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Eine Storchenfamilie im Vorgarten

In Maulbeerwalde klappert es endlich wieder Eine Storchenfamilie im Vorgarten

Rund 70 Jahre hat es gedauert, aber nun ist es soweit: in Maulbeerwalde gibt es erstmals wieder eine ganze Storchenfamilie. Die Standortwahl ist aber kein Zufall. Vielmehr hat der Storchenpapa in den letzten Jahren in dem Horst schon probegewohnt.

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Maulbeerwalde. Es mag an der glücklichen Hand des Ornithologen Jürgen Kaatz aus Dranse bei Wittstock gelegen haben, dass er den Storchenhorst auf dem Grundstück von Henrik Tesch vor drei Jahren „geweiht“ hat. Es kann Zufall sein, doch vermutlich liegt es am neu gewählten Standort des Horstes: Nach gut 70-jähriger Abstinenz gibt es in Maulbeerwalde (Gemeinde Heiligengrabe) erstmals wieder eine ganze Storchenfamilie auf diesem Horst. Henrik Tesch nutzt jetzt jede freie Stunde auf seinem Grundstück und beobachtet das Treiben und die beiden Elterntiere bei ihrer rührenden Brutpflege.

„Mindestens zwei Junge haben mit ihren Schnäbeln schon über den Rand gelugt“, sagt der erfreute Storchenvater. Mit einem Fernglas beobachtet er jeden Tag, was sich in dem Horst tut. Dabei hält er jetzt auch bewusst einigen Abstand zum Horst und hat auch während der Brutzeit auf jeglichen Lärm durch Hämmern und Werkeln auf seinem Hof verzichtet. „Nun kann ich auch schon etwas näher rangehen. Die Eltern widmen sich ganz dem Füttern, Reinigen und Nestbau“, hat Henrik Tesch beobachtet.

Der Einzug eines Storchenpaares am 15. April geschah nicht ganz überraschend. Bereits vor zwei Jahren war der Storchenmann schon einmal zur Probe gekommen und hatte es über zwei Monate ausgehalten. Im vergangenen Jahr ist er wiedergekommen und war dann schon über 180 Tage da. Aber er blieb immer allein in Maulbeerwalde.

Erst in diesem Jahr kam der Vogel mit einer Freundin, die – wie er selbst – schon beringt war. Aber das Techtelmechtel hat nicht lange gewirkt: Der Storchenmann hat sich dann doch eine Gefährtin ohne Ring genommen. Mit dieser hat er nun erfolgreich und erstmalig Junge im Nest, die auch abwechselnd von beiden Elterntieren reichlich gefüttert werden. „Wir haben rings herum gute Wiesen. An Futter kann es da nicht fehlen“, sagt Henrik Tesch. Er hat zugeschaut, was alles auf den Tisch kommt: Viele Mäuse, Eidechsen und Frösche stehen auf dem Speiseplan der Jungen. Und was die noch nicht verdauen können, lassen sich die Altvögel schmecken. Zum Ausbessern des Horstes legt Henrik Tesch regelmäßig Reisig zu kleinen Haufen vor dem Mast ab, von dem sich die Störche auch eifrig bedienen.

Um sie bei allen Aktionen jederzeit beobachten zu können und nicht auf eigenen Komfort für die Familie verzichten zu müssen, hat der Grundstückseigentümer extra eine Gartenterrasse zum bequemen Sitzen gebaut. So lassen sich die Erholungswünsche mit Kaffeegenuss und Vogeltheater gut unter einen Hut bringen.

Vogelfreund Henrik Tesch beobachtet die Aufzucht der Jungen.

