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Ostprignitz-Ruppin Möhring – der vergessene Alt Ruppiner
Lokales Ostprignitz-Ruppin Möhring – der vergessene Alt Ruppiner
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00:26 07.01.2016
Die Bronzebüste für Ferdinand Möhring in Alt Ruppin. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

All die großen Namen der Dichter, Denker und Musiker, die in Neuruppin durch die Luft schwirren, haben ihn in den Schatten gestellt. Eine Gedenktafel vor seinem Geburtshaus in Alt Ruppin erinnert noch an ihn, ebenso wie eine stattliche Bronzebüste vor der Nikolaikirche. Auch die Sänger des Alt Ruppiner Männerchores sind eng mit ihm verbunden. Die Rede ist von dem Komponisten und Lieddichter Ferdinand Möhring. Ihm zu Ehren wird es am 16. Januar ein szenisches Konzert in der Pfarrkirche geben. Dafür waren viele Helfer und mehr als ein Jahr Organisation nötig.

Angeschoben wurde das Ganze von der Filmemacherin Uta Greschner, bekannt aus der RBB-Sendung „Theodor“. Sie zog los, um herauszufinden, wer Möhring war und wo er überall Spuren hinterlassen hat. Eine unermüdliche Mitstreiterin hat Greschner in Alt Ruppins Ortsvorsteherin Heidemarie Ahlers (SPD) gefunden, die das Konzert mitinitiiert hat. „Zum Jahresende blättere ich immer meine Bücher durch und habe entdeckt, dass Möhring in diesem Jahr seinen 200. Todestag hat“, erzählt Ahlers. Bekannt war ihr der Komponist natürlich schon vorher, immerhin wurde er in Alt Ruppin geboren. Immer wieder habe es Kranzniederlegungen vor seinem Geburtshaus gegeben, aber keine festen Termine. Umso schöner fand Ahlers die Idee, Möhring mit einem Konzert zurück ins Gedächtnis der Menschen zu holen.

Der Möhringchor aus Alt Ruppin ist beim szenischen Konzert natürlich mit von der Partie. Quelle: Veranstalter

Unter den Chören, die für das Konzert ausschließlich Möhring-Lieder einstudiert haben, sind der Möhringchor Alt Ruppin, der Neuruppiner A-cappella-Chor und der Märkische Jugendchor des hiesigen Schinkelgymnasiums. Armin Jungbluth, Leiter des Möhringchors, berichtet, dass Uta Greschner bei ihren Recherchen bisher völlig unbekannte Kompositionen entdeckt hat. „Eine davon haben wir neu einstudiert, drei Titel singen wir insgesamt“, sagt er und gibt zu, dass er sich für dieses Konzert das erste Mal richtig intensiv mit dem Namensgeber des Chores beschäftigt hat. „Für meinen Chor ist es schwierig, neue Lieder einzustudieren, weil viele nicht so ein großes musikalisches Vorwissen mitbringen“, erzählt Jungbluth.

Noch immer dauern die Proben an, damit am großen Tag jeder Ton sitzt. „Es wird ein sehr abwechslungsreiches Programm“, so der Chorleiter. Allein wegen der Kulisse in der Pfarrkirche. „Es wäre schön, wenn wir das Programm vielleicht auch noch woanders spielen und Möhring so aus Neuruppin raustragen könnten.“

Den Besuchern soll beim Konzert ein vielschichtiges Klangbild des von der Romantik geprägten Künstlers geboten werden. Zwischen den Liedern werden mit einem Beamer Fotos und Texte an die Wand geworfen, die Greschner während der Recherche in Saarbrücken und Wiesbaden, wo der Künstler 1887 starb, aufgetan hat. Sie sollen Einblicke in das Leben und Schaffen Möhrings geben.

Ulrike Liedtke Quelle: Andreas Vogel

Große Unterstützung haben die Organisatoren auch in der Vizepräsidentin des Deutschen Musikrates und kulturpolitischen Sprecherin der SPD im Landtag, Ulrike Liedtke, gefunden. „Ich wusste, dass Ferdinand Möhring Männerchorleiter und Komponist war, aber ich kannte seine Musik nicht“, sagt Liedtke. Die charakterisiert die langjährige Direktorin der Musikakademie Rheinsberg als „romantische Chormusik im besten Sinne.“ Die Musikwissenschaftlerin räumt ein, dass Möhrings Werke zu seinen Lebzeiten viel gesungen und gespielt wurden. Aber: „Musik gerät in Vergessenheit, wenn sie nicht gespielt wird.“ Für einen besonderen Höhepunkt soll der junge Bariton Tobias Berndt sorgen, der in den vergangenen Monaten unter anderem in Göteborg, Dresden und Moskau gastierte. Er wird zwei Lieder aus Ferdinand Möhrings Zeit in Saarbrücken vorstellen, darunter ein Loblied auf das deutsch-französische Grenzgebiet, die „Goldene Bremm“ – ein Lied von Toleranz, eher lyrisch als patriotisch oder nationalistisch, wie manche von seinen späteren Stücken.

Dass so viel Aufwand auch viel Geld kostet, hat Heidemarie Ahlers am eigenen Leib erfahren. Die nötigen Sponsoren aufzutreiben, war schwer: „Es war ein mühsames Ansinnen, ich habe viele Absagen von Betrieben bekommen“, sagt sie. Am meisten ärgert sie sich darüber, dass die Stadt den Organisatoren finanziell wenig entgegengekommen ist. „Die 2300 Euro aus dem Kulturtopf habe ich nur bekommen, weil ich Druck gemacht habe“, so Ahlers. Vom Kreis sei kein einziger Taler geflossen, dafür von anderen Sponsoren wie der Sparkasse, der Stiftung „Soziales Neuruppin“, der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft, dem Ortsbeirat Alt Ruppin und der Awu Neuruppin. Allein für die Künstler wurden 17 000 Euro fällig. Hinzu kommen die Miete für die Pfarrkirche und die Kosten für die Technik. Beim Austeilen der Flugblätter wurde gespart, denn das hat die Ortsvorsteherin persönlich übernommen.

Hinweis: Am 18. Januar, dem Todestag von Ferdinand Möhring, wird um 11 Uhr eine Feierstunde mit dem Möhringchor am Denkmal in Alt Ruppin stattfinden. Anschließend hält Martin Löser von der Uni Greifswald eine Festrede im Restaurant „Am Alten Rhin“.

Von Luise Fröhlich

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