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Mittelalterliche Brunnen und Fundamente entdeckt

Wittstock Mittelalterliche Brunnen und Fundamente entdeckt

21 barrierefreie Wohnungen entstehen in der ehemaligen Wittstocker Tuchfabrik. Der denkmalgeschützte Industriebau wurde aufwändig saniert und wärmegedämmt. Alle Wohnungen sind bereits für Interessenten vorgemerkt. Bei Arbeiten am Hof machten Archäologen unterdessen erstaunliche Funde.

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Bei Bodenuntersuchungen im Hof entdeckten die Archäologen alte Fundamente und Gräber aus dem 13. Jahrhundert.

Quelle: FOTOS (3): Gerd-Peter Diederich

Wittstock. Die Archäologen aus Ziesar kommen nicht los von Wittstock. Seit 15 Jahren gehören sie schon zum Stadtbild, wenn in der Altstadt abgerissen und neu aufgebaut oder restauriert wird. Jetzt schaben und kratzen der Grabungsleiter Lars Wendler und der Archäologe Volker Abrolat auf dem Hof der ehemaligen Wegner’schen Tuchfabrik in der Heiligegeiststraße/Am Rosenwinkel in der Altstadt von Wittstock in der Erde. Dort stand früher mal das Maschinenhaus der Tuchfabrik mit der Dampfmaschine.

Bei Bodenuntersuchungen waren dort unter anderem alte Fundamentreste gefunden worden. Deshalb wurde die obere Erdschicht abgetragen und die Archäologen konnten sofort vor Freude in die Hände klatschen: „Frühe Brunnen, die ursprünglichen Fundamente der großen Tuchfabrik-Dampfmaschine und den dazu erforderlichen gemauerten Graben für die Transmissionsantriebe bis in die Tuchfabrik haben wir sofort erkannt. Auch Bestattungsplätze vom ehemaligen Hospiz aus dem 13. Jahrhundert haben wir wieder gefunden, wie schon auf dem Hof vom benachbarten Fabrikteil, in dem jetzt die Stadtbibliothek untergebracht ist“, sagt der Grabungsleiter Lars Wendler. Zwar wurde nichts Sensationelles entdeckt, doch Keramikscherben aus dem Frühmittelalter gehören schon zu den kniffligen Bestimmungsobjekten von dieser Grabung. Eher witzig fanden es die beiden Archäologen hingegen, auf einem freigelegten Fundamentsockel von der Dampfmaschine neben den Fundamentbolzen sogar noch einen alten Schraubenschlüssel zu finden. Auch Kupferdichtungen von dem Dampfungetüm haben sie entdeckt. Das ist nun alles dokumentiert, und die sogenannten Bodenstörungen können beseitigt werden, um die Hoffläche wie geplant zu befestigen und befahrbar zu machen. Diese Fläche gehört dann zur alten Tuchfabrik, in der nach der gelungenen Fassadensanierung und dem Einbau der Fenster nun mit Hochdruck der Innenausbau forciert wird.

Dort in dem Bau war, so ist es inzwischen durchgesickert, bei Entkernungsarbeiten in altem Wandputz eine wasserdicht verpackte und deshalb sehr gut erhaltene Familienbibel gefunden worden. Die letzte Eintragung darin soll aus dem Jahr 1963 stammen. Wem sie gehörte, das kann nur durch einen Blick in diese Bibel festgestellt werden, wenn sie an Fachleute übergeben wird. Für die Archäologen sind solche Funde zwar sehenswert, aber sie passen nicht in ihre Aufgabe. „Das ist ein Fall für Museologen“, sagt Volker Abrolat.

Das denkmalgeschütze Industriebauensemble aus dem 19. Jahrhundert wird mit 21 Wohnungen ausgebaut. Im Frühjahr werden diese laut dem Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft GWV, Hans-Jörg Löther, bezugsfertig sein. Dafür haben der GWV-Aufsichtsrat und der Geschäftsführer eine Neuigkeit für Heizung und Lüftung einzubauen, die es in dieser Kombination in Wittstock noch nicht gibt: Da die Bauhülle im Originalzustand erhalten werden muss, kam nur eine Innenwand-Wärmedämmung infrage, um die Betriebskosten für die künftigen Mieter in den Griff zu bekommen. Deshalb wurde ein neues Dämmmaterial eingebaut, das auch Wärme speichern kann. Die Raumwärme wird durch Warmluft bereit gestellt und es gibt eine aufwendige Wärmerückgewinnung bei der Frischluftzufuhr in die Räume.

Die Wohnungszuschnitte sind sehr unterschiedlich. Inzwischen werden Zimmer gestrichen und Bäder gefliest. Das Interesse an den Wohnungen ist groß. Vor allem Familien zieht es in die Altstadt von Wittstock. Mittlerweile sind alle Wohnungen vorgemerkt bis zum mit Spannung erwarteten Besichtigungstermin, und es gibt eine Nachrückerliste, falls ein Interessent abspringt. Dieses Rekonstruktionsvorhaben ist eines der anspruchsvollsten, das die GWV als Bauherr bisher als Modellvorhaben in Auftrag gegeben hat. In der vorigen Woche war das letzte Gerüstteil abgebaut worden. Bis dahin hatten Planen die gesamte Fassade verborgen. Sofort macht die Gasse Am Rosenwinkel einen viel helleren Eindruck. Darüber freuen sich die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung in der Heiligegeiststraße, die direkt auf das Ensemble blicken.

Alle Etagen in der ehemaligen Wegner’schen Tuchfabrik werden mit einem Fahrstuhl erreichbar sein. Die meisten der insgesamt 21 Wohnungen sind barrierefrei. Dazu gehören auch zwei Maisonnettewohnungen. Knapp die Hälfte aller Wohnungen bekommt zusätzlich Balkons und im Erdgeschoss Terrassen. Wegen der innovativen Hauswärmeversorgung und neuartiger Innen-Wärmedämmung fördert das Bundesumweltministerium den teuren Umbau. Bis in die 1990er Jahre war das Gebäudeensemble als Vielfamilienhaus ohne Instandhaltungsaufwand abgenutzt worden und am Ende unbewohnbar geworden.

Das Entkernen in allen Geschossen hat unvorhersehbaren Sanierungs-Mehraufwand zutage gefördert und die Anpassung der neuartigen und bisher wenig erprobten energetischen Modernisierungsmaßnahmen hat den Bau zusätzlich verzögert. Ursprünglich war die bezugsfertige Übergabe der Wohnungen zum Herbst 2016 geplant.

Von Gerd-Peter Diederich

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