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Ostprignitz-Ruppin Meisterhafter Gesang in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Meisterhafter Gesang in Rheinsberg
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00:38 06.08.2015
Victoria Kunze – hier in der Partie des Ännchens aus Carl Maria von Webers „Freischütz“. Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Eigentlich möchte er sie noch nicht weglassen, gesteht Frank Matthus, künstlerischer Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg, am Sonntag den fast 300 Gästen, die zur vierten Matinee der Saison ins Schlosstheater gekommen sind. Er meint die Sänger, die diesmal zu erleben sind – zum Abschluss ihrer Meisterklasse zum Thema „Emotionsdarstellung und Körperarbeit“, geleitet von Stephan Rügamer.

Der Dozent ist vom Fach. Seit 14 Jahren ist er Tenor an der Staatsoper. In einer probenreichen Woche arbeitete er mit dem internationalen Kurs an Ausdruck und Darstellungsmöglichkeiten während des Gesangs. „Schauspieler können sich auf der Bühne körperlich verausgaben. Sänger eher nicht – sonst können sie nicht mehr singen“, erklärt Stephan Rügamer bei der Matinee. Dennoch sei es nicht nötig, dass Opernsänger regungslos auf der Bühne stehen: „Das Ziel ist, die Leute mit Stimme und Ausstrahlung zu begeistern.“ Beim Kurs hat Rügamer vermittelt, dass sich jeder nach eigenen Ideen bewegen könne.

Das Geübte demonstrieren die Sänger beim Abschlusskonzert: ein schön zusammengemixtes Programm, bei dem sich Heiterkeit und düstere Dramatik die Waage halten. Das Ensemble eröffnet mit Bernsteins auf Rheinsberg umgedichteten „Westphalia Chorale“, bevor die Französin Claire StGascoin Mezzo-Koloraturen einer Händel-Oper trillert.

Der Russe Ildar Ismagilov beeindruckt mit berührendem „Mein Sehnen, mein Wähnen“ aus Korngolds „Toter Stadt“ und Pia Salome Bohnert leiht ihren schillernden Sopran Puccinis Musetta. Dann kommt der Tod. Beeindruckend, wie Anat Czarny, schmal und schön, im schwarzen Kleid, das Lied Oskar Frieds „Der Tod krönt die Unschuld“ singt. Ein Gänsehautmoment – holt doch der Tod ein Kind. Mit sanftem Trost und süßen Worten gibt Czarny dem Sensenmann hier mehr Erlösung als Grausamkeit, bevor sie sich als schillernd-feurige Carmen in gänzlich neuem Lichte zeigt.

Dann und wann gibt Stephan Rügamer dem Publikum ein paar Erklärungen zu Komponist und Werken. Etwa, dass Oskar Fried in Paris fast verhungert wäre, und eine Hundeschule in Potsdam betrieb, bevor sein musikalischer Stern am Himmel zu glänzen begann. Auch die „Zauberflöte“ darf bei der Matinee nicht fehlen – der Slowake Patrik Hornák singt den Tamino in beachtlich akzentfreiem Deutsch. Verführerisch wird es im Don Giovanni. Und es ist immer hörenswert, wenn Don Giovanni die Braut Zerlina vor deren Hochzeit umgarnt. Bravo-Rufe erntet die Sopranistin Victoria Kunze für ihre Cunégunde aus Bernsteins Oper Candide.

„We have learned“ – wir haben gelernt – heißt das Chorstück, mit dem die Sänger den Zweck ihres Aufenthaltes in Rheinsberg noch einmal Revue passieren lassen. Der finale Carmen-Chor reißt das Publikum noch einmal mehr vom Hocker.

Von Regine Buddeke

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