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Moskauer Bajan-Virtuosen in Köpernitz

Ein Hoch auf die russische Seele Moskauer Bajan-Virtuosen in Köpernitz

Ein Bajan war ursprünglich ein Geschichten-Sänger. Heute kennt man das Bajan als russisches Tasteninstrument. Was das Bandoneon für den Tango oder die Quetsche für die Alpenjodler ist, das ist das Bajan für die russische Seele. Wladimir Bonakow hat in den Siebzigern eine Bajan-Schule eröffnet. Mit seinem Meisterschüler Iwan Sokolow verzückte er die Gäste in Köpernitz.

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Wladimir Bonakow beim Gastspiel im Kulturgutshaus.

Quelle: Regine Buddeke

Köpernitz. Drei Überraschungen haben Wladimir Bonakow und Iwan Sokolow im Gepäck – neben all den anderen Liedern, die man indes auch als überraschend bezeichnen kann. Die erste ist ein „Concertino für Bajan und Kammerorchester“. Das Kammerorchester ist in diesem speziellen Fall ein Ein-Mann-Orchester: Wladimir Bonakow setzt sich ans Piano. Heiter perlend spielt es seine feine Begleitung, in feurigem Überschwang macht das Bajan ein Duett daraus. Mal klingt es bayerisch, mal slawisch, mal blitzt der Tango durch. Kein Wunder bei dem In­strument. Ein Bajan ist eine vor allem in Russland beheimatete Knopfharmonika, der Begriff Bajan bezeichnete lange davor schon einen Dichtersänger oder Barden, wie man hierzulande sagt. Und genau das tun die beiden Moskauer: Geschichten erzählen.

80 Gäste sind am Sonntag ins Köpernitzer Kulturgutshaus gekommen, um den beiden zu lauschen. Eine Erfolgsgeschichte, immerhin ist es der siebente Auftritt dort. Gebannt lauschen sie dem Überraschungs-Concertino, bei dem sowohl Pianist als auch Bajanspieler in manchen Passagen nachgerade „staccatissimo“ spielen, kaum kann man die fliegenden Finger auf den Tasten erkennen, bis der Taumel abebbt und brausendes Marussja-ras-dwa-tri-Flair die russische Seele erst jubeln lässt, dann weinen. Russische Musik ist immer ein Wechselbad der Gefühle – aus allen Tasten quillt Leidenschaft. Dafür gibt es Bravorufe.

Überraschung Nummer zwei folgt stehenden Fußes. Im legendären „Fantasie-Impromptu Nr. 2“ von Frederik Chopin offenbart sich, dass Bonakow einer der berühmtesten Konzertpianisten Russlands geworden wäre, hätte er nicht in den Siebzigern seinen Traum gelebt und eine akademische Bajan-Schule eröffnet. Dem „Verdienten Künstler Russlands“ ist es zu danken, dass das Bajan zum anerkannten Konzertinstrument wurde, er sorgte dafür, dass die klassische Literatur dafür umgeschrieben wurde. Seine Chopin-Interpretation funkelt in hundert Facetten wie ein Edelstein.

Iwan Sokolow am Bajan

Iwan Sokolow am Bajan.

Quelle: Regine Buddeke

Weiter geht es mit Auszügen aus einer Glinka-Oper, einer Improvisation des berühmten Volkslieds „Moskauer Nächte“, einem Walzer von Aram Chatschaturian. Wer braucht schon ein Orchester, wenn er zwei Bajane hat? Die Antwort geben die beiden Ausnahmemusiker mit jedem neuen Lied. Der „Herrliche Baikal“ klingt erst spinnenwebzart, ruhig das Wasser wie in der Morgendämmerung, bevor er stürmisch-aufgewühlt dem Orkan sich beugt, und später in majestätischer Pscht seine Schönheit zu Füßen der Zuhörer legt. Geschichtenlieder, wie gesagt. Ein überschwänglicher Walzer in straußseligem Dreivierteltakt, mit Geigenrauschen und verrückten Alpenjodlern – immer wieder ist das Publikum verzückt. Jede neue Ansage lässt „Oh“ und „Ah“ ertönen, bei „Stenka Rasin“ summt der Saal wie ein Bienenschwarm – der langjährige Russisch-Unterricht zu DDR-Zeiten hat lang anhaltende Früchte getragen. Der „Säbeltanz“ – noch mehr „Aaah“. Verzücktes Schweigen beim dramatischen „Schwanensee“-Finale – Bonakow zaubert großes Drama aus den Tasten, Sokolow lässt den nervös-flatternden Schwanenreigen plastisch werden. Chapeau! Die Ohrwürmer reihen sich wie Perlen auf der Kette. Mit „Oh Fortuna“ von Orff geht es ins Finale, ein russischer Tango noch, ein Marsch. Und die dritte Überraschung: Wladimir Bonakow singt. Die russischen Volksweisen begleitet sein Mitstreiter ausnahmsweise auf der Gitarre. Stehende Ovationen, mehrere Zugaben – und der Rausschmeißer wird – wen wundert’s – „Kalinka“. Ein Hoch auf die russische Seele.

Von Regine Buddeke

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