Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 1 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Mit dem Roboter in den Kyritzer Untergrund

Alltag eines Kanalreinigers Mit dem Roboter in den Kyritzer Untergrund

Serie „Mein Beruf“: Bastian Richter hat in Kyritz die Rohrreinigungsfirma seines Großvaters übernommen und macht verstopfte Abwasserkanäle wieder frei. Was er dabei findet und ob ihm die Arbeit manchmal stinkt, erklärt er im MAZ-Interview.

Voriger Artikel
Berühmte Söhne der Stadt kehren zurück
Nächster Artikel
Straßenreiniger bricht zusammen und stirbt

Bastian Richter musste schon in jungen Jahren die Firma seines zu früh gestorbenen Großvaters übernehmen.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Bastian Richter führt in Kyritz eine Rohrreinigungsfirma. Im Interview spricht er über Gestank, Ratten und seine größte Angst.

Beim Rohr- und Kanalreiniger denken viele als erstes an Schmutz und Gestank. Ist das tatsächlich so?

Nur bedingt, weil wir ja die meisten Verstopfungen von außen beheben, also der Geruchsquelle selbst auch nicht so nahe kommen. Daher ist es längst nicht so schlimm, wie manche vielleicht denken.

Geht es in ihrem Beruf tatsächlich nur um Rohre und Kanäle, die gereinigt werden müssen?

Darin liegt in der Tat die Kernkompetenz, doch im Gegensatz zu früher geht es nicht mehr nur darum, Verstopfungen zu beheben. Mit Hilfe modernster Technik spüren wir auch Schäden an den Leitungen auf, und da beschäftigen wir uns nicht nur mit den großen Kanälen unter der Straße, sondern auch mit den kleinen Rohren im Haus.

Geht der Rohrreiniger in Kyritz eigentlich auch selbst in den Untergrund der Stadt?

Das ist bei uns nicht möglich, weil die Kanäle in Kyritz dafür viel zu klein sind. Diese erkunden wir mit Kameras. In Baugruben und Schächte müssen wir aber schon immer wieder mal. Ganz ohne ist das aber auch nicht. Wir messen in diesen Fällen immer die Gaskonzentration, bevor jemand angegurtet dort runtergeschickt wird.

Was für Hilfsmittel und Gerätschaften stehen dem Rohrreiniger eigentlich zur Verfügung?

Natürlich haben wir die mechanischen Rohrfräsen, im Volksmund auch Spiralen genannt, zur Hand. Damit wird die klassische Verstopfung in der Toilette beseitigt. Wir haben aber auch Hochdruckspülfahrzeuge, sowie Spül- und Saugfahrzeuge, Kanalkameras und einen Roboter zur Erkundung von Kanälen. Erdbaumaschinen ergänzen das Ganze.

Was kann man da unten alles finden?

Manchmal bekommt man eine Ratte zu sehen. Die leben schließlich da unten. Das ist weltweit so. In aller erster Linie sind es aber wasserunlösliche Hygieneartikel, wie Damenbinden und Tampons. Die verursachen auch die meisten unserer Einsätze. Ein seltsamer Anblick ist es aber auch, wenn sich eine Baumwurzel im Kanal breitgemacht hat.Das sieht mitunter surrealistisch aus. Schätze haben wir bis jetzt noch nie da unten entdeckt. Verloren gegangene Ringe und Ketten verschwinden auf nimmer wiedersehen in den sandigen Ablagerungen und im trüben Abwasser. Kürzlich mussten wir einen toten Dachs aus dem Kanal ziehen und vor einem Jahr sogar ein Wildschweinkadaver. Das sind jedoch absolute Ausnahmen.

Wovor fürchtet sich der Chef einer Rohrreinigungsfirma am meisten?

Das Schlimmste wäre natürlich, wenn einem Mitarbeiter etwas passiert. Doch da treffen wir alle erdenklichen Vorkehrungen, wie Arbeitsschutz und Impfungen gegen Krankheiten, beispielsweise Hepatitis. Ganz ohne ist es aber auch nicht, wenn beim Einsatz eine unserer Kameras oder der Roboter steckenbleibt. Das kommt öfters mal vor. Wenn dann nur ein Vorgarten oder ein Gehweg aufzugraben ist, um die Gerätschaften rauszuholen, ist das noch halb so schlimm. Passiert so etwas stattdessen unter einer Bundesstraße, kann das schnell den finanziellen Ruin für die Firma bedeuten.

Machen Sie ihre Arbeit gern, und wie kamen Sie überhaupt dazu?

Eigentlich wollte ich Lehrer werden, doch mitten im Studium merkte ich, dass ich andere Interessen habe. So machte ich dann erst einmal eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Doch dann trat mein Großvater Wilfried Flöter an mich heran und bat mich seine Rohrreinigungsfirma weiterzuführen. Noch bevor ich richtig eingearbeitet war, starb er. Das jetzt acht Jahre her. Es war eine harte Zeit damals, doch auf die Firmenmitarbeiter, Stammkunden meines Großvaters und einige gute Freunde konnte ich mich zum Glück verlassen. Sie alle ließen mich nicht im Stich. Mit der Zeit arbeitete ich mich gut ein und wuchs mit meinen Aufgaben.

Inzwischen habe ich noch eine Zaun- und Tiefbaufirma gegründet. Dafür habe ich nochmals die Schulbank gedrückt und bin nun auch Straßen- und Tiefbaumeister. Mit dem Angebotsspektrum beider Firmen können wir alles abdecken, was an Arbeiten rund um Kanäle und Rohre so anfällt. Meine Berufsentscheidung habe ich jedenfalls nie bereut. Ich liebe das Kaufmännische und den Kontakt zu Kunden. Dazu gehört auch, als Chef gern die Verantwortung für alle seine Mitarbeiter zu übernehmen.

Von André Reichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg