitt kommt eigentlich aus Franken und liebte bisher vor allem das Snowboarden in den Alpen. Freunde von ihm haben dort eine Hütte. Seit Mai lebt der 38-Jährige aber in Molchow. Er arbeitet dort für den Floßverleih Treibgut, weist die Kunden in die Flöße ein, reinigt die schwimmenden Ferienhütten nach deren Rückkehr und eilt mit seinem Allrad-Bus zu Hilfe, wenn es technische Probleme gibt. „Ich war vorher noch nie in Brandenburg“, sagt der Fürther. „Ich finde es faszinierend, wie die Leute hier am und mit dem Wasser leben.“ Die Berge hat er bisher nicht vermisst. „Ich weiß ja, dass es nur für den Sommer ist.“

Früher arbeitete er im Schichtdienst

Daheim hat er viele Jahre als Drucker gearbeitet, im Schichtdienst. Vor einem Jahr kündigte er und ging mit seinem alten VW-Allradbus auf Reisen: Spanien, Marokko. Im Sommer arbeiten, im Winter reisen, das ist seitdem ein interessanter Lebensentwurf für Chris Schmitt.

Eine Freundin seiner Frau kannte die Floßverleiher Kira Schwedt und Ulrich Horstkott und wusste, dass die in Molchow eine Saisonkraft suchen. .Jetzt habe ich das erste Mal mit Kunden zu tun“, sagt der Franke. Mit entspannten Kunden, denn die sind ja alle voller Vorfreude auf die Fahrt. Der Franke selbst scheint immer gute Laune zu haben, seit er in Molchow ist. aber er kann auch streng sein: Wenn Kunden mal wieder auf dem Holzfloß gegrillt haben, trotz Verbots, und dabei den Tisch abgefackelt oder die Kunststofffenster verschmort haben.

Per Smartphone durch den Werkzeugkeller

Dann holt er seine Werkzeugkiste und baut einen neuen Tisch. „Anfangs habe ich immer bis 23 Uhr am Wasser rumgebastelt“, sagt er. „Ich muss immer was bauen. Mein Opa war Schreiner“, sagt Chris Schmitt. Wenn seine Frau ihn einmal im Monat in Molchow besucht, muss sie ihm immer Werkzeug mitbringen. Per Smartphone leitet er sie dann durch seinen heimischen Werkzeugkeller. „Die Kati ist schon genervt“, sagt er und grinst. Als Jugendlicher ist er gern Kanadier gefahren – bis dann das erste Auto kam, ein Bus natürlich. Seitdem schraubt er an allem rum: an Autos, an Flößen, ja selbst an dem Bungalow, in dem er derzeit wohnt. Seine Molchower Vermieterin hat ihn schon gebeten, vor den nächsten größeren Umbauten doch mal zu fragen. „Ich bin eben Rigips-Fan, sie steht mehr auf Lehmbau.“ Für die Flöße hat er einen Halter für Solarlampen entwickelt. Als er fertig war, nahm Ikea die Leuchte leider aus dem Programm. Nun denkt er über einen Grill nach, bei dem das Floß heil bleibt. „Ich hätte auch Bock, im Winter an zwei neuen Flößen mitzubauen“, sagt er. Auf den nächsten Sommer in Molchow freut er sich schon jetzt.

Um die Kasse aufzubessern klotzt Chris Schmitt im Herbst noch bei einem Reifendienst ran. Dann geht es wieder auf Reisen. Den Hund Rico hat sich Chris Schmitt aus Spanien mitgebracht, Quarantänezeit in Surfschule am Mittelmeer abgewartet. „Es gibt Schlimmeres“, sagt er. Auf das Stehpaddeln brachte ihn aber sein Schwiegervater Peter. Mit dem federleichten aufblasbaren Brett (Stand Up Paddling Board, kurz SUP) ist Chris Schmitt am Tag der Korsofahrt von Molchow eine große Runde durch Alt Ruppin und zurück gepaddelt – zweieinhalb Stunden. „Das spürt man dann schon am nächsten Tag“, sagt er. Stehpaddeln trainiert den ganzen Körper. Doch es geht auch ruhiger: Inzwischen gibt es sogar Yoga-Kurse auf den schwimmenden Brettern.

Von Christian Schmettow

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