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Ostprignitz-Ruppin Mission Rettet die Bäume
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mission Rettet die Bäume
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00:17 29.07.2016
Gutachter haben mit einem Seilzug untersucht, ob die alten Eichen am Bechliner Weg in Treskow noch standsicher sind.
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Neuruppin

Jochen Brehm legt sich ins Zeug. Mit jedem Griff zum Hebel des Seilzugs spannt sich das dicke Stahlseil mehr. Es reicht einmal quer über den Bechliner Weg in Treskow. Auf der einen Straßenseite hat der Baumfachmann das Seil mit einer weichen Schlinge um den Stamm einer mächtigen Eiche gelegt. Von dort aus führt es auf die andere Straßenseite direkt in die Krone des gegenüberliegenden Baumes. Mit jedem Zug am Seil neigt sich die riesige Eiche auf der anderen Straßenseite ein wenig in Richtung Boden. Die Bewegungen sind winzig und mit bloßem Auge überhaupt nicht zu sehen. Sensoren am Stamm der Eiche registrieren die Spannung im Holz dagegen ganz exakt.

Während Brehm auf einer Digitalanzeige abliest, mit welcher Kraft die Krone des Baumes zu Boden gezogen wird, notiert ein Kollege die Messwerte der Sensoren am Stamm. Aus den Daten können die Gutachter später im Büro errechnen, wie sicher die Eiche steht – wie groß die Gefahr ist, dass der Baum bei einem schweren Sturm umstürzen könnte.

Ein paar Wochen muss ich Hendrik Hüttich noch gedulden, bis der Baumwart der Stadt Neuruppin die Ergebnisse der Zugversuche auf dem Tisch hat. Hüttich drückt die Daumen, dass alles gut geht. Dass die Eiche stehen bleiben kann und nicht gefällt werden muss.

250 Jahre alte Eichen sind Lebensraum für hunderte Tierarten

Der gesamte Bechliner Weg ist von alten Bäumen gesäumt. Die Eichenallee von Treskow nach Bechlin ist noch fast komplett. „Das ist ein intaktes Ensemble“, sagt Hendrik Hüttich. Die Bäume sind etwa 250 Jahre alt. Sie sehen nicht nur wunderschön aus, sondern sind jetzt im hohen Alter auch wichtiger Lebensraum für viele Tiere. Etwa 400 Insektenarten leben in solchen Eichen, fast 30 Vogelarten, Fledermäuse und andere Säugetiere.

Die alten Bäume sind Neuruppins Schatz. Doch der ist bedroht. Im Falle des Bechliner Weges zum Beispiel durch die Landwirte. Viele Bäume wurden in großer Höhe beschnitten. Irgendwer hat fünf, sechs Meter über dem Boden die Säge angesetzt und dicke Äste abgeschnitten, oft vor Jahren. Für Hüttich ist klar, wer: Landwirte, die Platz für ihre immer größer werdenden Maschine brauchten. Offiziell müssten 4,5 Meter Höhe über der Fahrbahn für die Traktoren genügen. Manchen Bauern reicht das aber nicht, also greifen sie zur Säge.

Drei alte Eichen im Bechliner Weg sind offensichtlich geschädigt

Drei alte Eichen am Bechliner Weg sind offensichtlich so geschädigt, dass unklar ist, wie sicher sie noch stehen. Ein Baum muss irgendwann angefahren worden sein, dabei wurde der Stamm beschädigt. Der Baum hat es selbst nicht geschafft, die Wunde zu verschließen. Das Holz darunter ist eindeutig von Fäulnis befallen – die Frage ist nur, wie stark. Das soll Jochen Brehm herausfinden.

Der Gutachter kommt aus Bestensee südlich von Berlin. Vor einem Jahr hatte er schon einmal in Neuruppin Zugversuche durchgeführt, an der Fehrbelliner Straße. Aus ganz Deutschland bekommt er Aufträge, die Bücher sind voll bis 2017. „Wir haben so viele Anfragen, dass wir uns aussuchen können, welche wir annehmen“, sagt er. 1000 bis 1500 Euro lässt Neuruppin sich Brehms Expertenmeinung kosten – pro Baum. Immer in der Hoffnung, dass sich mit Hilfe des Sachverständigen eine Fällung vermeiden und der alte Baumbestand bewahren lässt.

Schwefelporling am Stamm hat einen Anwohner stutzig gemacht

Auch Werner Gramatté ist gespannt, was die Gutachter herausfinden. Er hatte die Baumwarte der Stadt 2014 gerufen, als er am Wurzelanlauf der Eiche vor seinem Haus Pilze entdeckt hat. Inzwischen macht er sich Sorgen, wie lange der Baum an der Ecke zum Treskower Weg noch den Naturgewalten trotzt. „Natürlich sind die Eichen schön“, sagt der Neuruppiner. Außerdem spendet die mächtige Krone im Sommer viel Schatten. Doch Sicherheit geht vor.

Die gelben Fruchtkörper, die Werner Gamatté entdeckt hat, gehören zum Schwefelporling. Der befällt die Bäume über Wunden am Stamm und zersetzt das Holz. Der Baum wird geschwächt. Einige Wochen wird es dauern, bis die Ergebnisse der Messungen vorliegen. Erst dann lässt sich sagen, ob eine der Eichen gefällt werden muss oder ob alle zu retten sind.

Von Reyk Grunow

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