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Mit der Historie tief verwurzelt

Freyenstein Mit der Historie tief verwurzelt

Erhart Graefe aus Münster ist der Nachfahre eines der ältesten namentlich erwähnten Freyensteiner – Matthes Graefe. Vor Kurzem stattete der promovierte Ägyptologe aus Münster der früheren Wirkungsstätte seiner Verwandten einen Besuch ab.

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Der Archäologische Park in Freyenstein zieht immer mehr Besucher an und begeistert auch Erhart Graefe.

Quelle: Claudia Bihler

Freyenstein. Erhart Graefe aus Münster besuchte vor einigen Tagen Freyenstein – ein wahrhaft historischer Moment. Denn wohl niemand ist so tief mit der Historie des Wittstocker Ortsteils verwurzelt wie er.

Der Name taucht 1420 erstmals auf

Der promovierte Ägyptologe ist der Nachfahre der ältesten namentlich erwähnten Freyensteiner, womöglich sogar des Ersterwähnten – Kuno Graefe. Dieser Name taucht 1420 erstmals auf. Zuvor war immer nur von „den Freyensteinern“ die Rede gewesen. Dass sich die Verwandtschaft Erhart Graefes bis auf jenen Kuno zurückverfolgen lässt, kann der 73-Jährige zwar nicht sicher belegen, weil im Dreißigjährigen Krieg ab 1618 mögliche Nachweise und Aufzeichnungen abhanden kamen. „Darüber kommt man nicht hinaus“, sagt Erhart Graefe. Dennoch ist für ihn die Verwandtschaft mit Kuno Graefe „höchstwahrscheinlich“.

Sicherheit besteht hingegen, wenn es um Matthes Graefe geht, der im 17. Jahrhundert in Freyenstein lebte und sogar Bürgermeister gewesen sei.

Ein aufsässiges Örtchen

Freyenstein sei ein „aufsässiges“ Örtchen gewesen, erzählt Erhart Graefe. Ein gewisser David Graefe, der etwa 20 Jahre jünger als Matthes war, sei nach einem „Krach mit dem Gutsbesitzer“ sogar 1701 verhaftet und in Spandau eingekerkert worden. Erst 1717 sei er bei einer Amnestie wieder freigekommen.

Aus Bauern werden Pfarrer

Die Graefes, so Erhart Graefe, seien zunächst bis zum 18. Jahrhundert Bauern gewesen, bevor sie eine Pfarrer-Dynastie begründeten. Der Wissenschaftler berichtet von vier Generationen in Folge, in denen seine Vorfahren diese Tätigkeit ausübten, jedoch hießen sie damals meist Prediger.

All das hat Erhart Graefe anhand von Stammbäumen sowie eines Familenwappens, auf dessen Rückseite die wichtigsten Pfarrer verzeichnet sind, und der Aufzeichnungen in Hermann Silckenstaedts Buch „Aus Freyensteins vergangenen Tagen“ von 1920 herausgefunden. 2009 wurde das Werk neu aufgelegt. Es ist im Schloss erhältlich.

Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit

Vor einigen Tagen begab sich der Münsteraner auf die Spuren seiner Vorfahren und besuchte neben Freyenstein auch Rutenberg bei Lychen (Landkreis Uckermark), Zühlen bei Rheinsberg und Gransee (Landkreis Oberhavel), wo die Vorfahren seiner Familie Spuren hinterließen.

Der Besuch in Freyenstein war eine Premiere für Erhart Graefe. Er kam dort mit Christine Neumann ins Gespräch, die den Archäologischen Park betreut. Auch den schaute sich der Gast näher an und befand ihn für „hervorragend“ gelungen.

Seit 1970 immer wieder mit Ausgrabungen beschäftigt

Erhart Graefe kann das beurteilen, denn als Ägyptologe ist ihm der Umgang mit der Historie vertraut, wenn auch in anderer Hinsicht. Seit 1970 sei er immer wieder mit Ausgrabungen beschäftigt.

Bei seinem aktuellen Projekt gehe es um ein Grab in Ägypten aus dem 8. Jahrhundert, dessen Decke zwischen 1976 und 1981 eingestürzt ist. Damit gingen unter anderem auch Hieroglyphen und Textpassagen an den Pfeilern zu Bruch. „Die Fragmente wieder zusammenzusetzen, macht viel Arbeit“, sagt Graefe.

Von Björn Wagener

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