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Ostprignitz-Ruppin Meistens gleich in den Schredder
Lokales Ostprignitz-Ruppin Meistens gleich in den Schredder
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09:51 22.10.2013
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Pritzwalk

Mehrere Kilo schwer ist es, im roten Leineneinband mit Goldprägung und einem Hologramm auf der Titelseite. Auch im Inneren macht das Buch, das da kürzlich in der Post fürs Pritzwalker Gymnasium lag, einiges her: 800 Seiten wertvolle Hochglanzdrucke, die sich auf den ersten Blick einen wissenschaftlichen Anstrich geben, die sich jedoch bei näherem Hinsehen als wissenschaftlicher Humbug entpuppen. Der Autor ist Harun Yahya, der den "Atlas der Schöpfung" in einer Auflage von zwei Millionen hat drucken lassen und an Schulen und Forschungseinrichtungen in Europa unverlangt verschickt.

War bisher der Kreationismus und das Abstreiten der Evolution eher unter amerikanischen Protestanten bekannt, zeigt der türkische Autor Yahya, der eigentlich Adnan Oktar heißt, dass Kreationismus auch im Islam möglich ist. Seine Argumentation ist einfach: Eine Evolution kann es nicht gegeben haben, denn die Fossilien aus der Erdgeschichte belegen, dass sich die Arten in keiner Weise verändert haben: Sie sehen gleich aus, also müssen sie gleich sein.

Nun gut, möchte man meinen: Bis dahin ist das eine Auffassung und nicht wirklich ein Problem. Wären da nicht die Schlussfolgerungen, die Harun Yahya zieht: Die ideologische Wurzel des Terrorismus sei der Darwinismus, der auch mit Nationalsozialismus und Kommunismus blutige Bündnisse eingegangen sei. Demgegenüber sei der Islam Messlatte für Naturwissenschaften und die seit Beginn an unveränderte Schöpfung "intelligentes Design". Kurz zusammengefasst, formuliert der "Atlas" mehr religiöse Dogmen als Wissenschaft, tarnt sich aber als wissenschaftliches Werk. In Frankreich ist es verboten, in Baden-Württemberg stand der Autor als Holocaustleugner unter Beobachtung, zudem wurde diese These in den Verfassungsschutzbericht aufgenommen. Die krude Theorie Adnan Oktars: Es habe keinen Völkermord gegeben, Nationalsozialisten und Juden hätten sich stattdessen verschworen, um den Juden die Besiedlung Palästinas zu ermöglichen.

Der Leiter des Pritzwalker Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums Harald Glöde ist durchaus gewohnt, dass unverlangte Materialien eingesandt werden. Der "Atlas" hat ihn dennoch überrascht: "Aber bevor wir derartige Materialien in den Unterricht einführen, prüfen wir erst sehr genau ihren Hintergrund." Denn unverlangt zugeschickt werden den Schulen viele Materialien: wie die Flugblätter und Informationsschriften der "Exilregierung des Deutschen Reiches", die die Existenzberechtigung der Bundesrepublik verfassungsrechtlich in Frage stellen, und deren Anhänger, die "Reichsbürger" etwa ihre Kinder nicht zur Schule schicken wollen.

Wie Glöde bekommen auch andere Schulen Zusendungen: Am Neuruppiner Oberstufenzentrum etwa treffen regelmäßig Unmengen an Material ein. Der stellvertretende Schulleiter Thomas Michaelis: "Wir haben da so ein elektrisches Gerät, da bleibt nicht viel von solchen Sachen übrig. Generell informieren wir uns sehr genau, was in die Abteilungen weitergeht. Rückwärtsgewandete Materialien kommen nicht in den Unterricht. Wir arbeiten sehr engagiert antirassistisch und antifaschistisch. Selbst, wenn irgendwo etwas ausgehängt wird, entfernen wir das sofort."

Auch in Kyritz sagt der amtierende Schulleiter des Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasiums Uwe Quellmalz: "Vieles wird schon im Sekretariat aussortiert. Wenn wir bedenkliche Schriften bekommen, gehen die sofort in den Reißwolf oder zurück an den Absender." Zudem bekomme das Staatliche Schulamt eine Information, dass so etwas im Umlauf sei.

Harald Glöde in Pritzwalk differenziert auch nach dem Alter der Schüler, denn in der Sekundarstufe 1 gibt es ja eine Materialliste vom Ministerium. In der Oberstufe sind Zusatzmaterialien zulässig. Dennoch: "Wenn es von vorneherein erhebliche Bedenken gibt, kommen Materialien nicht in Schüler-, sondern höchstens in Lehrerhand. Im Oberstufenunterricht werden aber - analog etwa zur Originalliteratur aus dem Dritten Reich - Materialien durchaus auch einmal behandelt, aber in den richtigen Kontext gestellt. Unsere Schüler sollen lernen, wie man Manipulationen erkennt und mit ihnen umgeht. Schließlich wollen wir sie zu selbstständig handelnden Menschen erziehen, damit sie keinen Rattenfängern auf den Leim gehen."
Am Wittstocker Gymnasium ist der Atlas zwar nicht angekommen, aber auch Schulleiter Helmut Kühn kennt das Problem unverlangt zugesandter Materialien, eine Zeitlang vor allem mit solchen aus dem rechtsextremen Spektrum: "Extremistisches Material kommt bei uns gleich in den Schredder." Bei weniger offensichtlichen Zusendungen gehen die an die Fachbereiche, die dann entscheiden, wie damit weiter zu verfahren ist.

"Generell werden die Schulen ja mit solchem Zeug zugeschmissen", ärgert sich Kühn: "Kostenlose Schulbücher, Zeitschriften, oft in Packen, die reine Materialschlacht." Vieles werde gar nicht gebraucht: "Das fliegt irgendwann bündelweise in die Tonne."

Von Claudia Bihler

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