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Milchbauer aus Wulfersdorf am Limit

Protest der Landwirte Milchbauer aus Wulfersdorf am Limit

28 Cent pro Liter bekommen Milchbauern in der Region derzeit von den Meiereien. Rund 40 Cent müssten es sein, um finanziell über die Runden zu kommen, sagt Landwirt Claus Behrend aus Wulfersdorf. Deshalb beteiligte er sich am Dienstag an einer spontanen Protestaktion in Waren.

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Sönke Behrend, Sohn von Milchbauer Claus Behrend, mit Protestauto

Quelle: Björn Wagener

Wulfersdorf. Diese Rechnung geht nicht auf: 28 Cent bekommen Milchbauern in der Region derzeit von den Meiereien für einen Liter Rohmilch – viel zu wenig, um kostendeckend zu arbeiten. Laut Landwirt Claus Behrend, der einen Milchviehbetrieb in Wulfersdorf führt, seien mindestens etwa 40 Cent nötig, um über die Runden zu kommen. Im Einzelfall hingen die Kosten natürlich von der Effizienz des jeweiligen Betriebes ab. Ein gut geführter Hof müsse mindestens 38 Cent aufwenden, um einen Liter Milch zu produzieren. Es gebe aber auch Betriebe, die mehr als 50 Cent dafür aufwenden müssen, hat Behrend recherchiert. Fakt ist: 28 Cent reichen bei weitem nicht aus. Die Folge: Der Betrieb wirtschaftet ins Minus – Monat für Monat.

Das wollen die Bauern nicht länger hinnehmen und fanden sich am Dienstagabend zu einer spontanen Protestaktion in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) zusammen. Gut 40 Bauern auf Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Fahrzeugen fuhren zur Firma Müritz Milch GmbH, die als milchverarbeitender Betrieb zum Deutschen Milchkontor (DMK) gehört. Das Ganze sei eine friedliche, unangemeldete Aktion gewesen. „Am Mittag rief mich ein befreundeter Landwirt an und fragte, ob ich mitmachen würde“, berichtet Behrend. Er schnallte also eine große Plastik-Kuh, die er einmal zum Geburtstag geschenkt bekam und eigentlich eine originelle Sitzbank ist, auf einen Kleinwagen. Dazu schrieb er „Macht keinen Scheiß mit den Bauern“ auf die Heckscheibe und fuhr am Abend los. Vor Ort machten die Bauern ihrem Ärger Luft, indem sie auf die Misere hinwiesen. „Ein Sprecher sagte, dass sich die Bauern zu Liefergruppen zusammenschließen sollten, um mehr Macht gegenüber den Meiereien zu bekommen.

Für die Milch seiner Kühe in Wulfersdorf bekommt Landwirt Claus Behrend zu wenig Geld, um rentabel wirtschaften zu können

Für die Milch seiner Kühe in Wulfersdorf bekommt Landwirt Claus Behrend zu wenig Geld, um rentabel wirtschaften zu können.

Quelle: Björn Wagener

Denn derzeit fühlten sie sich ihnen ausgeliefert. Das Problem: Milchproduktion ist eine langfristige Angelegenheit. 30 Monate brauche es von der Trächtigkeit bis zur leistungsfähigen Milchkuh. Da müsse betriebswirtschaftlich entsprechend zukunftsweisend geplant werden. Doch gerade das sei nicht möglich, denn die Milchpreise würden jeden Monat neu festgelegt. So stünden Preisentwicklung und rentabele Betriebsführung im krassen Gegensatz. Die Bauern bräuchten einen verlässlichen, langfristigen Milchpreis, betont Behrend. Das müsse die Politik endlich regeln, so Behrend. Hinzu komme, dass die Milchquote seit 2009 jedes Jahr um ein Prozent erhöht worden sei, bevor sie am 1. April 2015 ganz abgeschafft wurde. Diese schrittweise Erhöhung, auf die sich die EU-Landwirtschaftsminister 2008 geeinigt hatten, habe vielfach dazu geführt, dass die Anzahl der Kühe in den einzelnen Betrieben erhöht wurde, sagt Behrend. Jetzt sind die Kühe da – und der Milchpreis ist im Keller. Rund 6500 Liter Milch produziere der Betrieb täglich. „Ich kann doch plötzlich nicht nur noch die Hälfte produzieren oder einfach dichtmachen. Was würde dann aus den Kühen, die zum Teil auch tragend sind? Soll ich sie zum Schlachter fahren?“, fragt er. Immerhin gehe es um 270 Milchkühe plus Nachzucht – insgesamt 550 Tiere. Darüber hinaus habe er auch eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern. Erschwerend komme noch hinzu, dass Umweltauflagen immer strenger würden und nennt ein Beispiel: In seiner Dungplatte, einem Lagerplatz für Kuhmist, seien Risse festgestellt worden. Das habe Kosten in Höhe von 30 000 Euro verursacht. Doch woher nehmen in diesen Zeiten? Claus Behrend würde dem Brandenburgischen Landwirschaftsminister gern mal deutlich klar machen, „aber an solche Leute kommt man ja gar nicht ran.“

 

Von Björn Wagener

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