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Marlene Jaschke amüsierte im Stadtgarten

Neuruppin Marlene Jaschke amüsierte im Stadtgarten

So kennt man sie, so liebt man sie: Beiges Kostüm, Schluppenbluse, Hütchen und der altjüngferliche Charme der Chefsekretärin. Marlene Jaschke ist Kult. Komikerin Jutta Wübbe hat sie vor fast 30 Jahren erfunden und seitdem erheitert sie auf vertrauensvoll-plauderige Art ihre Fans. Am Mittwoch gastierte sie im Neuruppiner Stadtgarten.

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So lieben die Fans Marlene Jaschke seit Jahren: beige-biederes Kostüm, Schluppenbluse und Filzhütchen.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Sexy geht anders. Aber sexy ist nicht das Ziel. Marlene Jaschke wäre nicht, was sie ist, wenn sie sich in aufreizende Fummel schmisse. Die Fans lieben den betulich-spröden Charme der Kultfigur – und das bereits seit nahezu 30 Jahren – so lange gibt es die Kunstfigur der Chefsekretärin einer Schraubenfabrik schon, mit der Jutta Wübbe – so Marlene Jaschkes bürgerlicher Name – bekannt wurde. Und genauso lange trägt sie schon ihr unverwechselbares Altjungfern-Outfit: biederes Kostüm in Neutrum-Beige, blickdichte beige Strumpfhose, bei der der Verdacht auf Stützstrümpfe aufkommt, in die Jahre gekommene flache Schnürer aus dem Reha-Regal: bequem, praktisch, gut.

Den Mut zur Farbe lebt sie in der Schluppenbluse und – nicht zu vergessen – dem obligatorischen Filzhütchen aus, das ihr schon fast ein wenig Ähnlichkeit mit der Queen verleiht. Wäre da nicht der Hamburger Dialekt und die so ganz und gar nicht königliche Haltung. Mit fest umklammerter Handtasche und passendem Koffer – beides Urzeitrelikte wie die Frau selbst – trippelt sie auf die Bühne – und die 600 Fans, die am Mittwochabend den Stadtgarten bevölkern, sind sofort hin und weg. Dieser Gang! Wenn sie mit altjüngferlich-züchtigem Knie-zusammen-Füße-auseinander dem Publikum den Hintern entgegen reckt, um etwas aus den Tiefen ihrer Tasche zu befördern. Köstlich.

Der Griff in die Handtasche wird fein zelebriert

Der Griff in die Handtasche wird fein zelebriert.

Quelle: Regine Buddeke

„Non, je ne regrette rien“ – trällert sie den Piaf-Song – genauso staksig-ungelenk wie ihr Gang. Geschmeidig klingt einzig das Piano ihres musikalischen Begleiters Volker Griepenstroh. Was soll sie auch bereuen – wie die wandelnde Sünde sieht die Chefsekretärin nun wirklich nicht aus. Dennoch gibt es da ein paar intime Bereiche ihres Lebens, in die Marlene Jaschke die Zuschauer auf treuherzig-plauderige Art einweiht. Etwa die Liebe auf den ersten Blick zum Chefbuchhalter Herrn Tramstedt. „Ich sah ihn das erste Mal und hatte mich nicht mehr im Griff“, plappert sie – das Publikum lacht. Die Vorstellung ist auch urkomisch: wie sieht Marlene Jaschke wohl aus, wenn sie sich nicht mehr im Griff hat. So schlimm kanns eigentlich nicht sein, so wie sie sich gibt.

Das Publikum zeigt Mitleid

Feuer – so gesteht sie – habe der Angebetete nicht gefangen. Das Publikum zeigt lautes Mitleid. Und das, obwohl sie sich in ihr bestes Kleid geworfen hat: selbstgehäkelt. Einmal mehr Gekicher bis Gejohle im Saal. Sie wühlt das Teil aus ihrem Koffer, ein turmhoher Berg Strick in wildem rot-orange-gold – Woodstock lässt grüßen – und verspricht, es anzuziehen. Allein der Gedanke lässt schaudern und aufjubeln zugleich. Aber Pustekuchen: als die wilde Marlene zu quietschigen Carmen-Gesängen aus dem Vorhang stolpert, trägt sie den altbekannten Biederlook. „Ich bin irgendwo hängengeblieben, am Ziehfaden“, entschuldigt sie sich. Aber was solls: „Lass mich deine Carmen sein“, tiriliert sie mit dem, was sie für ein verführerisches Stimmchen hält und fährt fort mit „Hey, big Spender“.

„Ich bin verkauft worden“, klagt sie. „Ohh“, leiden die Fans mit ihr. Die Schraubenfabrik, wo Jaschke Chefsekretärin ist, wurde an eine ägyptische Firma verkauft, erzählt sie. Eine Katastrophe. „Ich kann kein ägyptisch“, stößt sie hervor. „Wieso brauchen die Ägypter denn Schrauben? Sind die Pyramiden am Bröckeln?“, echauffiert sie sich.

Marlene Jaschke in Hochform

Marlene Jaschke in Hochform.

Quelle: Regine Buddeke

Dann plaudert sie ein wenig über ihren Wellensittich Waltraud, den sie immer am Gummiband fliegen ließ. „30 Meter – dann kam er automatisch zurück“, plappert sie. Bis sie eines Tages rein zum Chef musste und die Tür schloss. Es folgt eine tragische Pantomime des Beinahe-Todes eines Wellensittichs. Nur ihre Mund-zu-Mund-Beatmung habe das Tier gerettet. „Seitdem fliegt sie mir nicht mehr ohne Helm“, ereifert sich Jaschke und gibt wenig später beim Bad in der Menge einem Zuschauer namens Herr Achim Atemunterricht – so lange bis der ganze Saal atmet. Und applaudiert.

„Ich habe sie schon vor der Wende in der Schmidt-Mitternachtsshow gesehen – sie war damals schon toll“, schwärmt Zuschauerin Irmgard Arndt. Marlene Jaschke enttäuscht ihre Fans eben nie – und zeigt sich am Ende sogar noch im psychedelischen Selbstgehäkelten.

Von Regine Buddeke

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