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Ostprignitz-Ruppin Alle Störche sind schon weg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Alle Störche sind schon weg
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00:24 31.08.2018
Die Störche aus Linum zogen auch schon wieder gen Süden. Quelle: Peter Geisler
Linum/Rühstädt

Die Horste sind leer in den Storchendörfern der Region. In Rühstädt sichtete Nadine Bauer, Leiterin des Nabu-Besucherzentrums, am Dienstag den letzten. „Am 12. August sind die Jungvögel los. Ein Trupp Altstörche ist gleich mit.“ Die restlichen Ostzieher haben den Nordwind genutzt, der guten Rückenwind bietet und ein passendes Hochdruckgebiet abgewartet. Dieses gibt passende warme Aufwinde für ihren Gleitflug bis nach Südafrika.

In Linum haben sich die Störche vorher schon vom Acker gemacht. Im sprichwörtlichen Sinne. Die großen Felder sind endlos voll mit Mais, Raps und anderen Monokulturen. Die von den Landwirten genutzten Pestizide töten darin kleine Lebewesen, die auf dem Speiseplan der anmutigen Vögel stehen.

Sie finden kaum noch Nahrung

„Diese finden kaum noch Nahrung, können sich daher nicht sattfressen“, sagt Marion Szindlowski von der Linumer Storchenschmiede. „Früher hatten die Vögel gemähte Wiesen. Sie konnten durchspazieren und sich Frösche picken, die darin herumsprangen. Heute gibt es das nicht mehr.“

Ihre Kollegin im Prignitzer Nabu-Zentrum pflichtet ihr bei und ergänzt: „Dazu kommt die Klimaveränderung. Hitze allein ist nicht schlimm für die Störche, das kennen sie aus Afrika auch. Aber die zu lange Trockenheit macht ihnen zu schaffen.“

Nach der Regenflut 2017 jetzt die Dürre

Als gäbe es nur noch Extreme: letztes Jahr die Regenflut, die die Nester förmlich überschwemmte, dieses Jahr die langanhaltende Dürre seit Anfang Mai. Wegen dieser hatten sich die Regenwürmer, eine der Hauptnahrungsquellen der Adebare, tief in die Erde verkrochen.

Amphibien und Feldmäuse waren rar. Gerade für den Nachwuchs seien Insekten und Regenwürmer wichtig, so Szindlowski: „Mehr passt nicht rein in den kleinen Schnabel, da die Nahrung in einem Stück gegessen wird.“

Gefährliche Nahrungssuche an der Straße

Auf der Suche nach Nahrung seien die Altstörche deshalb mitunter auch am Straßenrand unterwegs, was bereits zu Unfällen mit Autos geführt habe, unter anderem auf der A24 nahe der Raststätte Linumer Bruch.

Doch was tun? Viele Tümpel, Gräben und andere kleinen Gewässer seien mittlerweile leer, auch in der Prignitz, meint Nadine Bauer: „Daran sieht man, wie kritisch es um die Natur steht und wie wichtig Umweltschutz ist. Es gibt kaum Schnecken, Insekten oder Libellen, was eben am Wetter liegt, aber auch an der intensiv betriebenen Landwirtschaft.“

 Natur könne man sich nicht derart kontrollieren, sagt die Biologin und appelliert an die Bauern: „Nächstes Jahr sollten die Landwirte länger Wasser auf die Felder lassen und auch mal die Fruchtsorte wechseln. Nicht immer nur Mais oder Raps anbauen.“

Zudem wäre ein gutes Wassermanagement wichtig, dass das Hochwasser die Spitzen nimmt und eindämmt: „Seit 2013 hatten wir keines mehr. Dabei sind die Überschwemmungsgebiete Nahrungsquellen für Störche und viele andere Vögel. Deichvorland ist Pufferzone. Doch die Elbe ist zu 90 bis 95 Prozent eingebaut.“ Da helfe auch nicht der eine Elbabschnitt bei Lenzen, der jetzt besser gegen Hochwasser gefeit ist. Das muss umfangreich passieren.“

Storchenbestände gehen zurück

Auch der Nabu-Storchenexperte Bernd Ludwig ist die Dramatik klar. Er spricht ebenfalls von einem weiteren schlechten Storchenjahr. Brandenburg bleibe zwar das storchenreichste Land in Deutschland, sagt Ludwig, die Bestände gingen aber zurück. Genaue Zahlen für 2018 könne er jedoch noch nicht nennen.

