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Mit dem Trecker von Ruppin bis in die Alpen

Oldtimer-Freunde bezwangen den Großglockner Mit dem Trecker von Ruppin bis in die Alpen

Neun Traktorfahrer aus dem Ruppiner Land scheuten die lange Reise nicht und folgten dem Ruf des Berges. Sie nahmen am Großglockner, dem höchsten Gipfel Österreichs, an der 8. Internationalen Oldtimer-Traktoren-Olympiade teil – und kehrten mit einer Siegerurkunde zurück.

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Gipfelstürmer: Hans Töpfer aus Seebeck bei Lindow auf seinem Deutz mit der Siegerurkunde.

Quelle: Regine Buddeke

Seebeck. Dass es kein Zuckerschlecken wird, das war für Hans Töpfer, Peter Herzog und die anderen Mitreisenden schon vorher klar. Der Großglockner ist alles andere als ein Hügelchen. „Eine Herausforderung für Mensch und Maschine“ nennen es die Veranstalter der 8. Großglockner Olympiade für Oldtimer-Traktoren. Die Strecke ist zwar nur 14 Kilometer lang, mit 92 Kurven und 14 Kehren aber auch nicht einfach zu fahren – bis zum Ziel auf dem 2428 Meter hohen Fuscher Törl sind immerhin 1600 Höhenmeter zu überwinden.

Für die Ruppiner Teilnehmer war das indes eine Motivationsspritze – und zwar nicht zum ersten Mal. Schon vor zwei Jahren fuhren etliche Oldtimer aus Rüthnick, Seebeck und Binenwalde zur Oldtimer-WM auf den Berg. In diesem Juni waren es insgesamt neun Schätzchen – Eicher, Deutz, Hürliman und Güldner, allesamt hochbetagt – die den langen Ritt bis nach Kaprun nicht scheuten. Mit dabei natürlich auch die Lebenspartner der Treckerpiloten. „Wir Oldies haben einen Zwischenschlaf in Franken eingelegt“, berichtet Hans Töpfer vom Verein „Freunde alter Landtechnik und Traktoren“ (Falut). Immerhin betrage die Fahrzeit für die 900 Kilometer einen ganzen Tag. „Natürlich war der Trecker auf dem Hänger“, sagt der Mann aus Seebeck bei Lindow. „Sonst wären wir nicht pünktlich angekommen.“

Alteisen-Karawane

Alteisen-Karawane: Die Teilnehmer der Oldtimer-Olympiade kommen aus diversen Ländern Europas, um den höchsten Gipfel Österreichs zu erklimmen.

Quelle: privat

Der Verein hat sich für die große Tour mit den „Ruppiner Schlepperfreunden“ zusammengetan – man kennt sich und die Maschinen ohnehin von diversen Traktortreffen in der Region. Etwa Andreas Hackers Zettelmeyer oder Peter Herzogs 75 Jahre alter Güldner, der bereits bei der Trecker-WM 2013 alpine Höhenluft geschnuppert hat – 480 Teilnehmer aus etlichen Nationen waren damals am Start. Zur Olympiade kamen nun 50 Maschinen – der Güldner des Falut-Chefs war mit Abstand der älteste im Feld – deutlich älter auch als sein Besitzer. Doch nicht nur die Trecker sind Oldtimer, auch mancher Fahrer ist längst im Veteranenalter. Ebenfalls stolze 75 Lenze zählt Falut-Mitglied Karl-Heinz Hölscher. Der Trecker-Fan ließ es sich nicht nehmen, die Herausforderung des Berges anzunehmen. Auch er schaffte den Parcours aus steilen Anstiegen, scharfen Kehren und Haarnadelkurven – und das zum Teil in Nebel und Schnee – souverän. Den Schnee gab es allerdings nicht auf dem Großglockner, sondern am Tag vorher bei der Aufwärmfahrt auf den Maiskogl. „Eigentlich sollte es schon am Dienstag auf den Großglockner gehen“, erinnert sich Hans Töpfer. Der war aber wegen Schneetreibens gesperrt. Stattdessen diente der Maiskogl als Trainingsparcours. „Der war letztlich schwieriger und steiler“, so der Seebecker. Es sei eine regelrechte Materialschlacht gewesen, mit Schlamm und Buckelpisten. „Wir haben am Ende ausgesehen wie die Säue.“

Peter Herzog beim Höhenritt auf seinem Oldtimer

Peter Herzog beim Höhenritt auf seinem Oldtimer.

Quelle: privat

Überhaupt hatte der Veranstalter ein straffes Paket für die Olympioniken geschnürt – der Spaß kam in keiner Minute zu kurz. „Der Mann hat im Keller seines Hotels ein Technik-Museum, da kommt man gar nicht mehr raus“, schwärmt Hans Töpfer von den Lokomotiven, Traktoren und nostalgischen Automobilen wie den Rolls Royce, Jaguar oder gar einem Messerschmidt-Auto mit Flügeln.

Am Tag der Tage ging es dann ums Ganze. Natürlich nicht von null auf hundert. Auch Raser waren nicht gefragt. Jeder Traktor durfte „sein“ Tempo fahren, etwa 15 bis 20 Stundenkilometer – musste es indes auch zu jeder Zeit konstant halten: von der Messuhr am Start bis ganz oben. „Ich habe den dritten Gang eingelegt, den Fuß aufs Gas gestellt und nicht ein einziges Mal wieder runtergenommen“, erinnert sich Töpfer an den steilen Aufstieg. „Mein Deutz ist ein Schnellläufer – ich habe unterwegs alle aus dem Team überholt.“ Scheinbar jedoch mit sehr konstanter Geschwindigkeit: immerhin holte der Seebecker in seiner Gruppe – drei insgesamt gab es – den Sieg. „Ich musste dann gleich oben einen ausgeben“, sagt er und ist sichtlich stolz. „Olympiasieger sind wir ja alle“, freut er sich für alle Kollegen, die den Aufstieg geschafft haben. Pannen habe es keine gegeben. „Nur vor dem Runterfahren habe ich immer Bammel.“

Ob er noch einmal auf den Großglockner tuckert? Da ist sich Hans Töpfer nicht ganz sicher. „Wenn, dann nur mit einem 3-Zylinder-Deutz“, sagt er. Immerhin sei er 2013 mit einem Einzylinder gefahren und in diesem Jahr mit einem Zweizylinder. Ein Deutz muss es sowieso sein – darauf fährt der Seebecker im wahrsten Sinne des Wortes ab. „Ich habe aber schon einen im Auge“, verrät er lächelnd. Dann kann der Berg ja wieder rufen.

Von Regine Buddeke

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