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Ostprignitz-Ruppin Mit dem Bahnhof kam das Leben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mit dem Bahnhof kam das Leben
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10:46 27.02.2018
Das Bahnhofsgebäude ist ein Einzeldenkmal. Das Haus ist verwaist. Fensterscheiben sind eingeschlagen. Das Gelände ist verwildert. Quelle: Sandra Bels
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Zernitz-Bahnhof

Für Sigrid Schumacher ist es ein „grauenvoller Anblick“. Die ehrenamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Zernitz-Lohm findet es schade, dass das ehemalige Bahnhofsgebäude von Zernitz immer mehr verfällt und das Gelände drumherum verwildert. Schließlich ist es das, was dem Ort einst seinen Namen gegeben hat. Seit 1994 hält dort jedoch kein Zug mehr.

Ohne den Bahnhof hätte es Zernitz-Bahnhof nie gegeben. Das ist eine Tatsache. Der Bahnhof ist 2018 genau 170 Jahre alt. Das belegt nicht nur eine Chronik, die für das 160-jährige Bestehen aufgelegt wurde. Es gibt auch verschiedene historische Belege dafür wie eine Flurkarte. Für den Geburtstag vor zehn Jahren trugen Brigitte und Juliane Kiok viel Wissenswertes über den Ort zusammen.

Zuerst gab es nur Wald und Flur

Bevor der Bahnhof gebaut wurde, gab es außerhalb von Zernitz nur Wald und Flur. Erst nach der Einweihung der Zughaltestelle im Jahr 1848 kam Leben an den Bahnhof, heißt es in der Chronik. Das benachbarte Dorf Zernitz wurde hingegen schon 1324 urkundlich erwähnt. Es hatte eine klassische Struktur mit Kirche, Gut und Bauern.

Die neu zu gründende Zughaltestelle konnte damals nicht in Zernitz gebaut werden. In der Chronik heißt es, dass die Bauern dafür damals kein Land zur Verfügung stellen wollten. So wurde der Bahnhof zum Ausgangspunkt für die Ansiedlung von Handel, Handwerk, Gewerbe und Wohngrundstücken. Um 1900 pulsierte das Leben am Bahnhof nur so. Die Aufzeichnungen besagen, dass es unter anderem jede Menge Handwerksbetriebe, Händler, aber auch Beamte durch die Bahn, und Angestellte gab.

Zernitz-Bahnhof hätte es ohne den Bahnhof wohl nie gegeben. Quelle: Sandra Bels

Die Wohnhäuser sind geblieben

Davon ist heute nichts mehr übrig. Lediglich die Wohnhäuser sind geblieben und ein paar Unternehmen. „Wir als Gemeinde haben schon Interesse am Bahnhof“, sagt Sigrid Schumacher. Ihn zu kaufen, das sei aber finanziell nicht möglich. Auch einen Abriss kann sie sich nicht vorstellen „Schließlich ist das Gebäude allein durch seine Geschichte etwas Besonderes“, sagt sie. Außerdem steht es auf der Liste der Einzeldenkmale. Das würde einen Abriss ohnehin ausschließen.

Auch der ehemalige Güterschuppen ist ein Einzeldenkmal. Quelle: Sandra Bels

MAZ fragte deshalb bei der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Ostprignitz-Ruppin nach, ob es Auflagen für das Gebäude gibt. Kreis-Pressesprecherin Britta Avantario sagte, dass für das Haus ein Eigentümerwechsel absehbar ist.

„Wir hoffen, dass dieser bald erfolgt und sich der neue Eigentümer mit der unteren Denkmalschutzbehörde in Verbindung setzt, um die Sanierung und die neue Nutzung der Bahnhofgebäude abzustimmen“, ergänzt sie. Sollte sich der Eigentümerwechsel erst langfristig ergeben, werde die untere Denkmalschutzbehörde gegen den Eigentümer ordnungsrechtliche Maßnahmen ergreifen.

Deutsche Bahn ist Eigentümer

Derzeit gehört Haus und Gelände der Deutschen Bahn. Deren Pressestelle ließ wissen, dass die Ausschreibung zu Zernitz im Internet zu finden ist. Kaufangebote könnten jederzeit abgegeben werden. Weiter heißt es: „Die Deutsche Bahn ist bestrebt, das Einzelgrundstück zu veräußern.“ Weitere Auskünfte gab es nicht.

Sigrid Schumacher erinnert sich noch an die Zeiten, in denen im Bahnhofsgebäude Wohnungen waren. Sie denkt, dass sich eine Sanierung auch wegen des schönen Vorplatzes lohnen würde. Aber auch der ist verwildert. Wer den Bahnhof kauft, muss damit leben, dass regelmäßig Züge dort vorbei fahren. Es ist die Strecke Hamburg-Berlin.

Aus der Geschichte des Bahnhofsgebäudes

Als die Berlin-Hamburger Eisenbahn gebaut wurde, war Zernitz ein kleines Dorf. Damals sollte die Bahnstrecke eigentlich über die nördlich gelegene Hansestadt Kyritz führen. Schließlich wurde die Trasse weiter südlich gebaut. Der Bahnhof entstand 1848 an der Kreuzung nach Kyritz.

Ein schreckliches Kapitel gehört zur Bahnhofsgeschichte. Im Februar 1945 wurde in der Nähe des Bahnhofs ein haltender Zug mit jüdischen KZ-Insassen versehentlich von amerikanischen Tieffliegern angegriffen. Heute erinnert eine Gedenkstätte an die 48 Menschen, die dabei ihr Leben verloren.

Das Bahnhofsgebäude hat einen kreuzförmigen Grundriss mit Dreiecksgiebeln zu allen vier Seiten. Anders gesagt: Es ist ein mit der Giebelseite zur Bahn stehender zweigeschossiger Bau mit flachem Satteldach, der von einem etwas breiteren und niedrigeren Bau quer durchstoßen wurde. Zur Bahnseite erschien das Gebäude dadurch vierachsig.

1857 kaufte die Bahngesellschaft weiteres Land, um im kommenden Jahr einen Güterschuppen zu errichten. Viel mehr ist über den Bahnhof nicht bekannt.

Von 1990 bis 1991 wurde der Bahnhof umfassend saniert. Die Veränderungen in der Fensterteilung und die kräftig gelbe Farbgebung der Fensterbereiche sollen ihm anschließend laut Aufzeichnungen über den Bahnhof seine frühere Eleganz genommen haben.

Erst 1993 wurden das Gebäude und auch der Güterschuppen daneben n die Denkmalliste aufgenommen. Was der Zustand des Schuppens kaum vermuten lässt. Er kommt eher wie eine Ruine daher, ist stark verfallen und als Güterschuppen nicht mehr zu erkennen.

Von Sandra Bels

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