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Mehr Platz für noch mehr Windräder

Ostprignitz-Ruppin/Prignitz Mehr Platz für noch mehr Windräder

Auf Wunsch des Landes haben Planer das Papier für sogenannte Windkrafteignungsgebiete im Bereich von Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel überarbeitet. Grund: Der Bereich verfehlt deutlich das Ziel, dass zwei Prozent der Fläche für neue Windkraftanlagen ausgewiesen werden.

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Im Ruppiner Land und in der Prignitz sollen noch mehr Windräder gebaut werden.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Rheinsberg kann sich freuen: In der Nähe von Dorf Zechlin werden keine Windräder errichtet. Das knapp 250 Hektar große Eignungsgebiet, das dort zuletzt ausgewiesen worden war, entfällt. Das ist jetzt sicher. Grund: „Der Große Zechliner See ist ein anerkanntes Schlafgewässer für Singschwäne. Damit wäre ein Abstand von fünf Kilometern zu dem See notwendig“, sagte am Donnerstag Ansgar Kuschel, der Leiter der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel.

Rheinsberg: Die Landschaft wird nicht verspargelt

Thomas Lilienthal ist zufrieden mit der Entscheidung. „Das entspricht unseren Wünschen“, sagte der Stadtentwicklungsreferent von Rheinsberg. Die Stadt hatte sich ohnehin gegen die Pläne ausgesprochen, dass sich bei Dorf Zechlin bis zu 210 Meter hohe Windräder drehen. Vielmehr wollte Rheinsberg, dass das Land die Bauordnung so ändert, dass der Abstand zu Häusern künftig das Zehnfache der Höhe des jeweiligen Windrades betragen soll. Damit wäre das geplante Eignungsgebiet auch passé gewesen. Denn bei 210 Metern Höhe hätte der Abstand 2,1 Kilometer betragen. Auf diese Forderung einer sogenannten 10-H-Regelung, die von vielen Windradskeptikern erhoben wurde, war das Land jedoch nicht eingegangen. Um so mehr freut sich Lilienthal, dass das Eignungsgebiet bei Dorf Zechlin nun doch nicht kommt. „Viele Einheimische wollen unbeeindruckt von Windrädern leben.“ Das gelte ebenfalls für viele Touristen in der Region. Gleichwohl sei Rheinsberg für erneuerbare Energien, betonte der Referent. Nur setze Rheinsberg da eher auf das Heizen mit Holzhackschnitzeln und das Nutzen von Photovoltaikanlagen. „Da wird die Landschaft nicht verspargelt“, so Lilienthal.

Der größte Windpark in der Region wird noch größer

Es ist aber eher die Ausnahme, dass ein sogenanntes Windkrafteignungsgebiet, wie das bei Dorf Zechlin, nun doch wegfällt. Denn sowohl die Gemeinsame Landesplanung von Berlin und Brandenburg als auch das Wirtschaftsministerium in Potsdam hatten sich mit Schreiben an die Regionale Planungsgemeinschaft in Neuruppin gewandt und kritisiert, dass die Region die Vorgaben des Landes nicht erreicht. Laut der Energiestrategie des Landes sollen mit den neuen Regionalplänen Wind nämlich zwei Prozent der Fläche für erneuerbare Energien ausgewiesen werden. Im neuen Plan für Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel waren jedoch lediglich 1,3 Prozent der Fläche für erneuerbare Energien vorgesehen. Das Land wollte deshalb, dass die Region sich wenigstens an den Wert von zwei Prozent nähert. Die Planer habe das versucht, ohne die erst im Sommer beschlossenen Kriterien für neue Windräder ändern zu müssen. Das ist nicht in jedem Fall gelungen. So soll die Gemeinde Karstädt in der Prignitz ihr jetzt schon zu großes Windradgebiet (es umfasst 780 Hektar) nun doch vergrößern dürfen – zwei Ortsteile werden dann umzingelt sein mit den 200 Meter hohen Energieriesen.

Abstandsregel zum Kranichrastplatz wird aufgeweicht

Auch ein Eignungsgebiet am Autobahndreieck Wittstock soll jetzt erweitert werden dürfen. Bisher gab es Bedenken, weil dort ein Rotmilan brütete. Im vergangenen Jahr sei dort aber kein Brutnest mehr gesichtet worden, sagte Chefplaner Kuschel. Eigentlich gilt der Schutz für zwei Jahre. Erst wenn auch dann kein schützenswertes Tier mehr nachgewiesen werden kann, darf gebaut werden. Aufgeweicht wurde ebenfalls die Abstandsregelung zum Kranichrastplatz an den Linumer Teichen. Eigentlich ist ein Abstand von zehn Kilometern vorgeschrieben. Das nun geplante Windradgebiet am Autobahndreieck Havelland ist aber nur gut acht Kilometer entfernt. Neueste Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Kraniche ihren Rastplatz an den Linumer Teichen nicht über die Route Autobahndreieck anfliegen, sagte Kuschel.

Mit diesen sowie drei weiteren Gebieten in der Prignitz (bei Perleberg, Quitzow und Falkenhagen) werden im neuen Plan nun 1,5 Prozent der Fläche für erneuerbare Energien ausgewiesen. Ob das dem Land reicht, ist offen.

Umstrittene Landesvorgabe

Das Land will, dass in den neuen Regional­plänen der Planungsgemeinschaften jeweils zwei Prozent der Fläche für die Nutzung von Windkraft ausgewiesen werden. Dieses Ziel erreichen derzeit lediglich drei der fünf Planungsgemeinschaften: Uckermark-Barnim, Havelland-Fläming und Lausitz-Spreewald. Leicht unter 2-Prozent-Marke liegt die Region Oderland-Spree.

Am deutlichsten verfehlt Prignitz-Oberhavel die 2-Prozent-Marke.

Umstritten ist die Vorgabe, weil dabei die Flächen nicht berücksichtigt werden, auf denen sich bereits Windräder drehen. In Prignitz-Ruppin sind das immerhin rund 1000 Anlagen.

 

Von Andreas Vogel

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