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Mehr Futter für die Störche

Barsikow Mehr Futter für die Störche

In Brandenburg kommen immer weniger Storchenkinder zur Welt. Fachleute vermuten, dass die Störche zunehmend Probleme bei der Nahrungssuche haben. Die Barsikower in der Gemeinde Wusterhausen wollen den Trend aufhalten und dafür sorgen, dass sich Störche bei ihnen wieder sauwohl fühlen.

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Um ihren Storchennachwuchs ernähren zu können, brauchen sie abwechslungsreiche Lebensräume und keine Monokulturen.

Quelle: Peter Geisler

Barsikow. Brandenburg ist deutschlandweit das Bundesland mit den meisten Störchen. Derzeit sind die beliebten Vögel in ihren Winterquartieren in Afrika oder Spanien und die Brandenburger haben Zeit, darüber nachzudenken, warum die Zahl der Brutpaare und ihrer Jungen kontinuierlich abnimmt. Auch die Barsikower in der Gemeinde Wusterhausen machen sich ihre Gedanken darüber – und sie wollen etwas für ihre Störche tun. Deshalb haben sie Anselm Ewert von der Unteren Naturschutzbehörde in Neuruppin eingeladen, um Genaueres über die Lebensräume der Weißstörche zu erfahren. Neben seiner dienstlichen Tätigkeit für die Umwelt ist er seit 1990 auch als ehrenamtlicher Storchenbetreuer des Altkreises Kyritz tätig. Bestandserfassungen, das Ablesen der Ringe und die Instandhaltung der Brutplätze gehören zu den Aufgaben der Ehrenamtler. Unterstützt wird Anselm Ewert von Uta Schöpke aus Neustadt /Dosse.

Barsikower wollen mehr Storchennachwuchs

Für die Barsikower im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, die gern wieder Storchennachwuchs in ihrem Nest begrüßen möchten, hatte er viele Tipps parat. „Beim Thema Storch hören die Leute noch zu, wenn man ihnen etwas erzählt. Zu diesen Vögeln haben die Menschen scheinbar noch einen emotionalen Bezug. Anders sieht es aus, wenn es um das Insektensterben geht. Damit braucht man gar nicht erst anzufangen“, sagt Ewert Bevor er zum Storch kommt, geht es in seinem Vortrag allerdings erst einmal um Landnutzung und Lebensraumschutz. Verkehr, Industrie, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Jagd – der Mensch nutzt seine Umwelt auf vielfältige Weise. Die Frage ist allerdings, wie er dabei in die Natur eingreift. Bilder von Freileitungen, an denen Vögel verenden, oder von begradigten Flüssen zeigen nur einen geringen Teil des Dilemmas.

Maisfeler sind das beste Biberzuchtprogramm

„Seit die Dosse bei Fretzdorf begradigt wurde und etwa 30 Wehre eingebaut wurden, sind viele Arten dort verschwunden. Die Natur hat reagiert“, sagt Anselm Ewert. „Nun müssen wir mit großem Aufwand gegensteuern, denn die Viecher zeigen uns, was nicht stimmt.“ Hohe Schadstoffbelastungen, Strukturverarmung der Landschaft und Monokulturen bestimmen die Landwirtschaft. „Und der Biber fällt Bäume ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde“, sagt Ewert. Doch darüber brauche sich niemand zu wundern, der in Niederungsgebieten Monokulturen bis an die Gewässergrenze anbaut und die Fruchtwechsel nicht berücksichtigt. „Mais schmeckt den Bibern lecker und ist ein hervorragendes Baumaterial. Der Anbau in diesen Regionen ist das beste Biberzuchtprogramm!“

Bilder von Feldern, die bis an die Wege und Flussläufe heran reichen ohne jegliche Übergangsbereiche wie Blühstreifen oder Hecken, bestätigen die Kritik des Naturschützers. Der Nährstoffeintrag in die Gewässer sorgt für reichlich Pflanzenwachstum, und so haben die Wasser- und Bodenverbände auch immer ausreichend Arbeit.

Kibitzeier sind eine Rarität geworden

„Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr Strukturen beseitigt und die Nutzflächen vergrößert“, kritisiert Ewert. Rebhühner und Feldlerchen haben keine Chance mehr, Brachvogel, Kibitz und Bekasine erst recht nicht. „Früher haben die Kinder Kibitzeier gesammelt“, erzählt er. Die Eier galten als Delikatesse, dürfen aber heute nicht mehr gesammelt werden, da die Vögel in ihrem Bestand global bedroht sind. „Heute würde man auch keinen Korb mehr voll kriegen“, sagt Anselm Ewert, der jährlich zur Brutvogelkartierung im Landkreis unterwegs ist. Seine Prognose: auch mit den Störchen geht es bergab. Das können die Fachleute am besten am Nachwuchs der Vögel ablesen. Um den Bestand zu erhalten, müsste ein Storchenpaar mindestens zwei Junge im Jahr aufziehen. Die Fachleute sprechen von einer durchschnittlichen Reproduktionsrate von 2,4. „In meinem Bereich liegt der Wert jetzt häufig darunter“, sagt Anselm Ewert. „Wir haben deshalb 1992 damit begonnen, die Nahrungsbedingungen zu erforschen. Wir sind umhergefahren und haben die Grünlandflächen in zwei Kilometer Umfeld von Storchennestern ermittelt.“

Grünland allein reicht den Störchen nicht

Die Storchenexperten stellten fest, dass Grünland allein nicht ausreicht, um die Vogelfamilien zu ernähren. Wichtig ist die Art der Nutzung, die so beschaffen sein muss, dass es dort auch Nahrung für die Störche gibt. So stellten sie fest, dass es zum Beispiel bei Stüdenitz zwar 41 Prozent Grünland gibt, die Reproduktionsrate aber bei 2,3 liegt. Barsikow mit einer Rate von 2,46 hat hingegen nur sieben Prozent Grünland, dafür aber Kleingewässer, die bei Stüdenitz völlig fehlen. Im kommenden Jahr sollen nun bei Barsikow sechs Feldsölle renaturiert werden. Für Ewert eine gute Voraussetzung, um den Störchen mehr Lebensqualität zu bieten. Im Kreis Ostprignitz-Ruppin sind in den vergangenen Jahren bereits 100 solcher Kleingewässer wiederhergestellt worden. Aber der Umweltschützer hat noch mehr Tipps für die Barsikower parat, die sich vor allem an die Landwirte richten: Mehr ökologisch wirtschaften, Dauergrünland schaffen, später mähen, Hecken und Blühstreifen anlegen. So sei die Nahrung für den Storchennachwuchs gesichert.

Von Cornelia Felsch

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