2014 sei das letzte gute Storchenjahr gewesen, erläuterte Ludwig. „Damals wurden landesweit 1424 Brutpaare gezählt. Das war die größte Zahl seit der Erfassung 1966.“ Die Geburtenrate habe durchschnittlich bei 1,8 flüggen Jungtieren je Horst gelegen. Im vergangen Jahr seien es bei 1274 Paaren 1,5 gewesen. „Vermutlich wird es diesmal ähnlich werden. Eigentlich müsste es mindestens 2 sein.“

Weniger Vogelpaare in Rühstädt

Den Schnitt schaffen auch die Rühstädter Störche nicht. In diesem Jahr seien weniger Vogelpaare als in den Vorjahren gekommen, rechnet Nadine Bauer nach: „Etwa 30 Paare. Sonst waren es bis zu 35. Einige von ihnen sind wegen der Nahrungssituation gar nicht erst geblieben, sondern weitergeflogen.“ 19 von den 25 Storchenpaaren hätten gebrütet – ebenso viele wie 2017.

Ein Nest sei allerdings runtergefallen. Ende Juni wurden 34 Jungtiere beringt. Später waren jedoch noch vier gestorben. „Am Ende werden etwa 30 überlebt haben“, sagt Biologin Bauer. 2017 waren 38 Störche in Rühstädt aufgewachsen. „Es gab auch schon Jahre, da hatten wir über 70 Jungstörche.“

Nur acht Brutpaare in Linum

Lang, lang ist es her. Auch in Linum in Ostprignitz-Ruppin, wo es 16 Nester in Linum gibt. „Gerade mal acht Brutpaare besetzten die Horste. 14 Jungtiere wuchsen heran und wurden flügge“, Marion Szindlowski, Leiterin der Storchenschmiede. „Im Altkreis Ruppin haben mein Team aus ehrenamtlichen Betreuern und ich insgesamt knapp unter 30 Brutpaare gezählt. Rund 50 Jungvögel haben überlebt und sind durchgekommen.“

In den ersten zwei bis drei Lebenswochen wäre der Nachwuchs noch zu lütt, um über dem Horstrand gesehen zu werden, erklärt die Storchen-Expertin: „Aber wir können das an der Körpersprache der Storcheneltern ablesen, ob Junge drin sind oder nicht.“ Wenn die beiden Altstörche im Horst stünden, immer ein Elternteil anwesend sei und das andere regelmäßig mit neuem Futter ankommt.“

Nur 30 Prozent kommen als Brutpaar zurück

In zwei bis drei Jahren sind die Jungtiere geschlechtsreif. Mal sehen, wie viele von ihnen nach Linum zurückkehren. „Nur 30 Prozent schaffen es als Brutpaar. Der lange Weg von Südafrika ist gefährlich. Zudem siedeln sich die Jungen nicht unbedingt immer in Linum an, sondern manchmal 50 bis 100 Kilometer weiter weg, wie beringte Vögel zeigen.“

Dass die Störche in der Zahl abnehmen, liegt nicht nur an der niedrigen Geburtenrate. Störche suchten sich andere Quartiere, auch wenn sie eigentlich horst-treue Tiere sind, erklärt Nadine Bauer vom Europäischen Storchendorf Rühstädt: „Sie ziehen in Feuchtgebiete Polen oder andere Gegenden Deutschlands, nach Bayern oder Sachsen-Anhalt. Dorthin wo es mehr Futter gibt und mehr Regen. Da Brandenburg sehr mittig liegt, haben wir kontinentales Klima und kriegen wenig Wasser ab.“

Horste müssen repariert werden

Hoffen wir, dass es nächstes Jahr besser wird. Die Storchenschmiede Linum hat bis dahin gut zu tun. Viele Horste müssen repariert werden. „Allerdings fehlen uns die finanziellen Mittel“, sagt Leiterin Marion Szindlowski. Wer helfen möchte, kann gerne spenden und sich unter Tel. 033922/50500.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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