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Mehr Kontrollen, um Bäume zu schützen

Neuruppins fürchtet hohe Folgekosten Mehr Kontrollen, um Bäume zu schützen

Mit mehr Kontrollen auf Baustellen will sich die Stadt Neuruppin vor den immer weiter steigenden Folgekosten durch geschädigte Bäume schützen. Schon kleinste Verletzungen bei Bauarbeiten können dazu führen, dass Pilze in den Baum eindringen und ihn zerstören können. Gerade erst musste die Stadt 60 000 Euro ausgeben, um kranke Bäume fällen zu lassen.

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An der Fehrbelliner Straße mussten 20 Bäume gefällt werden.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Fontanestadt Neuruppin gibt immer mehr Geld für die Beseitigung von Schäden an ihren Bäumen aus. Künftig will die Stadtverwaltung deshalb verstärkt auf Prävention setzen. Die Mitarbeiter werden insbesondere bei Bauvorhaben öfter kontrollieren, ob die Firmen alle Vorschriften zum Schutz von Bäumen einhalten. Denn inzwischen ist klar, dass bei Bauarbeiten oft Schäden entstehen, die Jahre später richtig teuer werden können. Firmen, die sich nicht an die Vorgaben halten, müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. In mehreren Fällen hat die Stadt in den vergangenen Jahren bereits Verfahren eingeleitet und Bußgelder verhängt.

Dabei geht es nicht nur darum, dass ohne Erlaubnis Bäume gefällt werden oder ein Lastwagen Äste abfährt. Fachleute wissen inzwischen, dass schon viel kleinere Schäden enorme Auswirkungen haben können. Hendrik-Hans Hüttich geht zum Beispiel davon aus, dass auch etliche Bäume, die in der Fehrbelliner Straße gerade gefällt werden mussten, beim Ausbau der Straße in den 90er Jahren geschädigt wurden. Hüttich arbeitet als Baumwart für die Stadt und hat viele Schäden analysiert. „Vieles, was man heute weiß, war früher noch gar nicht bekannt“, sagt er und nimmt etliche Firmen damit indirekt in Schutz.

Kleine Verletzungen können schwere Folgen haben

Heutzutage weiß man, dass schon geringe Belastungen auf der Oberfläche schwere Schäden an den feinen Wurzeln der Bäume hervorrufen können, durch die später Keime und Pilze in die Pflanze eindringen. Es genügt oft, dass Baumaterial unter einer Baumkrone abgestellt wird oder ein Radlader über den Wurzel­bereich fährt. „Aber mit Baumaßnahmen ist nicht nur der Straßenbau gemeint“, sagt Neuruppins Tiefbaufachfrau Uta Pirk: „Da gehört alles dazu, zum Beispiel auch das Leitungsnetz.“

Erst im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung alte Eichen an der Fehrbelliner Straße im Bereich der Ruppiner Kliniken auf ihre Standsicherheit prüfen lassen, außerdem einige andere Bäume in derselben Straße. Insbesondere bei den Eichen gab es den konkreten Verdacht, dass sie möglicherweise nicht mehr sicher sind, weil ihre Wurzeln beim Ausbau der benachbarten Straße vor Kurzem zu stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. 2014 war ein Baum vor den Ruppiner Kliniken plötzlich auf die Fahrbahn gestürzt; zum Glück wurde dabei niemand verletzt.

Gutachter: Eichen vor den Ruppiner Kliniken stehen sicher

Zwei Gutachter hatten daraufhin im vergangenen Jahr etliche Bäume an der Fehrbelliner Straße mit sogenannten Zugversuchen überprüft. Das Ergebnis: Diese Bäume sind weiter standsicher, zumindest in den nächsten Jahren.

Solche Gutachten und auch die zusätzlichen Kontrollen auf Baustellen sind teuer, aber sie bewahren die Stadt auch vor möglichen Folgekosten. 20 Bäume an der Fehrbelliner Straße und 32 an der Straße nach Nietwerder mussten gerade gefällt werden, weil sie von Pilzen zu schwer geschädigt waren. Das Fällen, das Entfernen des Wurzelstocks und der Austausch des Bodens rund um den geschädigten Baum kosten insgesamt knapp 60 000 Euro. Das sind zusätzliche Ausgaben zur Gefahrenabwehr, die so im Haushalt nicht eingeplant waren.

Pilze zerfressen die Bestandteile des Holzes, bis der Baum nicht mehr standfest ist

Pilze zerfressen die Bestandteile des Holzes, bis der Baum nicht mehr standfest ist. Von außen ist das nicht immer leicht zu erkennen.

Quelle: Reyk Grunow

Rund 250 000 Euro waren im vergangenen Jahr für die Baumpflege durch den Neuruppiner Stadtbauhof vorgesehen, weitere 77 000 Euro standen für Fällungen und ähnliche Vorhaben bereit. Ausgegeben hat Neuruppin bis Ende des Jahres wenigstens 650 000 Euro. „Wir liegen weit über unserem Budget“, sagt Uta Pirk. Doch um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, sei das anders nicht möglich gewesen. An anderen Stellen musste gespart werden, um das Geld für die zwingend notwendigen Arbeiten an Bäume ausgeben zu können, sagt Amtsleiterin Marga Reinus.

Fürs aktuelle Jahr soll der Bauhof laut dem derzeitigen Haushaltsentwurf rund 350 000 Euro für die Pflege der rund 30 000 Bäume in Neuruppin und den Ortsteilen bekommen. Das Tiefbauamt hatte weitere 500 000 Euro für Tests und unabwendbare Fällungen beantragt. Doch die Kämmerei hat die Summe auf 100 000 Euro zusammengestrichen, um den Stadthaushalt ausgleichen zu können. Schon jetzt sei klar, dass das Geld nicht reichen wird, sagt Uta Pirk deshalb.

Beschlossen wird der Haushalt für das laufende Jahr voraussichtlich Ende Februar. Die Stadtverwaltung hofft, dass die Stadtverordneten dann auch die Stelle für einen dritten Baumwart bewilligen. Die zwei Mitarbeiter, die bisher für Baumkontrollen zuständig sind, kommen mit der Arbeit kaum hinterher.

Von Reyk Grunow

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