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Ostprignitz-Ruppin Metal-Fans feierten 20. Open Air
Lokales Ostprignitz-Ruppin Metal-Fans feierten 20. Open Air
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00:18 28.06.2017
Wiedervereinigung nach mehr als zehn Jahren: „Viu Drakh“ kamen für die 20. Ausgabe des Protzen Open Air noch einmal zusammen. Quelle: Frauke Herweg
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Protzen

„Viu Drakh“ zimmern eine Wand aus Lärm und Wut. Ihre Musik durchglüht den Körper, setzt in der Magengegend an und breitet sich von dort überall hin aus. Musik aus der Hölle. Die Fans lassen Fäuste fliegen. Haare auch.

Für die „Viu Drakh“-Fans gehört der Auftritt der Band zu einem der Höhepunkte des Protzen Open Air. Mehr als zehn Jahre hatte die Band aus Halle nicht mehr gemeinsam auf der Bühne gestanden. Für das 20. Protzen Open Air am Wochenende kam die Death-Metal-Formation noch einmal in Ursprungsbesetzung zusammen. Einige Open Air-Besucher verstehen das auch als eine Respektsbekundung vor dem Festival am Rande des Rhinluchs.

Schwedische Kraftformation: „Facebreaker“ spielten am Sonnabendnachmittag. Quelle: Frauke Herweg

„Protzen – das ist die Ursprünglichkeit“, sagt Jan Günther, der sich „Schnack“ nennt. Der 52-Jährige mit dem Aufnäher „Blutiger Osten“ auf der Kutte, ist ein Metal-Reisender. Überall besucht der Ledermann kleine, ausgesuchte Metal-Festivals. Nach Wacken allerdings, der Riesenshow mit ihren mehr als 75 000 Gästen, würde er nie fahren. „Da kommen Touristen, um sich all die Leute in schwarz anzugucken“, sagt er. „In Protzen sind wir unter uns.“

Nur 1000 Festivalgäste sind „auf dem Protzen“, wie Günther es nennt, zugelassen. Veranstalter Mario Grimmer will das Open Air bewusst klein halten. Seine Gäste wissen das zu schätzen. „Das hier ist Familientreffen“, sagt „Schnack“. „Protzen hat was Ausgesuchtes.“

Protzen ist stolz auf sein Festival

Auch Ilona Becker gehört mit zur großen Protzen-Familie. Weniger um der Musik willen. Mehr wegen des Zusammenseins. Die Protzenerin sitzt an der Bonkasse und schenkt am Tresen aus. Die Nachtschichten übernimmt sie besonders gern. Fünf Tage Urlaub hat sie sich in diesem Jahr dafür genommen. Dabei hat sie nur 20. „Richtig gern mache ich das“, sagt sie. „Ist ein Freundschaftsdienst.“

Etwa 30 Helfer sind an den vier Festivaltagen, aber auch davor und danach im Einsatz. Viele kommen aus Protzen, etliche sind mit den Veranstaltern Mario und Andrea Grimmer befreundet. „Respekt, was die hier auf die Beine stellen“, sagt Becker.

Aus dem niedersächsischen Emsland: „Islay“ begeisterten ihre Fans. Quelle: Frauke Herweg

Ärger wegen Lärm, betrunkener Fans oder zugeparkter Wege? Hat es in 20 Jahren Festivalgeschichte eigentlich nicht gegeben. „Alles ist super organisiert“, sagt der Ortsvorsteher Dieter Sarnow, der bisweilen selbst Metal hört. Protzen, sagt er, sei stolz auf das Festival, das jedes Jahr Gäste aus dem gesamten norddeutschen Raum, aber auch aus Schweden oder den Niederlanden in das 500-Einwohner-Dorf holt. „Das ist unser Tor zur Welt – schauen Sie doch einfach nur mal auf die Nummernschilder.“

Gemeinsam mit einem Kumpel hatte Alexander Ertner das Festival vor 20 Jahren gegründet. Die beiden Metal-Fans aus Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) und Neuruppin gingen damals nach Protzen, weil es dort unweit des Friedhofs einen Hangar gibt, in dem die Bands auch bei Regen spielen können. Zur Jubiläumsausgabe des Protzen Open Air ist Ertner, „eRTi“, selbstverständlich gekommen – als einer der ganz wenigen nicht schwarz gekleideten Gäste. „Wir wussten damals nicht, auf was wir uns einlassen“, erinnert er sich. „Kommen nur ein paar Besucher oder vielleicht mehrere hundert?“

Die Polizei schickte einen Hubschrauber

1400 Gäste waren es schließlich bei der Premiere. Und auch der Polizeihubschrauber kreiste über dem Gelände. „Es war Fontanejahr“, sagt Ertner. „Und der Bundespräsident sollte nach Neuruppin kommen.“ Der Polizei musste Ertner damals erklären, wie es zu einer so großen Ansammlung von schwarz gekleideten Leuten kommen konnte.

Seit 2003 bucht Mario Grimmer die Bands für das Festival. „Stress pur“, sagt er, seien die Festivaltage und die unmittelbare Zeit davor. Von „Viu Drakh“, die er so lange nach Protzen gebeten hat, kann er nur vier Lieder hören. Dann eilt er los – Festival-T-Shirts als kleines Mitgebsel für die Band holen. Immerhin, die vier Lieder waren gut. „Hammer“, sagt er. „Die können es noch.“

Von Frauke Herweg

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