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Ostprignitz-Ruppin Mühle klappert ohne rauschenden Bach
Lokales Ostprignitz-Ruppin Mühle klappert ohne rauschenden Bach
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00:17 18.08.2016
Markus Habegger kennt jedes Detail der Walkmühle – und berichtet auch gerne darüber. Quelle: Claudia Bihler
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Walkmühle

An der Wand hängt noch die Getränkekarte mit DDR-Preisen: Ein halber Liter Bier aus dem Fass war für 46 Pfennige zu haben. Likör war je nach dem Alkoholgehalt zwischen 45 und 70 Pfennig zu haben. Dass die Schilder in dieser Form nach wie vor die Wände der Walkmühle schmücken, ist in erster Linie Markus Habegger zu verdanken, der die Mühle in den vergangenen Jahren nicht nur restauriert hat, sondern auch darauf geachtet hat, dass Besucher ihre Geschichte nachverfolgen können. So sind etwa die Mahl-Bücher lückenlos vorhanden.

Der kleine Gastraum mit der schönen Aussicht auf den Mühlenteich ist allerdings erst spät hinzu gekommen – denn die Mühle in Walkmühle ist wesentlich älter. 1705 wurde sie als vierte Walkmühle von Wittstocker Tuchmachern errichtet. 1750 soll sogar der Alte Fritz einmal hier Station gemacht haben, um sich zu verpflegen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Tuchmacher-Mühle zur Getreidemühle umgebaut, die Tradition der Gastfreundschaft blieb erhalten: Die Bauern wurden zunächst in die Stube der Müllerin gebeten, wo sie ihr Bier zu sich nehmen können.

Idyllisch gelegen ist die Walkmühle im gleichnamigen Ortsteil des Dorfes Dranse. Leider leidet der Mühlenteich derzeit unter akutem Wassermangel. Quelle: Claudia Bihler

Die Geschichten, die Markus Habegger über die Mühle, die Arbeit in der Mühle oder auch zu ihrer Funktion zu erzählen hat, sind ungezählt. Während er berichtet, rumpelt und rattert, klappert und vibriert die ganze Anlage: Hier gibt der Hobbymüller eine Vorführung, wie der Fahrstuhl mittels Seilzug mit dem komplexen Riemenantrieb der Gesamtkonstruktion verbunden wird und daraufhin in Sekundenschnelle drei Stockwerke erklimmt. Oder er erklärt, welche Anstrengungen unternommen werden mussten, um das Getreide vor dem Mahlen von Unkräutern, kleinen Steinchen oder vom gefährlichen Mutterkorn zu befreien. Oder dass das Getreide sechs bis sieben Mahlgängen unterzogen werden musste, bis es den gewünschten Feinheitsgrad erreicht hatte.

Rüttelsiebe, Schwungräder, Mahlwerk – die Mühle ist ein kleines technisches Wunderwerk, das bis Anfang des 20. Jahrhunderts sogar ohne Strom ausgekommen ist und nur vom Wasser des Dranser Sees angetrieben wurde. Erst dann erhielt sie einen Elektroantrieb, der bis heute funktionsfähig ist.

Voll funktionsfähiger Elektroantrieb. Quelle: Claudia Bihler

Und auch funktionsfähig sein muss: Denn ohne den Antrieb könnte Markus Habegger die Mühle nicht in Gang setzen. Seit etwa drei Monaten trocknet der Mühlenteich immer weiter aus – ein guter halber Meter Wasser fehlt inzwischen zum normalen Wasserstand, der am Schilfgürtel am Uferrand genau zu beobachten ist. Habegger beobachtete Ähnliches schon seit Jahren genau: „Aber früher war es immer mal ein Monat im Jahr, dass kein Wasser mehr nachkam. In diesem Jahr hatten wir im Mai noch Wasser, seither wohl keins mehr.“ Das Biotop hinter der Walkmühle liegt zu zwei Drittel trocken, der Graben unter der alten Eisenbahnbrücke ist gar völlig ausgedörrt. Ein Holzboot am Ufer hat einen deprimiert abblätternden Anstrich, als wenn es keine Hoffung mehr hätte, noch einmal Wasser unterm Kiel zu bekommen.

Wassermangel prägte das Leben in der Walkmühle schon seit Jahrhunderten, die ohnehin mit wenig Energie auskommen musste – schließlich beträgt die Fallhöhe vom Mühlenteich zum Langhagener See nur zwei Meter.

Noch zu Zeiten der Tuchmacher-Mühle führte schon Mühlenpächter Erb Klage, weil der Dranser See zu hoch aufgestaut worden war. Die Tuchmachergilde aus Wittstock unterstützte ihren Pächter 1852: Für den Teich solle ein verbindlicher Wasserstand vorgeschrieben werden. Doch erst 1856 wurden exakte Stauhöhen des Dranser Quellsees nach einer erneuten Verhandlung festgeschrieben. Inzwischen war die Mühle zur Getreidemühle umgebaut worden. Wurde nicht gemahlen, musste der Müller dennoch hart arbeiten: Dann musste er das Getreide mit der Schaufel im Zwei-Tages-Rhythmus umschichten, damit es nicht im Kornspeicher verschimmelte. Erst 1957 wurde die Mehlproduktion, 1980 schließlich der Mühlenbetrieb eingestellt. In Betrieb erleben können Besucher die Walkmühle dank Markus Habegger dennoch: Zum nächsten Mal am Tag des offenen Denkmals, 11. September, von elf bis 17 Uhr.

Von Claudia Bihler

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