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Mehrere Zwischenfälle an Biogas-Anlage

Wuthenow Mehrere Zwischenfälle an Biogas-Anlage

Als vor zwei Wochen rund zwei Millionen Liter gefährlicher Gärreste aus einem kaputten Tank der Biogasanlage in Wuthenow ausliefen, sorgte das für Aufsehen. Jetzt zeigt sich: Es war nicht die erste Havarie an der Anlage. Schon früher gab es dort Zwischenfälle.

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Die Biogasanlage in Wuthenow gehört zur insolventen KTG Energie AG. Betrieben wird sie von einer Tochterfirma.

Quelle: Peter Geisler (Archiv)

Wuthenow. Offenbar war die Havarie vor zwei Wochen nicht die erste in der Biogasanlage Wuthenow. Bereits 2015 habe es einen Vorfall gegeben, sagte Vize-Landrat Werner Nüse am Rande des Kreistages am Donnerstag. Offiziell sind der Kreisverwaltung sogar zwei weitere Vorfälle bekannt, erfuhr die MAZ auf Nachfrage. Im September 2016 lief demnach Silage-Sickerwasser in den Lankegraben und auch in den Ruppiner See. Wie viel Sickerwasser ausgelaufen und wie viel in den See gelangt ist, sei nicht bekannt, so Kreissprecherin Britta Avantario. Im August 2016 lief „eine geringe Menge Gärsubstrat“ auf dem Gelände der Anlage aus und versickerte dort. Dabei sei nichts ins Wasser gelangt.

Die Unfall vor zwei Wochen scheint bisher der schwerste gewesen zu sein. Dabei gelangten laut unterer Wasserbehörde etwa zwei Millionen Liter flüssiger Gärrückstände in die Natur. Der größte Teil floss aus einem undichten Tank in einen Graben, der etwa 500 Meter weiter im Ruppiner See endet. Mit Sandbarrieren sei es gelungen, die größte Menge des Schlamms im Graben zurückzuhalten. Wie viel in den See floss, ist unklar.

Ein Teil des verseuchten Grabens wurde wieder freigegeben

Mitarbeiter zweier Wasser- und Bodenverbände haben inzwischen versucht, mit Baggern die Reste des gefährlichen Schlamms aus dem Graben zu entfernen. Zwischen Bahndamm und der Lanke wurde der Graben inzwischen wieder geöffnet, nachdem dort mehr als eine Woche lang Wasser abgepumpt worden war. Inzwischen fließt das Wasser wieder in den See.

Noch am Donnerstag soll das Wasser aus dem Graben chemisch untersucht worden sein. Die Kreisverwaltung hat die Analyse nicht selbst in Auftrag gegeben, sondern das dem Betreiber der Biogasanlage überlassen. Untersucht wurden Stickstoff, Phosphat und der chemische Sauerstoffbedarf, so Britta Avantario. Die Daten sollen Aufschluss geben, wie groß die Gefahr für Pflanzen und Tiere ist. Die hohe Nährstoffkonzentration könnte zu einem Fischsterben führen.

Kreisverwaltung will Messwerte zur Wasserbelastung nicht nennen

Die Angaben zur gemessenen Belastung im Grabenwasser sind vage. „Die Werte lagen in einem Bereich, wie er für landwirtschaftliche Gräben typisch ist“, heißt es aus der Kreisverwaltung lediglich. Genaue Daten will die Wasserbehörde auch auf mehrfache Nachfrage nicht nennen. Offen bleibt auch, ob dem Amt die Werte überhaupt vorliegen. Die Behörde verweist lediglich an den Betreiber der Anlage. Von dem war trotz wiederholter Versuche keinerlei Auskunft zu bekommen.

Werner Kratz vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unterrichtet als Experte für Umweltgifte an der Freien Universität Berlin und hat Zweifel, ob die Analysen genügen, um zu bewerten, wie gefährlich das Wasser ist, das aus dem Graben in den See fließt. Wichtig ist aus Kratz’ Sicht der Gehalt an Antibiotika im Wasser. „Ohne diese Daten ist die Untersuchung nichts wert“, sagt Kratz, der bis 2012 Abteilungsleiter im Landesumweltamt Brandenburg war. Denn anders als lange vermutet werden Antibiotika aus der Tierhaltung in Biogasanlagen nicht abgebaut, sondern reichern sich dort an. Übers Wasser können sie in den menschlichen Körper gelangen.

Von Reyk Grunow

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