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Mehr Baum im Neuglienicker Wald

Waldumbau in Brandenburg Mehr Baum im Neuglienicker Wald

Im Neuglienicker Revier von Förster Holger Gonsior wird jetzt emsig aufgeforstet. Unter dem 130 Jahre alten Kiefernbestand pflanzen Forstarbeiter zweijährige Eichen und andere Laubgehölze. Vielfalt im Wald ist angesagt. Doch Waldumbau ist eine langwierige Geschichte.

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Der 15-jährige Toni aus Neuglienicke fühlt sich wohl im Wald. Er hilft in seinem Praktikum bei den Pflanzarbeiten.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuglienicke. Wacholderbüsche in seinem Kiefernwald stören den Revierförster Holger Gonsior keineswegs. Vielfalt im Wald ist erwünscht, so dass die Spaziergänger im Neuglienicker Forst unter den großen Kiefernstämmen immer häufiger Gehölze entdecken können, die dort nach herkömmlichen Meinungen gar nicht hin gehören.

Brandenburgs Wälder befinden sich im Wandel. Noch liegt der Kiefernanteil bei über 70 Prozent. Doch das soll sich ändern, denn Monokulturen sind anfälliger gegenüber extremen Witterungsbedingungen und Schädlingen. Waldumbau ist allerdings eine langwierige Geschichte, ein Försterleben reicht dafür nicht aus. Im Neuglienicker Forst hat sich bereits Laubbaum-Nachwuchs unter den 130 Jahre alten Kiefernstämmen angesiedelt.

Durch das zusätzliche Pflanzen junger Bäume soll das Waldgebiet nun sein Aussehen verändern. „Die Kiefern erreichen jetzt langsam ihre natürliche Altersgrenze“, sagt Holger Gonsior. Bevor sich Pilze wie der Kiefernbaumschwamm, Wurzelschwamm und der Kienzopf – eine durch Rostpilze verursachte Kiefernkrankheit – ausbreiten, werden die Bäume gefällt. Nur so können größere Schäden vermieden werden. „Wir müssen dann retten, was zu retten ist“, sagt der Revierförster. Das stürmische Frühjahr hat zahlreiche große Kiefern zum Umsturz gebracht, so dass das Revier jetzt große Lücken aufweist. „Normalerweise brechen Kiefern bei starken Stürmen ab“, sagt er. Bei entwurzelten Bäumen deutet es meist daraufhin, dass sie vom Wurzelschwamm befallen sind.“

Kahlschläge wollen die Förster vermeiden, denn die Kiefern bieten den Jungpflanzen Schutz vor Frost, Sonne und Wind. Ist der Altbestand genutzt, steht auf der Fläche wieder ein neuer Wald. Dieser soll im Gebiet um Neuglienicke eine große Vielfalt aufweisen. Deshalb werden gruppenweise Traubeneichen, Bergahorn, Hainbuchen und Roteichen gepflanzt. Auch dem Speierling, der Elsbeere und den Eiben wird wieder mehr Aufmerksamkeit in Brandenburg geschenkt, denn sie sind in den vergangenen Jahren weitgehend aus der Natur verschwunden. Für den Forstbetrieb ist diese Aktion gegenüber der Naturverjüngung ein teures Unterfangen, denn nicht nur die Pflanzen, die aus Forstbaumschulen stammen, müssen bezahlt werden, sondern auch die Arbeitskräfte und der Zaun, der rund um die achteinhalb Hektar große Fläche errichtet wurde. „Wir haben hier sehr viel Wild“, sagt Holger Gonsior. „Vor allem Rotwild, Rehe und Hasen machen uns zu schaffen.“ Ohne Reduzierung der Wildbestände ist der Waldumbau zum Scheitern verurteilt. Etwa zehn Jahre wird der Zaun die Neuanpflanzungen vor den großen Tieren schützen. Kleinere, wie die Mäuse, lassen sich von Zäunen nicht abhalten. Sie lassen sich die feinen Eichenwurzeln nur zu gern schmecken. „Aus diesem Grund schießen wir schon seit Jahren keine Füchse mehr“, sagt Holger Gonsior.

Wurzeln der jungen Eichenpflanzen

Wurzeln der jungen Eichenpflanzen.

Quelle: Cornelia Felsch

Junge Buchen, Douglasien, Lärchen und Kiefern benötigen keine zusätzliche Abschirmung. „Seit Anfang der 90er Jahre haben wir jetzt Buchen gepflanzt. Anfangs hat sich das Wild draufgestürzt, Jetzt wachsen überall junge Buchen“, sagt der Förster.

Der 15-jährige Toni aus Neu-Glienicke begleitet die Forstarbeiter bei ihrer Pflanzarbeit. Er absolviert gerade ein dreiwöchiges berufsorientiertes Praktikum, das für Brandenburgs Schüler Pflicht ist. Die Arbeit im Wald macht ihm Spaß, hier ist er zu Hause. „Mit meinen Eltern und Geschwistern gehe ich oft in den Wald, um Holz zu holen“, sagt er. In der Hand hält er für den Forstarbeiter eine junge Eiche bereit. Holger Gonsior weist ihn darauf hin, dass er sie nicht so lange dem Wind aussetzen soll, da die feinen Haarwurzeln sehr empfindlich sind und schnell austrocknen. Die anfälligen kleinen Eichen sind am besten in der Pflanztasche aufgehoben. Um die Jungpflanzen möglichst schnell in die Erde zu bringen, werden an diesen Tagen viele Helfer gebraucht. Auch die 18-jährige Lindowerin Elise Mischkewitz, die beim Forstbetrieb ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, sowie Forstarbeiter der Hoheitsförsterei helfen mit. Zwei Jahre sind die Pflanzen in der Baumschule herangewachsen. Nach der Lieferung werden sie sofort am Pflanzort in Erde eingeschlagen. Der 51-jährige Revierförster sieht an dem Lagerplatz noch einmal nach dem Rechten , da die letzte Lieferung gerade angekommen ist. Hartriegel, Roteichen, Elsbeere, Feldahorn und Esskastanien sind bereits gut abgedeckt und müssen in den kommenden Tagen noch eingepflanzt werden. Die Waldarbeiter und der Förster hoffen auf kühle, feuchte und frostfreie Witterung.

Von Cornelia Felsch

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