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Ostprignitz-Ruppin Mitten durch die Straßengangs in Chicago
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mitten durch die Straßengangs in Chicago
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11:53 14.03.2018
Karen Wichert und Werner Wilkens am Ziel ihrer Träume: mit dem Fahrrad auf der legendären Route 66. Quelle: privat
Wittstock

Mitten durchs Gangster-Viertel in Chicago – und dann noch der Sattel kaputt. Ob das gut geht? Die Leute warnen sie: „Da dürft ihr nicht lang. Nehmt lieber den Zug“, erinnert sich Karen Wichert. Andere Radfahrer geben den Tipp: „Wenn ihr früh am Morgen durchfahrt, passiert euch nichts. Da schlafen die Gangster noch.“ Genau so kommt es auch. Ehemann Werner Wilkens radelt sogar im Stehen – notgedrungen. Eine Sattelschraube ist gebrochen, der Sitz steht nach oben. Beide legen sich mächtig in die Pedalen. Geschafft. Gott sei Dank.

Die Route 66 war das Ziel

Wie viele Kilometer hat ein Jahr? Die ehemalige Wittstockerin Karen Wichert (56) und ihr Mann Werner Wilkens (59) aus Wismar wissen es: Sie legen vom 15. Juli 2016 bis zum 14. Juli 2017 genau 16 775 Kilometer in

Karen Wichert und Werner Wilkens fuhren mit dem Fahrrad ein Jahr lang durch die USA, Kanada und Europa. Es wurden 16 775 Kilometer.

Fahrradsätteln zurück. Einmal die Route 66, jene weltbekannte Straße von Chicago (Illinois) nach Santa Monica (Kalifornien) in den USA. Das ist das Ziel. „Alles andere hat sich dann so ergeben“, sagt Karen Wichert. Am Ende wird es eine Tour durch Europa sowie Kanada und die USA. „Es gab knüppelharte Tage. Aber es hat sich gelohnt. Es war wunderschön. Wir haben tolle Menschen getroffen. Es ist echt ein Lebengefühl, so unterwegs zu sein. Man fühlt sich klein, aber frei“, schwärmt Karen Wichert.

Schwerer Fahrradunfall anderthalb Jahre vor dem Start

Dabei wäre die Reise ihres Lebens beinahe schon anderthalb Jahre vor ihrem Beginn zu Ende gewesen. Denn die leidenschaftliche Radfahrerin Karen Wichert stürzt schwer. Es geschieht Neujahr 2015 bei Boltenhagen. „Ich weiß gar nicht, wie es passiert ist“, sagt sie. Folge: Schulter gebrochen, Daumen verdreht, linke Augenhöhle kaputt. Doch da weiß sie schon: In anderthalb Jahren fahren wir los. Und dabei bleibt es. Sie kämpft – und schafft es. „In Schwerin setzten sie mir das Auge wieder ein. Ich verdanke es dem Fahrradhelm, dass ich heute kein Glasauge habe.“ Geblieben seien neurologische Störungen; das räumliche Sehen ist beeinträchtigt. „Nach sieben Wochen stieg ich das erste Mal wieder aufs Rad.“

Schon einmal half der unbändige Willen

Mit ihrem unbändigen Willen gelingt es ihr schon Jahre zuvor, sich selbst aus einer Lebenskrise zu holen. „2002 sagten mir die Ärzte, dass ich in zehn Jahren wohl im Rollstuhl sitzen würde - Arthrose. Ich konnte mit dem rechten Fuß nicht mehr auftreten. Um gehen zu können, brauchte ich sechs verschiedene Medikamente.“ Dann entdeckt sie das Radfahren für sich, unternimmt viele Marathon-Touren. 47 000 Kilometer hat sie bis 2014 abgespult. Damals besucht sie mal wieder ihre alte Heimat Wittstock – und träumt davon, die Route 66 mit dem Fahrrad zu bezwingen. „Ja, das wäre was.“

Zunächst bis nach Paris

Am 15. Juli 2016 geht es los. Ihr Mann – Berufsschullehrer im Sabbat Jahr – und sie selbst – wegen ihrer Unfallspätfolgen berentet – schwingen sich auf ihre Räder und fahren über die Niederlande bis nach Paris. Klingt heftig, aber für die versierten Zweiradler nur der Auftakt. Denn von dort fliegen sie nach Quebec in Kanada, wo sie Verwandte besuchen und wenig später in Richtung USA starten. In ihren Satteltaschen haben sie unter anderem ein stabiles Zelt, eine Pfanne, ein Brettchen, gute Matten, gute Schlafsäcke, Gaskocher, Kochtöpfe, einen Teller, Besteck sowie Ausrüstungsgegenstände wie vier Ersatzschläuche, Flickzeug, Kabelbinder, Speichen.

