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Ostprignitz-Ruppin Mehr Unterricht für Flüchtlingskinder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mehr Unterricht für Flüchtlingskinder
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00:18 10.09.2016
Kinder von Flüchtlingen sollen in normalen Klassen unterrichtet werden. Das gelingt nicht immer. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Die minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Begleitung ihrer Eltern aus der Heimat geflohen sind und in Ostprignitz-Ruppin aufgenommen wurden, dürfen ab diesem Schuljahr mehr Unterricht genießen. Bisher sei das lediglich an zwei Tagen in der Woche möglich gewesen, sagte Tatjana Fesenko, Leiterin der Stattwerke, am Dienstag im Jugendhilfeausschuss in Neuruppin. Nun sollen die jugendlichen Flüchtlinge an vier Tagen in einer speziell gebildeten Klasse am Oberstufenzentrum Neuruppin unterrichtet werden. Der Verein Stattwerke kümmert sich in der Fontanestadt um 15 jugendliche Flüchtlinge.

Einige Jugendliche haben Schulden bei Schleusern

Die meisten von ihnen wollen in die Schule, am liebsten in Klassen gemeinsam mit deutschen Schülern. „Sie wünschen sich Begegnungen mit normalen Gleichaltrigen“, betonte Fesenko. Das scheint derzeit aber nicht möglich zu sein – wohl auch, weil viele der jugendlichen Flüchtlinge zuvor noch nie eine Schule besucht haben. Gleichwohl seien die meisten von ihnen in der Hoffnung nach Deutschland gekommen, möglichst schnell Geld verdienen und einen Teil davon in die Heimat schicken zu können, um ihre Eltern zu unterstützen. „Einige Jugendliche haben auch hohe Schulden bei Schleusern“, sagte Fesenko. Diese würden bei den Eltern der Kinder Druck machen, damit die Schulden möglichst schnell bezahlt werden. Zur Ernüchterung der Jugendlichen könne das aber dauern. Denn nach der Schule sollte zunächst eine Ausbildung abgeschlossen werden. „Es wird eine Herausforderung für sie, diese Zeit auszuhalten“, so Fesenko. Einige Jugendliche überlegen deshalb, mit Schwarzarbeit in Berlin oder anderen Großstädten Geld zu verdienen.

Alle Schützlinge, die vom Verein Stattwerke betreut werden, haben in den vergangenen Wochen Fahrradfahren gelernt, um zum Unterricht ins Oberstufenzentrum kommen zu können. Auch grundlegende Verkehrsregeln wurden den Jugendlichen beigebracht. „Die jungen Leute haben nur eine Bleibechance, wenn sie die Schule und eine Ausbildung abschließen“, sagte Fesenko.

Amt: Die Schulpflicht ist gewahrt worden

Schulrat Harald Schmidt räumte am Mittwoch ein, dass es im vergangenen Schuljahr Probleme gegeben habe. Deshalb sei von Mitte März bis zum Ende des Schuljahres „keine maximale Beschulung“ am Oberstufenzentrum in Neuruppin möglich gewesen. Das hat demnach vor allem daran gelegen, dass so kurzfristig keine neuen Lehrer gewonnen werden konnten. „Wir konnten nicht gleich alles anbieten.“ Die Schulpflicht sei aber gewahrt worden, auch mit dem Unterrichtsangebot an nur zwei Tagen. Zugleich betonte Schmidt, dass das Schulamt „streng“ darauf achte, dass fremdsprachige Schüler in einer sogenannten Regelklasse mit deutschen Altersgenossen integriert werden. Das scheint jedoch längst noch nicht überall zu gelingen. So lobte Fabian Barthel vom mobilen Integrationsteam beim Jugendhilfeausschuss zwar ausdrücklich die Neuruppiner Fontaneschule für die Aufnahme von fremdsprachigen Schülern. Zugleich räumte er jedoch ein, dass es dort nunmehr eine Art Ausländerklasse gibt. Laut der Integrationsverordnung des Landes ist das nicht zulässig. Laut Barthel gibt es jedoch Ideen, wie das Problem gelöst werden könne. Einzelheiten dazu nannte er allerdings nicht.

Insgesamt hat der Landkreis seit dem vergangenen Jahr 85 minderjährige Flüchtlinge aufgenommen, darunter sind neun Mädchen. Die meisten jugendlichen Flüchtlinge stammen aus Afghanistan und Syrien, sagte Nada Al Modhiji. Die 33-jährige Sozialarbeiterin, die aus dem Irak stammt und in den Niederlanden groß geworden ist, kümmert sich seit Januar mit ihrem Kollegen Enrico Döring (24) beim Landkreis speziell um diese Jugendlichen. Von Vorteil ist dabei, dass Al Modhiji nicht allein englisch und holländisch spricht, sondern ebenfalls arabisch.

Von Andreas Vogel

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