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Mehr Werbung ist nicht erlaubt

Neuruppin Mehr Werbung ist nicht erlaubt

Neuruppin hat ein tolles Museum, einen Vielzahl von Galerien und spannende Kulturfeste. Kultur ist das Aushängeschild der Fontanestadt. Doch mit strengen Regeln macht Neuruppin seinen eigenen Kultbetrieben und Veranstaltern das Leben schwer. Nur dezente Werbung ist erlaubt.

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Ein schlichtes Wort an der Fassade weist auf den Inhalt hin – es klingt nicht gerade spannend.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Wegweiser zu den Galerien und Kultureinrichtungen in der Innenstadt; Plakate und Banner, die Besucher schon beim ersten Blick auf tolle Feste wie die Aequinox-Musiktage oder die Fontane-Festspiele hinweisen; ein Transparent, mit dem das Museum auf seine neue Ausstellung aufmerksam macht – was in anderen historische Städten völlig üblich ist, darf in Neuruppin nicht sein. Die Fontanestadt hat sich selbst eine so strenge Werbesatzung gegeben, dass selbst Werbung für die eigenen Kulturfeste schwierig wird. Zumindest in der Innenstadt. Der städtische Kulturbeirat will jetzt prüfen, wie sich das ändern lässt.

Rund acht Millionen Euro hat die Fontanestadt ausgegeben und das Museum von Grund auf umgekrempelt. Das Neuruppiner Museum sollte eines der führenden in ganz Brandenburg werden. Ein Museum, das den Tourismus ankurbelt – ein Haus, das Tausende Besucher anlockt. Die Stadtverordneten hatten sich erhofft, dass das neue Museum sehr viel mehr Geld einspielt. Leider nur ist das Museum für Besucher schwer zu finden. Ein winziger Aufsteller vor dem großen Haus muss als Werbung genügen. Ganz oben an der Fassade steht in dezenten Lettern „Museum“. Überall sind selbst in streng geschützten Altstädten auf der Fassade Banner als Hinweis auf spannende Ausstellungen zu sehen. In Neuruppin ist das tabu.

Neuruppin kann Kulturprogramm nicht richtig anpreisen

Mehrfach war die Werbung für das neue Museum in den vergangene Monaten Thema im Kulturbeirat. Inzwischen ist klar: Selbst wenn die Stadt wollte, könnte sie gar nicht mehr Plakate aufhängen, Hinweisschilder aufbauen oder Werbefahnen über die Fassade spannen. Weil die Stadt es selbst schlicht untersagt hat.

Volker Büttner als Chef des Kulturbeirates findet das mehr als ärgerlich. „Es muss doch möglich sein, für Kultur zu werben“, findet er. Schließlich soll die Kultur das Aushängeschild der Fontanestadt sein. Grundsätzlich wollten die Abgeordneten mit der sehr strengen Werbesatzung das historische Stadtbild schützen. Die vielen Verbote zielen vor allem auf kommerzielle Werbung. Tatsächlich treffen sie aber auch Konzerte, Lesungen oder Theateraufführungen. Gerade mit Blick auf das Fontanejahr 2019 hält Büttner das für fatal. Neuruppin soll neun Monate hindurch ein Kulturprogramm bieten und kann es vielleicht selbst nicht einmal richtig anpreisen?

Der Kulturbeirat arbeitet gerade an Ideen, wie Kultureinrichtungen besser auf sich hinweisen können. Eine Art Galeriepfad mit Wegweisern durch die ganze Stadt wäre schön. Und Transparente für die großen Feste. „Vielleicht kann man dafür ja eine Ausnahmeerlaubnis einführen“, hofft Büttner. Notfalls eben zeitlich begrenzt. Ein schmales Werbebanner an der Fassade des Museums muss ja nicht das ganze Jahr über hängen. Die Katholische Kirche macht es vor: Dort grüßt der Papst von der Fassade. Ein paar Wochen im Jahr ist er zu sehen, ein paar Wochen nicht.

Von Reyk Grunow

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