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Mit Herz und Hand im Dienst

Neuruppin Mit Herz und Hand im Dienst

Die MAZ hat zwei Krankenschwestern einen Vormittag lang an den Ruppiner Kliniken begleitet. Karin Dorst arbeitet seit 1999 am Ambulanten Operationszentrum, Janine Schwarz lernt die Station während ihrer Ausbildung gerade kennen. Auch wenn sich das Berufsbild gewandelt hat, steht für Karin Dorst eines fest: „Wie man den Patienten die Angst nimmt – das ist das A und O.“

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Karin Dorst (l.) arbeitet seit 1999 im Ambulanten Operationszentrum, die Auszubildende Janine Schwarz lernt die Station gerade kennen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Berührungsängste hat Janine Schwarz keine. Geduldig hält die junge Frau ein kleines Mädchen in Armen, dem dicke Tränen über die Wangen kullern. Die Kleine hat sich den Arm gebrochen, gerade ist ihr im Ambulanten Operationszentrum der Ruppiner Kliniken ein Draht entfernt worden. Ein Routineeingriff – doch was ist für ein 18 Monate altes Kind schon Routine? Mit einem Teddy und sanften Worten versucht Janine Schwarz, das Kind zu beruhigen.

Die 20-Jährige ist Auszubildende zur Kinderkrankenschwester an den Ruppiner Kliniken, wobei die offizielle Bezeichnung mittlerweile „Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin“ lautet. Das erste von drei Lehrjahren hat die junge Frau bereits absolviert. Seit einer Woche hospitiert sie im „Ambulanten Operationszentrum“ (AOZ). Dort werden jene Eingriffe durchgeführt, bei denen der Patient in der Regel ohne Übernachtung wieder nach Hause gehen kann. Angeleitet wird Janine Schwarz von erfahrenen Schwestern, die den Überblick behalten.

Keine Berührungsängste

Karin Dorst ist eine von ihnen. Sie ist seit 6.30 Uhr im Dienst. Das Tagesprogramm: vier Eingriffe in der Unfallchirurgie. Ein gebrochener Arm, zwei Knie-OPs und ein Eingriff am Handgelenk. Dorst steht telefonisch mit dem Personal im Operationssaal in Kontakt und sorgt dafür, dass die Patienten rechtzeitig für die jeweilige OP vorbereitet sind. Nach der Aufnahme bekommen sie zunächst ein Bett zugewiesen, werden bei Bedarf rasiert und mit Medikamenten versorgt. Die Betäubung nimmt schließlich ein Anästhesist vor. „Die Narkose ist so dosiert, dass der Patient nach dem Eingriff schnell wieder wach ist“, erklärt Karin Dorst.

OP- und Patientenbereich unterscheiden sich optisch deutlich voneinander. Funktionales Grau auf der einen Seite, freundliche Farben auf der anderen. Vom Schwesternzimmer aus überwachen Karin Dorst und ihre Kolleginnen den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung an einem Monitor – wenn sie nicht gerade unterwegs sind, um den Patienten behilflich zu sein oder ganz einfach Trost zu spenden. „Wie man den Patienten die Angst nimmt – ich denke, das ist das A und O“, sagt Dorst. Ursprünglich wollte die Mecklenburgerin Medizin studieren, dann entschied sie sich aber für den Beruf der Krankenschwester. Ihre Ausbildung in Güstrow schloss sie 1981 ab, die Urkunde überreichte der damalige Gesundheitsminister persönlich. „Das war damals im Schloss“, sagt Dorst und lacht. Die 54-Jährige nimmt eine Nierenschale aus einem Schrank und legt einige Utensilien für eine Rasur hinein. Eine Patientin wartet auf eine Arthroskopie, einen Eingriff am Knie. „Ich bin gleich wieder da“, sagt Dorst und verlässt schwungvoll das Schwesternzimmer.

Die erste Geburt – ein besonderer Moment

Janine Schwarz hat das Kind mit dem gebrochenen Arm mittlerweile an den Vater übergeben. Dass sie als angehende Kinderkrankenschwester auch dort hospitiert, wo überwiegend Erwachsene versorgt werden, sieht der Ausbildungsplan so vor. „Wir müssen so ziemlich alles durchlaufen“, erklärt die 20-Jährige. Routinemäßig geht der Griff zum Spender für Desinfektionsmittel. Als bisherigen Höhepunkt sieht Schwarz ihren Besuch auf der Entbindungsstation an. Dort erlebte die Großmutzerin das erste Mal eine Geburt mit. „Es ist ein richtig schönes Gefühl, ein Neugeborenes in Händen zu halten. Da denkst du ,Wow’!“

Auch Karin Dorst hat während ihrer Ausbildung solch einen Moment erlebt. „Das war bei mir im dritten Lehrjahr. Bei einer Geburt hatte sich die Nabelschnur des Kindes verknotet“, erzählt Dorst. Sie beatmete das Kind, das schließlich wohlbehalten entbunden werden konnte. „Die Mutter kam bei der Entlassung mit einem großen Blumenstrauß zu mir, um sich zu bedanken“, sagt Dorst. Es sei gerade auch die Dankbarkeit der Patienten, die den Beruf lohnenswert macht.

Auf der Suche nach Fachkräften

Das Berufsbild an sich habe sich verändert, sagt Dorst, die seit 1999 am AOZ arbeitet. „Früher standen Patient und Pflege im Vordergrund, heute dient vieles der Dokumentation“, so Dorst. Gleichzeitig unterschieden sich die Tätigkeiten je nach Station. Am AOZ falle beispielsweise der Bereich der Körperpflege weg, da die Patienten nur für einige Stunden vor Ort sind. Zur Urlaubszeit helfen die Schwestern daher auch auf anderen Stationen aus. „Grundsätzlich bräuchten wir im Gesundheitsbereich mehr Personal, denke ich“, sagt Karin Dorst. Was fehle, sei der Nachwuchs. Vor 15 Jahren noch habe es deutlich mehr Bewerber als offene Stellen gegeben, mittlerweile würden Pflegekräfte dringend gesucht. Die Wochenend- und Schichtarbeit, die auf den meisten Stationen die Regel sei, schrecke offenbar viele junge Menschen ab. „Das ist nicht einfach zu organisieren, gerade, wenn man kleine Kinder hat“, sagt Dorst.

Bislang konnten die Ruppiner Kliniken ihren Bedarf decken, doch die Situation ist schwierig, erklärt René Kelling, stellvertretender Pflegedirektor. „Wir hatten drei Jahre lang einen Rückgang der Bewerber“, sagt Kelling. „In diesem Jahr sind die Zahlen wieder gestiegen.“ Die Ruppiner Kliniken lebten von der eigenen Krankenpflegeschule. „Wir haben eine Marketingaktion gestartet“, so Kelling. „Der Gesundheitsbereich gilt auf jeden Fall als krisensicher.“

Von Mischa Karth

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