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Mit dem Pferd ins Gasthaus

Wernikow Mit dem Pferd ins Gasthaus

Seit 103 Jahren gibt es das Wernikower Gasthaus Göske. Gefeiert wurde regelmäßig heftig, getrunken viel, gegessen wenig. das änderte sich erst, als die heutige Wirtin Margitta Göske das Haus vor zwanzig Jahren von ihrem Vater übernahm.

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Margitta und Sandra (l.) Göske blättern in den Fotoalben, in die viele Geschichten aus dem Gasthaus dokumentieren.

Quelle: Claudia Bihler

Wernikow. Auf den runden Eichentisch, der im Gasthaus Göske in Wernikow als Stammtisch einlädt, ist Margitta Göske besonders stolz: „Was der schon alles gehört hat“, sagt sie, vollendet den Satz aber nicht und sagt stattdessen: „Draufgehauen wurde da auch schon des Öfteren.“

In dritter Generation ist Margitta Göske nun die Wirtin des Hauses. 103 Jahre gibt es die Gaststätte bereits im Dorf. Seit die heutige Wirtin das Gasthaus übernommen hat, gibt es auch eine Küche.

Das war vor 103 Jahren noch völlig anders. Das Haus stand schon, als Adolf Göske, Gründer des Hauses, nach Wernikow zog. Bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts hat er damit begonnen, den ehemaligen Schafstall zu einem großen Saal umzubauen. Als eine Art lokales Wettbüro hatte sich die Kneipe im Dorf bald etabliert: „Gewettet wurde ständig, mal ging es um das Gewicht einer Kuh, dann wieder um einen Ziegenbock“, weiß die Wirtin aus den Erzählungen ihrer Vorgänger zu berichten. Die Speisekarte beschränkte sich auf Bockwurst, Spiegelei und Brot. Bis in die 1970er Jahre ging das so.


Das Wernikower Gasthaus Göske heute

Das Wernikower Gasthaus Göske heute.

Quelle: Claudia Bihler

Getrunken wurde stattdessen viel – dementsprechend sei es auch öfter hoch her gegangen, so die Wirtin. So gab es einen Gast, der hat regelmäßig in die Lehne eines Stuhles gebissen, und diesen dann hochgehoben: „Den Stuhl gibt es leider nicht mehr, aber man konnte die Gebissabdrücke gut daran sehen“, sagt Sandra Göske, Tochter der Wirtin. So mancher Gast brachte sogar tierische Besucher mit in die Kneipe: „Wir hatten auch schon mal ein Pferd im Saal“, sagt Margitta Göske. Gefeiert wurde nicht nur zu Feierabenden, sondern auch zu den Festtagen: 1935 etwa wurde zum Silvesterball eingeladen. In den 1970er Jahren gab es regelmäßige Tanzveranstaltungen. Jeden Mittwoch kamen die Lehrlings-Frauen vom Wittstocker Obertrikotagenwerk in die Gaststätte.

Veranstaltungen organisieren die beiden Frauen in Wernikow auch weiterhin. „Wir haben einmal ein Wintervergnügen mit Schlitten und Traktoren veranstaltet. Alle fragen, wann wir das nächste Mal einladen“, sagt Sandra Göske: „Aber da muss ein schöner Wintertag sein, mit knackigem Frost bei minus 15 Grad und viel Sonnenschein, das macht ansonsten keinen Spaß.“ Eisbeinessen, aus dem die Gäste inzwischen mit Lederhosen und Dirndel eine Art Wernikower Oktoberfest gemacht haben, eine Halloweenparty, Weihnachtsfeiern oder auch „Dit und dat uf Platt“ – los ist eigentlich immer was in Wernikow.

Der Gasthof vor mehr als 100 Jahren

Der Gasthof vor mehr als 100 Jahren.

Quelle: Privat

1997 hat Margitta Göske dann ihre Küche eingerichtet, seither gibt es auch gediegene häusliche Kost im Wernikower Gasthaus. Beliebt ist der Mittagstisch, für den sie regelmäßig zwischen zwölf und 40 Essen kocht: „Als hier im Dorf gebaut wurde, war es so voll, dass in zwei Schichten gegessen werden musste.“ Reich werde sie nicht davon, sagt die Wirtin – das Mittagessen in der Gaststätte kostet gerade mal vier Euro. Es gab Phasen, da waren die Finanzen auch extrem knapp. Seit überall in den Nachbardörfern die Gaststätten geschlossen haben, läuft es wieder besser: „Die Leute wissen ja gar nicht mehr, wo sie ihre Familienfeiern sonst veranstalten sollen.“

Donnerstags ist Ruhetag. An den Wochenende sorgen die beiden Frauen als Caterer dafür, das private Festtafeln gut versorgt werden. Einige Jahre will die Wirtin auf jeden Fall noch arbeiten. „Damit muss man aufgewachsen sein“, meint sie. Ihr Vater jedenfalls hat noch mit 85 Jahren in Wernikow Bier gezapft.

Von Claudia Bihler

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