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Mehr Unfälle, mehr Verletzte – mehr Kontrollen

Ostprignitz-Ruppin/Prignitz Mehr Unfälle, mehr Verletzte – mehr Kontrollen

So viele Verkehrsunfälle wie noch nie hat die Polizeidirektion Nord 2016 registriert, nämlich 13 .157. Auch die Zahl der Verletzten ist gestiegen. Die Polizei kündigt daraufhin eine flächendeckende Verkehrsüberwachung an. Sorgen bereitet der Polizei, dass es wieder erheblich mehr Wildunfälle gibt.

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Zehn Unfalltote gab es 2016 auf den Straßen in Ostprignitz-Ruppin zu beklagen. Der Beifahrer dieses Autos starb im Oktober in Neuruppin.

Quelle: Peter Gerisler

Neuruppin. Traurige Entwicklung: Die Zahl der Verkehrsunfälle im Bereich der Polizeidirektion Nord ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand geklettert. Bei den 13 157 Zusammenstößen (das sind 118 mehr als 2015) wurden 1966 Personen verletzt – das sind 110 mehr als im Vorjahr. Auch Rekord.

Polizeichef: Es wird überall zu schnell gefahren

„Es wird immer noch zu schnell gefahren, überall“, sagte am Freitag Bernd Halle, der Chef der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Diese ist für die Landkreise Ostprignitz-Ruppin, Prignitz und Oberhavel zuständig. Halle, der die Verkehrsunfallstatistik für 2016 präsentierte, zeigte sich angesichts der Zahlen etwas ratlos. Zwar gab es im vergangenen Jahr im Bereich der Direktion Nord lediglich 22 Verkehrstote und damit sechs weniger als 2015. Aber die Bilanz sei dennoch nicht positiv, betonte Halle. Immerhin ist das Risiko, im Nordwesten Brandenburgs Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, weiterhin höher als im Landes- und im Bundesdurchschnitt – trotz einer vergleichsweise geringen Einwohnerdichte. Eine Erklärung für diese Situation hatte der Polizeichef nicht. Da die Hauptunfallursachen nach wie vor zu schnelle Geschwindigkeit, zu geringer Sicherheitsabstand und Vorfahrtsfehler sind, will die Polizei aber den Druck auf Autofahrer weiterhin hoch halten. „Wir brauchen eine flächendeckende Verkehrsüberwachung“, so Bernd Halle.

Große Belastung durch Schwertransporte

Allerdings stößt die Polizei dabei derzeit recht schnell an ihre personellen Grenzen. Zum einen gehen mehr Beamte in den Ruhestand als neue eingestellt werden. Zum anderen haben die Einsatzkräfte derzeit mächtig mit dem Kontrollieren und Begleiten von Schwerlasttransportern zu tun, die Teile für neue Windkraftanlagen nach Kuhbier in die Prignitz sowie nach Neustadt (Dosse) bringen. Allein von Jahresbeginn bis Mitte Februar hatte die Polizei 250 derartige Transporte abzusichern. „Das erfordert einen sehr großen logistischen Aufwand“, betonte Frank Schiermeister, der Leiter der Verkehrspolizei in der Direktion Nord. Zu der Abteilung gehören knapp 90 Polizisten. Hinzu kommt, dass die Laster mit den Windradflügeln bis zu 70 Metern lang sind. Sie werden zwar nachts zum jeweiligen Bestimmungsort gebracht. Dennoch müssen für den Transport meist auch mehrere Straßen kurzzeitig gesperrt werden, damit es nicht zu Unfällen kommt.

Mehr als 3200 Wildunfälle

Große Sorgen bereiten der Polizei weiterhin die vielen Wildunfälle. Wurden 2014 lediglich 2724 Zusammenstöße mit Rehen, Wildschweinen, Waschbären und anderem Getier registriert, stieg die Zahl der Wildunfälle im vergangenen Jahr auf die neue Rekordmarke von 3239 – und das, obwohl inzwischen die Autobahn A 24 zumeist mit Zäunen begrenzt ist. Doch auf den Autobahnen kommt es gar nicht zu den häufigsten Zusammenstößen mit Wild, vielmehr knallt es häufig an den vielen Land- und Kreisstraßen, die durch Wälder und Wiesen führen. „Wir sind einfach eine wildreiche Region“, sagte Polizeichef Halle. Demnach ist nicht mal der Bereich um die Kyritz-Ruppiner Heide, in dem besonders viele Tiere leben, ein Unfallschwerpunkt – auch weil auf diesen Straßen zu wenige Autos unterwegs sind. Vieles wurde in den vergangenen Jahren schon versucht, um deutschlandweit die Zahl der Wildunfälle zu senken. Doch bisher gibt es kein Rezept. Weder Stanniolstreifen, die an den Bäumen hängen und im Scheinwerferlicht der Autos glitzern, noch Katzenaugen oder Geruchsproben an den Leitpfosten haben etwas an der gefährlichen Situation für Mensch und Tier etwas ändern können.

Mehr Unfälle von jüngeren Fahrern und von Senioren

Die mit Abstand meisten Unfälle geschehen ohnehin weiter innerhalb geschlossener Ortschaften. Dabei ist es im vergangenen Jahr zu einem erheblichen Anstieg von jungen Unfallverursachern gekommen. Auf das Konto der Fahrer, die zwischen 18 und 24 Jahre alt sind, kamen 2016 genau 1025 Zusammenstöße, das sind 236 mehr als ein Jahr zuvor. Die Polizei kann sich das nicht erklären. „Das begleitete Fahren mit 17 Jahren ist und bleibt ein Erfolg“, betonte Polizeichef Halle.

Den Anstieg von älteren Unfallverursachern hatte die Polizei indes erwartet – weil einfach immer mehr Menschen über 65 Jahren im Nordwesten Brandenburgs leben. Dennoch ist die Zunahme der von Senioren verursachten Zusammenstöße enorm: 2015 gab es 1549 derartige Unfälle mit vier Toten und 287 Verletzten – im vergangenen Jahr waren es 1863 Unfälle mit fünf Toten und 355 Verletzten.

Von Andreas Vogel

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