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Ostprignitz-Ruppin Mehr als nur Klinkenputzen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mehr als nur Klinkenputzen
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11:17 24.03.2018
Margot Engel ist im Frühling regelmäßig in Zaatzke unterwegs, um Spenden für die Volkssolidarität zu sammeln. Quelle: Christian Bark
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Zaatzke

Es ist frisch an diesem Tag am Schlossplatz in Zaatzke. Für Margot Engel ist das kühle Frühlingswetter aber kein Grund, nicht auf ihre Tour durchs Dorf zu gehen. Die 73-Jährige sammelt Spenden für die Volkssolidarität im Ort. „Das mache ich schon seit über 20 Jahren“, berichtet sie. Nachdem der Blumenladen, in dem sie gearbeitet hatte, schließen musste, habe sie eine Beschäftigung gegen die Langeweile gesucht. So wollte sie der Volkssolidarität helfen, der sie seit über 50 Jahren angehöre.

Bei ihren Touren durch Zaatzke kommt Margot Engel, die Spenden für die Volkssolidarität sammelt, immer wieder mit interessanten Leuten ins Gespräch.

Mit dem Geld unterstützt Margot Engel nicht nur den Verband Prignitz-Ruppin und dessen soziale Dienste wie Beratungen oder Veranstaltungen – ein Großteil ihrer Einnahmen kommt auch direkt ihrer Ortsgruppe in Zaatzke zugute, die sie leitet. „Gut 500 Euro haben wir dadurch zusätzlich im Jahr zur Verfügung“, informiert sie. Mit dem Geld könnten die 31 Gruppenmitglieder Ausflüge machen oder sich Vorträge anhören.

Bei den Besuchen lernt Margot Engel auch neue Gesichter kennen: wie den zehn Monate alten Paco und seinen Vater Marvin Klemm. Quelle: Christian Bark

Jedes Jahr entsendet der Verband seine Mitglieder aus den Ortsgruppen zwischen März und Mai an die Haustüren, um so Spenden zu sammeln. In Zaatzke und seinen Ortsteilen sind es derzeit vier, wie Margot Engel sagt. „Es wird aber immer schwieriger, Leute dafür zu finden“, erklärt sie. Denn die Mitglieder seien alle nicht mehr die Jüngsten. Hinzu komme, dass besonders junge Leute tagsüber zuhause kaum noch anzutreffen seien. So wie am Haus von Ortsvorsteherin Jacqueline Türk. Auch nach dreimaligem Klingeln öffnet niemand. „Die sind wohl noch auf Arbeit“, sagt Margot Engel. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt Rosemarie Luck. „Sie ist schlecht zu Fuß, deshalb klopfe ich ans Fenster“, weiß die Spendensammlerin. Rosemarie Luck ist daheim und spendet auch.

Vertrauen ist wichtig

„Das habe ich schon immer gemacht“, sagt die Zaatzkerin, die ebenfalls in der Ortsgruppe von Margot Engel ist. Bei der Sammlerin, die ihr jedes Mal den Volkssolidaritätsausweis vorhält, wisse sie aber, dass es sich um keine Betrügerin handeln würde. Bei ihr wisse sie auch, dass die Spenden nicht „sonstwo“ ankommen würden.

Hund Vasco ist neugierig auf den Besuch. Quelle: Christian Bark

An diesem Tag sind auch junge Leute zuhause. Zwei Häuser weiter öffnet Margot Engel der junge Papa Marvin Klemm, mit seinem zehn Monate alten Söhnchen Paco im Arm. „Ich würde gerne mehr spenden, aber ich habe meine Frau mit meiner Geldbörse zum Einkaufen geschickt“, sagt er. Immerhin hat er etwas Kleingeld für Margot Engel, die ihm sogar eine Spendenquittung dafür anbietet. „Die erhalten die Spender dann im Nachhinein“, erklärt sie. Die 73-Jährige hat während ihrer Tätigkeit auch schon ganz andere Zahlangebote erhalten. „Junge Leute wollten mal mit Karte zahlen, weil sie kein Kleingeld dabei hatten“, berichtet die Sammlerin. Kartenzahlung sei bei ihr zwar nicht möglich, dafür aber per Überweisung an den Verband.

