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Mit dem Wolf in den Bundestag

Damelack Mit dem Wolf in den Bundestag

Mario Borchert aus Damelack setzt als einer von fünf brandenburgweit unabhängigen Kandidaten zur Bundestagswahl 2017 auf nur ein Schwerpunktthema. Es ist die Wolfsregulierung.

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Mario Borchert wuchs in Damelack auf und lebt dort auch heute noch in seinem Elternhaus. Er ist erst seit etwa fünf Jahren Jäger und seit 2014 Breddiner Gemeindevertreter.

Quelle: Matthias Anke

Damelack. Er ist der einsame Wolf vom Revier 56, umringt von einem Rudel Berufspolitiker. Ihnen stellt er sich aber genüsslich. Solche Floskel drängt sich geradezu auf bei Mario Borchert aus Damelack. Der 46-Jährige aus dem Breddiner Dorf ist im Bundestagswahlkreis 56 der einzige unabhängige Direktkandidat. In ganz Brandenburg ist er einer von fünf Kandidaten ohne Parteibuch. Zudem setzt er auf ein Thema, von dem er behauptet, dass es alle anderen gerne vermeiden: die Regulierung des zurückgekehrten Wolfes.

Perspektivisch sei es nur ein Thema von vielen, mit dem er sich beweisen könne: „Ich bin in der Lage, mich in kürzester Zeit in jedes Thema einzuarbeiten“, sagt Borchert mit Blick auf die Politik, in der aus einer Familien- eine Verteidigungsministerin wird. Und: In den Wahlunterlagen trägt sein Name den Zusatz „für praktische Vernunft“. Wer sich mit Philosophie beschäftigt, mit der Epoche der Aufklärung des 18. Jahrhunderts und mit Immanuel Kant, kennt dessen populäre Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun?“

Beim Thema Wolf vollzieht Mario Borchert das exemplarisch: Es gebe absehbar nicht nur ein Problem, sondern etliche. Doch aufgrund der Verflechtungen von Politik und Interessengemeinschaften drehe sich die Debatte im Kreis. „Alle machen was, kommen aber nicht zusammen. Und wirklich praktisch unternimmt keiner etwas, obwohl es die Möglichkeit gibt, in den Wolfsbestand regulierend einzugreifen.“ Zumindest die Regulierung schon jetzt zu planen, müsse möglich sein.

Kleiner Wahlkampf ganz auf eigene Kosten

Weil er aber Jäger ist, ließe sich auch ihm Lobbyismus vorwerfen. „Nein, ich spreche nicht als Jäger“, betont Borchert, der in Damelack aufwuchs, in einer Region, „in der es in jedem Dorf mittlerweile jemanden gibt, dem schon mal ein Wolf begegnete“. Dabei gehe es ihm, der auch kein Landwirt ist, sondern in einer Beratungsfirma arbeitet, dennoch um die Bauern – und ein finanzierbares Miteinander mit dem Wolf. Die Idee, damit zu kandidieren, sei „lange gereift. Der Entschluss stand erst kurz vor der Abgabefrist für die Unterschriftenlisten fest“.

Auf eigene Kosten startete Borchert kurzerhand seinen kleinen Wahlkampf. Entstanden sind Flyer, die zwei vom ihm organisierte Podiumsveranstaltungen zum Thema Wolf bewerben und auf denen auch die Kontrahenten nicht fehlen. Speziell drei davon sind über ihre Landeslisten abgesichert und ziehen angesichts bisheriger Umfragewerte auf jeden Fall in den Bundestag ein, benötigen also nicht eine Erststimme, heißt es da. Borchert meint Dagmar Ziegler (SPD) mit Landeslistenplatz 1, Kisten Tackmann (Linke) mit Landeslistenplatz 1 und Sebastian Steineke (CDU), Listenplatz 7.

Zur Person

Mario Borchert (46) ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Ein drittes begibt sich derzeit auf den Weg in diese Welt.

Sein Erstberuf war Werkzeugmacher. Er arbeitet seit langem jedoch bei einer Beratungsfirma für Risiko- und Krisenmanagement.

Der Damelacker ist kein Mitglied einer Partei und sei noch nie eines gewesen. Für die Wählergruppe Freiwillige Feuerwehr stellte er sich 2014 zur Kommunalwahl auf und gehört seither, ebenso wie seine Frau, der Breddiner Gemeindevertretung an.

Und es entstand eine Homepage, auf der sich Borchert mit seinem Ziel vorstellt. Alles in allem ist es das: „Der Bundestag möge beschließen, dass die Tierart Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen wird und als jagdbare Wildart dem Jagdrecht unterliegt.“ Und er fordert „ein Gutachten zum günstigen Erhaltungszustand der Wildart Wolf, welches die Wolfsbestände der Bundesländer populationsübergreifend wildbiologisch beurteilt“. Zum Nebeneinander von Wolf und Landwirtschaft heißt es: „Aktives Wolfsmanagement muss bestandserhaltend orientiert sein und dem Schutz der Nutztierbestände vor dem Großraubtier Rechnung tragen.“

Borchert bezeichnet sich als „heimatverwurzelt im märkischen Sand, ehrenamtlich, als dem Gemeinwohl dienender Ureinwohner einer aktiven und geachteten Dorfgemeinschaft, als Bürger und hilfsbereiter Nachbar“. Auch sein Engagement im Dorf-, Reit- und Fahrverein schwingt da mit.

Der Wolf als Diskussionsthema, die AfD als Populisten

Zu seinem ersten Wolfs-Forum lud Borchert kürzlich nach Stölln ein. Neben dem BUND-Landesgeschäftsführer und FDP-Landesvorsitzenden kam gar der Grünen-Kandidat. CDU, Linke und SPD sagten ab. „Weil sie sich nicht positionieren wollen“, ist sich Borchert sicher. Die AfD habe er gar nicht erst angeschrieben. „Das sind Populisten.“

Der nächste Termin ist kommenden Sonnabend. Titel des 11 Uhr im Pritzwalker Hainholz beginnenden Podiums: „Aktives Wolfsmanagement – Wie geht’s rechtlich?“ Auch Bürger sollen sich dort einbringen, Bürger, um deren Stimmen Borchert wirbt. Dass es seit 1949 niemand schaffte, als Einzelbewerber in den Bundestag zu ziehen, stört ihn dabei nicht. Er sei ein Realist, den eine möglichst hohe Stimmenanzahl zum Weitermachen motiviere. Eine Idee, wie er sein Wolfs-Thema über die Wahl hinaustragen kann, hat er. Es ist eine Online-Petition. Bis dahin aber steht erst mal der Wahltag an, an dem der Neu-Politiker Revier 56 eben nicht allein den Landeslisten-Platzhirschen überlassen will.

Von Matthias Anke

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