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Mozart in Muppet-Show-Manier

Rheinsberg Mozart in Muppet-Show-Manier

Allein Mozarts Werke aufzuzählen, würde bestimmt 90 Minuten dauern. Schier unlösbar erscheint indes die Aufgabe, das Gesamtwerk in 90 Minuten zu pressen. Das junge, engagierte Team in Rheinsberg erledigt die unmögliche Mission in frech-frivoler Art: als Mosaik aus gemixten Arien, Ballett, Pantomime, Puppenspiel und Rap. Und einer gehörigen Portion Slapstick.

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James Bond versus Mozart: die 41 Sinfonien werden getanzt. Zumindest Teile daraus.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. „Mission impossible“ – die Aufgabe ist eigentlich unlösbar, das Gesamtwerk Mozarts in 90 Minuten zu pressen. Nur weil mal jemand versucht hat, Shakespeares Werke leicht gekürzt herauszugeben. Das junge Team um Christopher Holman, der das Libretto schrieb und die Bass-Partie singt und Regisseur Alexander Korjagin stellt sich der Aufgabe. Zusammen mit Sibylle Wagner, die einen neunzigminütigen Kraftakt am Klavier hinlegt, und den Mitsängern Holmans: Amelie Müller, Silvia Aurea de Stefano und Sebastian Kunz.

Gemeinsam meistern sie das anspruchsvolle Unterfangen auf recht eigenwillige Art. Mozart-Fans, die ihr Idol wie einen Gott verehren, dürften die Nase rümpfen. Die 300 Premierengäste, die am Freitagabend im Rheinsberger Schlosshof sitzen, sind in der Mehrzahl angetan. Zumal die Konserven-Stimme aus dem Off (Daniel Minetti) sich vorher und nachher beinahe überschlägt, zu versichern, dass das Ganze nicht so bierernst gemeint sei. Von „Verhunzen“ ist da die Rede, von „Schlachtung des wundervollen Komponisten“ und von „Mozart würde sich im Grabe umdrehen“. Nur weil Mozart im Film als „sexbesessener Saufkopf“ dargestellt würde, hätten viele gemeint, mit seinem Werk machen zu können, was sie wollen.

Das Gesamtwerk Mozarts – darunter schon sage und schreibe allein 21 Opern – einzeln aufzuzählen, dürfte locker mehr als 90 Minuten dauern. Das Ensemble versucht es dennoch mit Gesang: im ersten Teil auch durchaus klassisch-barock. Wenngleich auch hier der Rotstift regiert. Kurzerhand wurden „Cosi fan tutte“, „Die Hochzeit des Figaro“ und „Don Giovanni“ in einen Topf geworfen, kräftig gerührt und eine eigene Geschichte daraus gestrickt. Aus Almaviva wird Graf Giovanni, der seiner Rolle als Weiberheld und Fremdgänger gerecht wird und auch vor dem Verführen der Schönen aus fremden Opern nicht zurückschreckt.

Geschlechtertausch ist auch keine Frage: Warum sollte nicht ein Bariton den Cherubin singen? Oder später ein Bass die Papagena?

Die Zauberflöte ist nach der Pause dran – als Muppet-Show im Kasperletheater: die Zuschauer kringeln sich ein wenig – die Sänger haben ihren Spaß in augenrollender Mimik. Nette Idee, wenn bei Sarastros Hallen-Arie auch des Basses Hand immer tiefer rutscht – wie die Töne. Dann folgen Mozarts 41 Sinfonien – vermischt mit Blockbuster-Musik von Bond bis“Mission impossible“. „Jetzt aber Ballett, Leute!“ – im Schnelldurchlauf tänzeln die Sänger über die Bretter, damit auch die Salzburger Zeit mit den Antike-Opern Mozarts noch drankommen. Die werden gerappt, bis der Sopran das Mikro fallen lässt. „Da ist noch Mozart übrig“, mahnt die Stimme aus dem Off. „Nein, wir haben alles. Ich muss pinkeln“, zetert der Sopran. Egal – der „Tito“ ist noch offen. Der folgt – die Stimmen sind müde – als Pantomime. Einmal, dann im doppelten Tempo. Verrat, Kniefall, Schmacht, Kehle durch, Versöhnung, Ende gut! Und weils so schön ist auch noch rückwärts, inklusive der Musik. „Nein, das steht nicht im Vertrag“, motzt der Bariton. Egal: „Tito“ in weniger als einer Minute. Mission erfüllt.

„Wir konnten die Musik nur deshalb so verhunzen, weil Mozart sie so göttlich schrieb. Und sind am Ende des frivolen Abends“, dröhnt die Stimme. Das stimmt nicht ganz: „Leck mich im Arsch“, stimmen die Sänger Mozarts vielstimmigen Kanon an. Dem hätte dass gewiss gefallen.

Von Regine Buddeke

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