Quelle: Gerd-Peter Diederich

Mit dem Vogelkundler Jürgen Kaatz ist Henrik Tesch schon viele Jahre befreundet. Sie haben bereits eine Beringungsaktion verabredet, zu der alle Maulbeerwalder und besonders alle Kinder des Dorfes eingeladen sind. „Den Termin haben wir noch nicht festgelegt, werden dann aber das ganze Dorf informieren“, kündigt Tesch an. Der führt das Glück mit einer sesshaft gewordenen Storchenfamilie auf den Standortwechsel des Horstes zurück. Bislang hatte der Mast mit der vorgefertigten Nisthilfe im Talgrund gestanden. Vermutlich waren die Anflüge für Landungen auf dem Nest im Sturzflug abschreckend. Jedenfalls hat es immer leer gestanden. Darauf hatte Tesch die Umsetzung im Dorf beantragt und Zustimmung des Ortsbeirates bekommen. Vom Energieversorger Edis bekam er einen tadellosen, ausgedienten Beton-Strommast spendiert, den ihm Elektromonteure von Kammeyer aufs Grundstück gestellt haben – auf einem Hügel und gleich mit fertiger Nisthilfe. Den neuen Aufstellpunkt hatte Jürgen Kaatz damals festgelegt. Sofort nach der Umsetzung im Jahr 2012 war der Standort dann von verschiedenen Störchen immer wieder angeflogen und von manchem Vogel auf der Weiterreise auch als Pausenort genutzt worden.
Der inzwischen sesshafte und in Garz bei Wildberg beringte Storchenmann mit der Ringkennung H 9715 vom 21. Juni 2010 hatte sich nach der Nestprobe in den Jahren 2013 und 2014 offensichtlich mit dem neuen Wohnsitz angefreundet. In diesem Jahr hatte er ihn sogar gegen andere Interessenten verteidigen müssen. Henrik Tesch jedenfalls meint, dass die neue Familie inzwischen aus dem Gröbsten heraus ist. Er rechnet nun mit der jährlichen Wiederkehr der Storcheneltern in diesen Horst.

Auch Jürgen Kaatz freut sich mit dem Storchenvater über diese erfolgreiche und fruchtbare Horstbesetzung. Andernorts sei es in diesem Jahr nicht so perfekt gelaufen. Zwar wurden nach Kaatz’ Beobachtungen die meisten Storchennester sehr früh und schnell besetzt, doch wider Erwarten sind viele davon nach kurzer Zeit wieder verlassen worden. „Eine denkbare Ursache könnte diese schreckliche Monokulturentwicklung auf Riesenflächen sein. Störche können jedoch von Mais und Raps nicht leben, aber genau das wird im Übermaß angeboten“, sagt der Ornithologe verärgert. Dazu komme eine weitere Nahrungsverknappung, weil inzwischen viele ursprüngliche Ökolandwirtschaftsbetriebe umgesteuert haben und konventionelle Landwirtschaft betreiben, in der auch wieder Unkraut- und Schädlingsvernichtungschemie gespritzt werde.

Außerdem gibt es zusätzliche Tierverluste durch Verkehrsunfälle, weil Störche wegen des Nahrungsmangels immer öfter versuchten, Insekten von aufgeheizten Asphaltstraßen zu fangen. „Ich bereite mich jetzt auf eine Rundreise zu den bekannten Storchenhorsten in der Region vor, um mir ein umfassendes Bild über sesshafte Störche, Nestjunge und besetzte Horste zu verschaffen“, sagt Jürgen Kaatz. In diesem Jahr sei auch die Rückkehr der Vögel in die Region anders als sonst verlaufen. „Die Störche, die in Spanien überwintert hatten, sind zügig und in großer Anzahl zurückgekehrt. Der Vogelzug über den Bosporus hingegen ist nicht so gut gelaufen. Noch rätseln wir über die Ursachen. Es könnte auch mit extremen Wirbelwinden, Tornados und anderen lokalen Wettererscheinungen zusammenhängen, von denen wir hier nichts mitbekommen haben“, mutmaßt Jürgen Kaatz. Auch deshalb freut er sich gemeinsam mit Henrik Tesch über die erfolgreiche Ansiedlung der Storchenfamilie in Maulbeerwalde nach mehr als 70 Jahren.

Von Gerd-Peter Diederich

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