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Mit Geduld und viel Liebe helfen

Wittstock Mit Geduld und viel Liebe helfen

Angehörige von Demenzkranken sind in vielen Situationen oft gefordert oder sogar überfordert. Wie sie die Pflege so effektiv wie möglich für sich und den Erkrankten organisieren können, darüber erfahren sie jeden Freitag etwas in der Vortragsreihe „Hilfe beim Helfen“ in Wittstock. Diesen Freitag stand die Pflege im schweren Stadium der Krankheit im Vordergrund.

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Für Demenzkranke gibt es spezielles Geschirr und Besteck. Die Angehörigen bekamen den Querschnitt eines Kipptellers in die Hand.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Die Zahl der an Demenz Erkrankten in Ostprignitz-Ruppin nimmt stetig zu. Einer Erhebung des Statistischen Landesamtes sowie des Deutschen Zentrums für Altersfragen zufolge litten 2015 über 2300 Menschen in Ostprignitz-Ruppin an Demenz. Umso wichtiger ist es, für Betroffene die richtige Pflege frühzeitig zu organisieren, wie Elke Bröcker, Sozialarbeiterin der Volkssolidarität in Wittstock, sagt.

Melanie Pöhl (l) gab Geruchsproben herum

Melanie Pöhl (l.) gab Geruchsproben herum.

Quelle: Christian Bark

Für gewöhnlich war der Verband immer an einer zentralen Veranstaltung anlässlich des Weltalzheimertages in der Dossestadt beteiligt. In diesem Jahr bietet die Volkssolidarität seit September in ihren Räumen in der Poststraße in Kooperation mit dem Brandenburgischen Kompetenzzentrum Demenz sowie Unterstützung der Barmer Krankenkasse eine Vortragsreihe „Hilfe beim Helfen“ an. „Diese ist für Familien entwickelt worden, um den Alltag leichter zu gestalten und wichtige Informationen weiterzugeben“, erklärt Elke Bröcker.

Bewegung und die Sinne fördern

Am Freitag stand das Thema „Pflege im schweren Stadium der Demenz“ auf der Tagesordnung. Altenpflegerin Melanie Pöhl erklärte dabei in ihrem Referat, wie kleine Veränderungen in der Wohnung wie Haltegriffe an der Toilette oder Dusche das Leben für Betroffene erleichtern und sicherer machen können. Sie appellierte an die Zuhörer, ihre Angehörigen bei Bettlägerigkeit immer wieder zur Bewegung zu animieren, sie im fitten Zustand auch zu Spaziergängen mitzunehmen. „Ausreichend Bewegung ist ein ganz wichtiger Punkt bei einer Demenzerkrankung“, sagte sie.

Die Zuhörer konnten ihren Tastsinn schärfen

Die Zuhörer konnten ihren Tastsinn schärfen.

Quelle: Christian Bark

Weil die Sinneswahrnehmungen im Krankheitsverlauf abnehmen würden, sei es von Bedeutung, diese so lange wie möglich zu fördern und zu fordern. So könnten neue Nervenbahnen aufgebaut werden und alte Erinnerungen aufgefrischt werden. Beispielsweise beim Durchstöbern von Fotos, Hören von Musik oder Riechen von bekannten Düften. Ganz praktisch setzte die Altenpflegerin das um, indem sie an die Zuhörer Geruchsproben und Säcke mit unbekanntem Inhalt verteilte. „Fühlen Sie, was da drin ist“, fragte Melanie Pöhl. Solche kleinen Sinnestests seien nicht nur abwechslungsreich, sie machten auch Erkrankten und ihren Angehörigen gemeinsam Spaß.

Technische Finessen erleichtern den Alltag

Amüsiert schnupperte und rätselte auch Astrid Bertram. „Ich bin hier, weil ich mich für das Thema interessiere“, erklärte die Wittstockerin. Was sie dabei lerne, könne sie im Bekannten- und Verwandtenkreis als Erfahrung einbringen – zum Beispiel bei ihrer Schwester, deren Mann an Demenz erkrankt sei. Christel Fano hat bisher an allen Vorträgen der Reihe teilgenommen, wie sie sagte. Seit zwei Jahren pflegt die 82-Jährige aus Herzsprung ihren an Demenz erkrankten Mann. „Das kam von Narkosen bei vielen Operationen“, erklärte sie. Interessiert zeigte sie sich am Freitag besonders an den Verhaltenstipps bei der Angehörigenpflege.

Kathrin Hoffmann stellte Flexhosen vor

Kathrin Hoffmann stellte Flexhosen vor.

Quelle: Christian Bark

Dabei verwies Melanie Pöhl darauf, dass man auch bei einem „Malheur“, das in die Hose ging, nicht wütend gegenüber dem Erkrankten zu reagieren darf. Liebe und Geduld seien die Zauberwörter, auch wenn das bei Zeitdruck nicht immer leicht falle. Bei der Körperpflege sei es wichtig, die Kommunikation mit dem Angehörigen in Gang zu bringen und ihn, wie in allen Situationen des Lebens, soviel wie möglich selbst machen zu lassen. „Es ist eine intime Situation und der Autonomieverlust auch für den Betroffenen nicht schön“, erklärte die Altenpflegerin. Funktioniere es gar nicht, sei ein Pflegedienst angebracht.

Über Möglichkeiten technischer Hilfsmittel informierten Kathrin Hoffmann und Yvonne Seeger-Spiesecke vom Sanitätshaus Konrad. Sie zeigten Flexhosen, die bei Inkontinenz tagsüber getragen werden können sowie speziell für Demenzkranke geeignetes Geschirr. „Einige der Hilfsmittel kann man sich auch über die Kasse erstatten lassen“, informierte Yvonne Seeger-Spiesecke.

Die letzten beiden Veranstaltungen finden jeweils freitags am 20. und 27. Oktober zwischen 9  und 11 Uhr in der Wittstocker Sozialstation in der Poststraße 11 statt. Themen sind dann Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige sowie neue Wohnformen. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen unter Tel.: 03394/4 75 90.

Von Christian Bark

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