Anwohner wollen ältere Leute unterstützen

Wie Marvin Klemm spendet auch Remo Rebiger einige Häuser weiter für die Volkssolidarität. „Die machen noch was für die älteren Menschen“, begründet er. Schließlich komme jeder mal in ein gewisses Alter. „Mitglied bei uns können Sie auch als junger Mensch werden“, bemerkt Margot Engel dazu. „Mir ist der persönliche Kontakt wichtig“, betont hingegen Gabriele Wolter, die jedes Jahr bei Margot Engel spendet.

Bei Rita Mohr gibt es ein Likörchen. Quelle: Christian Bark

Auf den Kontakt kommt es auch Rita Mohr an. Die Rentnerin freut sich immer über Besuch, ganz besonders von Margot Engel. „Kommen Sie doch rein“, bittet sie die Spendensammlerin in ihr Haus. Drinnen kann sich Margot Engel etwas aufwärmen, auch, weil ihr Rita Mohr ein Gläschen Kirschlikör anbietet. „Sie ist immer so nett und bringt gute Laune mit“, freut sich Rita Mohr. Durch die Spende erleichtere sie auch ihr Gewissen, wie sie sagt. Denn in die Volkssolidarität eintreten wolle sie nicht. „Dazu fühle ich mich noch nicht alt genug“, so die Zaatzkerin.

Zu alt fühlt sich Margot Engel auch noch nicht, die Mitgliedschaft habe aber nichts mit dem Alter zu tun, wie sie betont. Ständige Reisen, die Aktivitäten bei der Volkssolidarität aber auch der Plausch beim Spendensammeln würden die 73-Jährige fit halten. Und so will Margot Engel noch bis Mai durch das Dorf streifen, um für ihre Ortsgruppe zu sammeln.

Auch Betrüger waren unterwegs

Neben der Volkssolidarität sind in der Region noch andere Wohlfahrtsverbände dabei, Spenden zu sammeln. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) macht das jedoch nur bei bestimmten Projekten, wie Peter Falkenberg vom DRK-Kreisverband Ostprignitz-Ruppin mitteilt. Vielmehr setze der Verband auf Sachspenden wie Kleider, die persönlich in entsprechenden Kleiderkammern in der Region abgegeben werden könnten.

Schlechte Erfahrungen mit betrügerischen externen Spendensammlern hatte der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in der Vergangenheit gemacht. So genannte „Trittbrettfahrer“ hätten sich als Spendensammler ausgegeben, wie Katrin Köppen vom ASB-Kreisverband in Neuruppin berichtet. In solchen Fällen würde der Verband sofort Warnungen an die Öffentlichkeit geben. Ansonsten würden die vom ASB geschulten Sammler aber gut bei den Leuten ankommen. Über die Spendenaktionen könne der Verband Projekte wie seinen „Wünschewagen“ mitfinanzieren.

Wichtige soziale Note – Ein Kommentar von Christian Bark

Haste mal’n Euro? – werde ich in Berlin häufig auf eine Spende angesprochen. Wo in Großstädten die Hemmschwelle nicht groß ist, Leute um eine milde Gabe zu bitten, scheint sie im ländlichen Raum höher zu liegen. Und vielleicht nicht mal das, vielleicht finden sich einfach nicht mehr genug Leute, für den guten Zweck zu sammeln – aus Altersgründen oder warum auch immer. Wer das aber trotzdem versucht, kann Erfolg haben, sogar Dankbarkeit erfahren – wie Margot Engels Beispiel aus Zaatzke zeigt. Denn die Sammelaktion ist weit mehr als nur schnödes Klinkenputzen, sie ist eine wichtige soziale Komponente in einer Region, wo noch auf Vertrauen und Einanderkennen gesetzt wird. Anders ist es dann aber wohl doch in der Stadt, wie Margot Engel berichtet. Selbst in kleineren Städten wie Wittstock malt sie sich wenig Erfolg auf offene Türen aus, weil es dort einfach zu unpersönlich sei.

Von Christian Bark

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