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„Mein Kampf“ nur auf Kundenwunsch

Neuruppiner Buchhändler und Schulen skeptisch „Mein Kampf“ nur auf Kundenwunsch

Jahrzehntelang war die Verbreitung von Hitlers „Mein Kampf“ verboten. Zum 1. Januar sind die Urheberrechte erloschen, und das Münchener Institut für Zeitgeschichte hat eine kommentierte Ausgabe herausgegeben. Einige Buchhändler weigern sich, die Schrift auszulegen, und auch Schulen beraten noch über die Verwendung im Unterricht.

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Dieses Buch wurde für eine Neuedition kritisch kommentiert.

Quelle: Imago

Neuruppin. Am Freitag ist eine neue kommentierte Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ erschienen. Daraufhin sind bereits einige Bestellungen in der Fontane-Buchhandlung in Neuruppin eingegangen, sagt Buchhändler Alexander Fries. Auslegen wollen er und seine Kollegen das Werk aber auf keinen Fall. Auch Frank Förster von der Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Buchhandlung bestellt nur auf Kundenwunsch: „Ich will nicht aktiv zur Verbreitung der Hetzschrift beitragen.“ Unterdessen beraten Schulleiter und Geschichtslehrer, wie die Integration des Buches in den Unterricht gelingen kann. Klassensätze soll es nicht geben.

Institut setzt auf historisch-politische Aufklärung

Das Institut für Zeitgeschichte in München hat das Buch umfassend aufgearbeitet: Auf etwa 2000 Seiten finden sich mehr als 3500 Anmerkungen. Experten ordnen die historischen Fakten ein, legen Hitlers gedankliche Vorläufer offen und stellen seine Ideen und Behauptungen modernen Forschungsergebnissen gegenüber. Das Institut setzt auf historisch-politische Aufklärung, die es laut Alexander Fries in ähnlicher Form schon seit vielen Jahren gibt. „Wir haben ein paar Werke auf Lager, die ,Mein Kampf’ behandeln, von daher ist das eigentlich nichts Neues“, so der Buchhändler. Aus welchem Spektrum diejenigen stammen, die sich den Neudruck bestellt und gekauft haben, sei schwer zu sagen. Für viele sei das Buch auch von wissenschaftlichem Interesse. „Es zu lesen, ist an sich erstmal nicht gefährlich. Wenn, dann muss schon vorher was im Argen gelegen haben“, sagt Fries.

Alexander Fries von der Fontanebuchhandlung in Neuruppin

Alexander Fries von der Fontanebuchhandlung in Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

„Die Erfahrung hat schon oft gezeigt, dass der Reiz des Verbotenen sehr groß ist“, erklärt Frank Förster. Er hätte daher nichts dagegen, wenn die kritisch kommentierte Schrift irgendwann auch in Bibliotheken frei zugänglich ausliegen würde. „Es ist einfach ein wichtiges Buch, das unsere Vergangenheit beherrscht“, so Förster weiter. Das alles zu tabuisieren, berge viel mehr Gefahren, als offenkundig, aber bedacht damit umzugehen. „Wer das Buch trotz Verbot haben wollte, hat es sich eben auf anderen Wegen organisiert“, sagt auch Fries und erinnert an die vielen Exemplare, die immer noch aus damaliger Zeit in den „einschlägigen Kreisen“ kursieren. Hitler hatte den ersten der zwei Bände in seiner Haftzeit 1924 geschrieben. Beide gelten als Grundlage der späteren Rassen- und Eroberungspolitik. Unkommentierte Auflagen bleiben in Deutschland weiterhin verboten.

Im Internet floriert der Handel mit der Hetzschrift

Im Internet verkaufen private Händler die neue Ausgabe, die eigentlich 59 Euro kostet, mittlerweile für bis zu 900 Euro weiter, berichtet Frank Förster. Beim Internetriesen Ebay ist das Anbieten der Originalschrift verboten. Für einige wenige Kunden hat Förster die neue Auflage schon bestellt. Mittlerweile sei sie aber nicht mehr lieferbar, weil der Verlag zu wenige Auflagen parat hatte. „Es ist kein programmatisches Wunderwerk“, sagt Fries. Dennoch ist es für die Aufklärung im Rahmen des Geschichtsunterrichts durchaus brauchbar, meint er. Förster sieht das ähnlich, betont aber, dass die Auswahl der Passagen entscheidend ist.

Carmen Hendel, Leiterin der Oberschule Am Rhin in Fehrbellin, geht nicht davon aus, dass die Schrift einen Platz im Unterricht finden wird. Sie befürchtet, dass die Schüler die Kommentare zu Hitlers Worten nicht genau genug lesen könnten. Dass Schulen einzelne Passagen behandeln, sei aber vertretbar. „Es wird definitiv keinen ganzen Klassensatz geben“, sagt Hendel. Damit stellt sie sich auf die Seite der Kritiker, die sich darum sorgen, dass Hitlers Schrift noch immer als politische Anleitung dienen könnte.

Von Luise Fröhlich

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