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Mehr Druck auf die Arbeitgeber

Neuruppin Mehr Druck auf die Arbeitgeber

Mitarbeiter des Neuruppiner Mülltonnenherstellers Ese fordern mehr Gehalt. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) hatte die 270 Angestellten zu einer Protestaktion vor dem Firmengelände im Neuruppiner Gewerbegebiet Treskow aufgefordert. Es geht um einen neuen Tarifvertrag für die Kunststoffbranche.

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Mitarbeiter des Neuruppiner Ese-Mülltonnenwerks protestierten gestern Nachmittag.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. 2103 Euro im Monat – so viel bekommt ein Facharbeiter bei der Neuruppiner Firma Ese laut Tarifvertrag als Grundgehalt. Tatsächlich sind es letztlich mehr: Wenn er im Vier-Schicht-Betrieb oder am Wochenende arbeitet, kommen Zuschläge dazu; bei Ese wird zudem 40 Stunden pro Woche gearbeitet statt der im Tarifvertrag vorgesehenen 38 Stunden, auch das bringt mehr Gehalt. Wer jedoch als Hilfskraft in der Kunststoffbranche einsteigt, der liest in der untersten Gehaltsgruppe oft nur 1546 Euro auf dem Lohnzettel. Ausgezahlt bekommt er nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben noch weniger. Ein Gehalt von 12,23 Euro für Facharbeiter für derart schwere Arbeit – für Uwe Drößler ist das zu wenig. Drößler ist Betriebsrat bei Ese in Treskow und weiß um die Lage seiner Kollegen, vor allem um die in den unteren Einkommensgruppen. „Selbst Leiharbeiter verdienen mehr“, sagt er.

Mit einer Protestaktion vor dem Werkstor des Neuruppiner Unternehmens hat die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (BCE) am Donnerstag ihre Forderung nach höheren Löhnen in der Kunststoffindustrie Berlin-Brandenburg demonstriert. Die Industriegewerkschaft hatte am Nachmittag alle 270 Mitarbeiter von Ese aufgerufen, sich an dem Protest zu beteiligen. Etwa ein Dutzend Männer stellte sich kurz vor Schichtwechsel gegen 13.30 Uhr neben der Zufahrt zum Firmengelände auf. Später kamen weitere Kollegen dazu. „Das ist kein Streik, die Leute machen das alles in ihrer Freizeit“, betonte Gewerkschaftssekretär Simon Dicke. Mit ihrer Aktion wollte die Gewerkschaft ein Zeichen an die Arbeitgeber senden, dass es ihr ernst ist mit ihrer Forderung nach mehr Geld.

Ese ist seit drei Jahren Mitglied im Arbeitgeberverband

Seit 2014 ist der Neuruppiner Mülltonnenproduzent Ese Mitglied im Arbeitgeberverband der Kunststoffindustrie Berlin-Brandenburg (AKB). Seitdem haben sich die Bedingungen für die Mitarbeiter im Unternehmen deutlich verbessert, sagt Uwe Drößler. Das Verhältnis zwischen Belegschaft und Geschäftsführer scheint eher entspannt zu sein, wenn man ihm glaubt. Vorschläge der Mitarbeiter werden auch gehört.

Mülltonnen für alle Welt

Die Ese-Gruppe ist ein niederländisches Unternehmen, das weltweit vor allem Mülltonnen und andere Abfallbehälter herstellt. Der jährliche Umsatz beträgt etwa 200 Millionen Euro.

Im Gewerbegebiet Treskow in Neuruppin hatte die damalige Abfallbehälterfirma Otto in den 90er Jahren ihr größtes Werk errichtet. Von dort gehen bis heute Mülltonnen und -container in alle Welt.

Seit 2011 heißt Otto offiziell Ese, seit 2017 ist die Ese-Gruppe Teil des britischen Kunststoffkonzerns RPC.

Trotzdem: Auch Uwe Drößler unterstützt die Forderung seiner Gewerkschaft nach mehr Lohn. Der bisherige Tarifvertrag ist gerade abgelaufen, ein neuer kam bisher nicht zustande. Die Gewerkschaft BCE fordert einen Euro mehr pro Stunde für alle Angestellten. Damit wäre die Steigerung für die niedrige Einkommen stärker als für die höheren. Die Arbeitgeber bieten 1,9 Prozent mehr Gehalt für alle. „Für die niedrigsten Einkommen wären das gerade mal 18 Cent pro Stunde“, sagt Gewerkschafter Dicke – für die IG BCE nicht zu akzeptieren. In anderen Branchen würde deutlich mehr gezahlt. „Die Lücke wird immer größer“, sagt Dicke.

Tarifvertrag gilt längst nicht für alle Firmen

Nach zwei Tarifrunden haben Arbeitgeber und Gewerkschaft ihre Gespräche für einen Tarifvertrag für Berlin und Brandenburg ohne Ergebnis vertagt. Mit ihren Protestaktionen will die Gewerkschaft den Druck auf die Unternehmen jetzt erhöhen. Aktionen wie in Neuruppin gibt es in allen Mitgliedsfirmenunternehmen des Arbeitgeberverbandes. Dieser vertritt etwa 100 kunststoffverarbeitende Firmen in Berlin und Brandenburg mit zusammen 8000 Mitarbeitern. Mit 270 Angestellten ist die Firma Ese eine der größten im Verband.

Längst nicht alle Kunststofffirmen sind dort Mitglied. Ese ist vor drei Jahren beigetreten. Vorteile hat das nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für das Unternehmen: Es kann damit werben, dass seine Angestellten nach Tarif bezahlt werden. Bei der Suche nach neuen Leuten ein deutlicher Pluspunkt, sagt Gewerkschafter Uwe Drößler.

Von Reyk Grunow

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