Am 9. September 2016 geht’s auf die Route 66

Nachdem sie das Banden-Viertel in Chicago überstanden haben, liegt sie am 9. September 2016 vor ihnen: die Route 66. Karten zur Orientierung bekommen sie von einem anderen Radler geschenkt. Überhaupt sind es die Begegnungen, die Karen Wichert bis heute imponieren. Drei Damen bieten ihnen noch bei Toronto in Kanada gleichzeitig ein Gästezimmer an. Glaubensbrüder in den USA erlauben ihnen „hinter der Kirche zu campen“.

Mit dem Colt auf dem Tisch

In den Diners „sitzen die Leute mit ihren Westernstiefeln und knallen den Gürtel mit dem Colt neben sich auf den Tisch. Wie im Fernsehen.“ Die Autofahrer sind sehr rücksichtsvoll. Geschlafen wird im Zelt auf Campingplätzen – oder irgendwo schwarz – oder in Hostels, niemals in Hotels. Das Essen ist fade. Rechnungen werden in bar bezahlt; Handys an Steckdosen geladen, die es außen an jedem Supermarkt oder in jedem Restaurant gibt. Als grandios empfinden sie die Landschaften, das sich unterwegs ändernde Klima.

27. November: Ankunft in Santa Monica

Die Route 66 ist eigentlich nur knapp 4000 Kilometer lang. Die beiden Radler machen daraus 4600, weil sie kleine Umwege fahren, mitunter auch, um Schlafplätze zu finden. Am 27. November ist es geschafft: Ankunft in Santa Monica. Ein Foto am Schild, das die Route 66 beendet – Pflichtprogramm. Von dort aus geht es in Richtung San Francisco. Doch bis dahin kommen sie nicht. Das Wetter ist zu schlecht – Regen, Hagel. Sie mieten einen Minibus, fahren ihn zwölf Tage lang, dann wieder zurück zum Ausgangspunkt, weil es billiger ist, als ihn anderswo zurückzugeben. Sie machen einen Abstecher nach Hollywood, gehen über den Walk of Fame.

Zurück nach Europa

Am 15. Februar 2017 fliegen sie nach Europa zurück – nach Lissabon in Portugal. Und wieder aufs Rad. Die Autofahrer sind rücksichtslos – das Gegenteil von Amerikanern. Dafür schmeckt das Essen. Viel Fisch. Weiter immer an der Küste entlang. Dann über die Pyrenäen und nach Frankreich. Im dortigen Mühlhausen hören sie zum ersten Mal nach zehn Monaten wieder einen deutschen Radiosender. Sie besuchen Freunde, „hangeln“ sich an Flussradwegen weiter nach Hause. Auf dem Marktplatz in Wismar kommen sie am 14. Juli 2017 an; genießen eine heimische Bratwurst und werden von der örtlichen Presse empfangen.

13 000 Fotos, zwölf platte Reifen

Die Rückschau in Zahlen: 250 Übernachtungen im Zelt; zwölf platte Reifen, drei Speichenbrüche, eine neue Pedale, aber keine Krankheiten, Verletzungen oder ernste Fahrradprobleme. Die längste Tagesfahrt geht über 132 Kilometer, sonst 50 bis 90 Kilometer. Es entstehen 13 000 Fotos. Kosten der Reise: 28 000 Euro. „Wir haben uns gefragt, ob wir uns ein neues Auto kaufen oder auf diese Tour gehen“, sagt Karen Wichert. Heute ist sie sich sicher: „Es war richtig so.“

Karen Wichert und Werner Wilkens möchten in Wittstock über ihre Radreise berichten. Darüber werde mit der Stadtbibliothek noch verhandelt. Mehr über die Reise unter www.diezweiunterwegs.de.

Von Björn Wagener

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