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Ostprignitz-Ruppin Mit Fontane Trieplatz gefunden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mit Fontane Trieplatz gefunden
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00:17 07.04.2016
Anne Grunert bereitet gerade eine Ausstellung vor, die ab dem 23. April in Trieplatz zu sehen sein soll. Quelle: Alexander Beckmann
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Trieplatz

„Das Leben im Hause war von einer rührenden Einfachheit, für die wir heute Sinn und Verständnis verloren haben. Erst im Alter kommt man wieder dahinter, dass das eigentlich das Wahre sei.“ Was Theodor Fontane vor rund anderthalb Jahrhunderten über Trieplatz schrieb, gilt heute noch immer. Davon ist zumindest Anne Grunert überzeugt. Die junge Berlinerin hat die ländliche Idylle gesucht und sie in Trieplatz gefunden.

Vor sieben Jahren erwarb sie gemeinsam mit ihrer Familie den Teil eines Hauses auf dem ehemaligen Gutshof – als Gegenstück zum Trubel der Metropole. „Wenn man aus so einem digitalen Großstadtmilieu kommt, ist es schön, dass die Leute hier nicht per GPS herfinden.“ Gemeinsam mit Eltern und Tochter verbringt die Berlinerin ihre freien Stunden auf dem Dorf. Und der alte Theodor spielt dabei durchaus eine Rolle. „Wir sind alle große Fontane-Fans“, sagt sie.

Landleben pur lockte die Berliner auf den Trieplatzer Gutshof. Quelle: Anne Grunert

Das schlägt sich im Haus durchaus nieder. Die alten Räume, die Bilder an den Wänden, Möbel und Dekoration – überall schlummern Hinweise auf das 19. Jahrhundert, auf Epoche und Verhältnisse, über die Fontane einst schrieb. Sogar den fehlenden Fernseher und den mangelhaften Handyempfang reiht Anne Grunert in diese Atmosphäre ein: „Das ist das Besondere, dass es hier vor allem Bücher gibt.“ Und demnächst auch Kunst. „Wir haben viele Künstler im Freundeskreis“, erklärt die Freizeit-Trieplatzerin, die selbst ebenfalls in dem Metier aktiv ist. Ab Mitte Juni zeigt sie beispielsweise im Berliner Frauenzentrum „Paula Panke“ Fotos und Objekte zum Leben im Land Brandenburg.

Doch zuvor sollen im Trieplatzer Haus Arbeiten von Kollegen die vorhandenen Motive aus dem 19. Jahrhundert ergänzen. „Alte Schinken – neuer Speck“ nennt sich die Ausstellung, die Familie Grunert am Sonnabend, dem 23. April, um 17 Uhr der Öffentlichkeit vorstellen will. Drei Fotografen sowie drei Maler und Grafiker stellen dabei jeweils einige ihrer Werke vor. „Sie sollen irgendeinen Bezug zum Landleben oder eben zu der historischen Epoche haben“, erklärt Anne Grunert.

So hat Hans-Jürgen Wolff, der auch in Wus­terhausen aktiv ist, beispielsweise Spitzwegs „Der arme Poet“ neu interpretiert. Renate Koßmann und Birgit Kahl aus Berlin zeigen Porträtfotografien. Bei Ronja Rönnberg geht es ebenfalls fotografisch um den Sommer. Annette Küchenmeister widmet sich der Enkaustik, dem Malen mit heißem Wachs, und Collagen. Abstrakt wird es wohl bei Concha Argueso aus Spanien. „Da weiß ich’s noch gar nicht genau“, gesteht Anne Grunert.

Für sie und für die Trieplatzer ist die Ausstellung eine Premiere. So etwas gab es im Dorf noch nicht. „Ich würde mich freuen, wenn es viele interessiert“, sagt die Gastgeberin. Bis Ende August sollen die Kunstwerke im Haus in der Dorfstraße 26 zu sehen sein. Besucher sind auf Anmeldung (E-Mail: sekr.landpartie@gmx.de) willkommen.

Dass so ein Ausflug lohnt, das wusste schon Fontane. „Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein. Du wirst, wenn du heimkehrst, nichts Auswendiggelerntes gehört haben wie auf großen Touren, wo alles seine Taxe hat; der Mensch selber aber wird sich vor dir erschlossen haben. Und das bleibt doch immer das Beste“, schrieb er 1864 in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

Von Alexander Beckmann

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