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Milchbetriebe kämpfen um ihre Existenz

Europäischer Milchmarkt in der Krise Milchbetriebe kämpfen um ihre Existenz

Die Krise des Europäischen Milchmarktes ist am Montag Thema eines Krisentreffens der Landwirtschaftsminister in Brüssel. Ob dort Wege gefunden werden, um Milchviehbetrieben wie der Agrargenossenschaft Blesendorf-Zaatzke mehr Sicherheit zu geben, bleibt abzuwarten.

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Brita Kollhoff in ihrem neuen Stall in Blesendorf. Dort scheinen es die Kühe gut zu haben.

Quelle: Cornelia Felsch

Blesendorf. Schon von Weitem sind am Ortsrand von Blesendorf die neuen Kuhställe der Agrargenossenschaft Blesendorf-Zaatzke sichtbar. Vor zwei Jahren haben die Milchkühe ihre luftige Halle bezogen, und auch die Mitarbeiter des Agrarbetriebs bekamen ein neues Gebäude. Die alten LPG-Ställe hatten ausgedient. „Sie waren eklig und die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter waren schwierig“, sagt Brita Kollhoff. die Chefin des Betriebes im Norden des Kreises Ostprignitz-Ruppin.

„Schon vor der Milchkrise im Jahr 2009 hatten wir Pläne geschmiedet, neue Gebäude zu errichten“, sagt Brita Kollhoff. „Doch dann war die Milch plötzlich nichts mehr wert.“ Der Milchpreis ging in den Keller und die Landwirtin, die einst in der Schule lernte, wie wertvoll Milch ist, musste sich eines anderen belehren lassen. „Es fiel mir schwer, das zu begreifen, schließlich hatten wir als Schüler täglich unsere Milchration bekommen.“

Nur noch 20 Cent bekamen die Bauern 2009 für ihre Milch. Nicht alle schafften es, die Talsohle zu durchqueren. Mit dem Anstieg des Milchpreises stieg auch die Hoffnung der Landwirte – 2012 begannen sie in Blesendorf mit dem Bau der neuen Milchviehanlage.

Eine wohltuende Massage im Kuhstall

Eine wohltuende Massage im Kuhstall.

Quelle: Cornelia Felsch

„Unser Projektierungsbüro legte viel Wert auf das Tierwohl und für die Kühe gute Lebensbedingungen zu schaffen, war auch unser Anliegen“, sagt die Betriebschefin. Natürlich wurde auch an die Mitarbeiter gedacht. Sie bekamen neue Aufenthaltsräume und sanitäre Anlagen. „Den neuen Melkstand für die Milchkühe haben sich die Frauen selbst ausgesucht“, sagt Brita Kollhoff. „Sie waren in mehreren Landwirtschaftsbetrieben zum Probemelken.“

Die 54-jährige Landwirtin ist stolz auf ihren neuen Kuhstall. Es ist eine Leichtbaukonstruktion mit zentralem Futtergang. Die Tiere haben Liegeboxen und können sich frei bewegen. Die Seitenwände des Stalls lassen sich je nach Witterung mit Jalousien von oben bis unten verschließen. Ein Kotschieber sorgt stündlich für Sauberkeit am Boden. Die Liegeboxen sind mit einem Kalk-Strohgemisch ausgepolstert. Vom Stall gelangen die Tiere in das neue Melkhaus mit 32 Melkplätzen. Doch das war noch nicht alles – hinzu kamen eine Biogas- und eine Photovoltaikanlage.

„Seit wir den neuen Stall haben, ist der Krankenstand bei den Tieren sehr niedrig“, sagt Brita Kollhoff. Doch ihre Freude über die guten Haltungsbedingungen hat einen bitteren Beigeschmack: „Die Ökonomie muss stimmen“, sagt sie. „Wenn ich für 50 Kühe einen neuen Stall hinstelle, müssen die Rahmenbedingungen auch so sein, dass man sich Tierwohl leisten kann.“

Das vergessen die Menschen nach Ansicht der Bauern allzu oft, wenn sie auf die Straße gehen, um gegen Massentierhaltung zu protestieren. Denn auch, wenn die Europäische Union und das Land Brandenburg Fördermittel bereitstellten, müssen Kredite zurückgezahlt­­ werden. „Das ganze System ist in sich widersprüchlich“, sagt Brita Kollhoff. „Wir wollen, dass es den Tieren gut geht, haben investiert und produzieren Milch. Nach Ansicht der Umweltverbände ist der Verbraucher auch bereit, für das Tierwohl einen höheren Preis in Kauf zu nehmen. Doch dann kann man die Lebensmittel nicht als Ramschware verkaufen.“

Kälbchen im Stroh

Kälbchen im Stroh.

Quelle: Cornelia Felsch

25 Cent bekommt die Agrargesellschaft gegenwärtig für den Liter Milch. Ohne ihren Optimismus hätte Brita Kollhoff wohl längst aufgegeben. „Ich will nicht jammern“, sagt sie. „Aber unter 25 Cent kann man einfach keine Milch produzieren.“ Einige Brandenburger Milchviehbetriebe haben in den vergangenen Jahren bereits aufgegeben, und auch die Blesendorfer Agrarchefin hat oftmals schlaflose Nächte, wenn sie an die Investitionen denkt. Doch gerade für Brandenburgs Agrarbetrieb ist die Tierhaltung auch eine wichtige Voraussetzung, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. „Die mageren Böden sind auf den organischen Dünger angewiesen“, sagt Brita Kollhoff.

13 000 bis 14 000 Liter Milch geben die Blesendorfer Kühe der Rasse Holstein-Friesian am Tag, zweimal täglich werden sie gemolken. Ein Futterberater kümmert sich um die Rationen, die aus Anwelksilage, Stroh, Maissilage, Getreide, Soja, Raps, Mineralien und Vitaminen bestehen.

Das Grünland rund um den Agrarbetrieb ist die Futtergrundlage. Maria Halbach, Leiterin der Milchproduktion, kontrolliert das Wohl der Tiere. Hier wird täglich ordentliche Milch produziert, den Tieren geht es gut und die Qualitätskon-trolle ist perfekt. Dennoch muss der Betrieb knapsen.

„Eigentlich müsste ein neuer Radlader zum Füttern her, aber der muss warten“, sagt Brita Kollhoff. „Bei sozialrechtlichen Dingen müssten Landwirte mehr entlastet werden“, sagt Michael Brinschwitz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin. Der Bauernverband fordert, für Landwirte bei der Steuerzahlung eine Ausgleichsrücklage einzuführen, um drastische Preisschwankungen aufzufangen. „So können Landwirte in guten Jahren eine Rücklage in der Bilanz bilden.“

Wegen der Krise des Europäischen Milchmarktes tagt am Montag, 7. September, in Brüssel ein Sonder-Agrar-Rat. In ganz Europa werden zurzeit stabilisierende Maßnahmen zur Milchmarkt-Stabilisierung gefordert. „Auch Mitglieder unseres Landesbauernverbands werden nach Brüssel fahren“, sagt Michael Brinschwitz.

Von Cornelia Felsch

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