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Mühle ohne Flügel

Kränzlin Mühle ohne Flügel

In diesem Jahr feiert die Kränzliner Mühle ihren 200. Geburtstag. 1817 als Bockwindmühle errichtet, wurde sie später zur Motormühle umgebaut. Am Pfingstmontag, dem Deutschen Mühlentag, kamen zahlreiche Besucher nach Kränzlin, um sich von Sven Thiede die Funktionsweise erklären und vorführen zu lassen.

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Sven Thiede (r.) zeigt einem Besucher, wo sich die Mühlsteine drehen.

Quelle: Cornelia Felsch

Kränzlin. Eine der häufigsten Fragen, die Sven Thiede zu hören bekommt, lautet: „Wo sind denn die Flügel?“ Doch das erschüttert den freundlichen Hobby-Müller nicht, geduldig erklärt er jedem Besucher, dass die Kränzliner Mühle heutzutage durch einen Motor und nicht durch Wind angetrieben wird. Am Pfingstmontag hatte er dazu wieder ausreichend Gelegenheit, denn an diesem Tag veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung den bundesweiten Mühlentag.

Das war nicht immer so, 1817 errichtete die Familie Gartenschläger auf einem Berg bei Kränzlin eine Bockwindmühle. 1930 übernahm Hans Friese die Mühle. Doch die wirtschaftliche Entwicklung forderte ihren Tribut; aus der Windmühle entstand eine Motormühle. Ab 1960 stellte der Müller als Mitglied der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) die Produktion auf Tierfutter um, 1975 war es auch damit vorbei und die Mühle fiel in einen Dornröschenschlaf.

2006 Premiere beim Mühlentag gefeiert

Bis 1990 wurde das Gebäude als Lager der LPG genutzt. Womit Sven Thiede – der Enkel des Müllermeisters – seit 2005 seine Freizeit verbrachte, das erfuhren Besucher bei einer Mühlenbesichtigung in der Kleinen Straße von Kränzlin. „Als ich beschlossen hatte, die Mühle wieder aufzubauen, wendete ich mich in Potsdam an die Mühlenvereinigung“, erzählt der 50-Jährige, der sein Geld als Elektriker und Betreuer bei den Stephanus-Werkstätten verdient. „Dort haben sie mich erst mal etwas komisch angesehen, aber nach zwei Jahren war das Eis gebrochen und ich bekam Hilfe, vor allem in technischen Dingen. 2006 waren wir zum ersten Mal beim Mühlentag dabei.“

Seitdem hat sich viel getan, die Technik wurde ergänzt und erneuert, der Antrieb des Mahlganges ist wieder voll funktionstüchtig. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das schaffen“, sagt Sven Thiede, der von Natur aus Optimist ist und trotz aller Widrigkeiten beschloss: „Wenn ich 50 werde, dann soll aus der Anlage Getreide rauskommen.“ Im Februar hat er Geburtstag gefeiert und die Mühle läuft. Das anfänglich laute Rattern im Keller wird leiser und alles läuft rund. Bewundernd stehen die Besucher vor dem Antrieb des Mahlganges, die 56 Zähne der Zahnräder hat Sven Thiede selbst aus Weißbuche gefertigt. „Elf Arbeitsschritte sind notwendig, um einen Zahn herzustellen“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. „Zu Weihnachten habe ich das Muster gebaut, dann wusste ich, wie es geht und konnte im Winter die Zähne einbauen.“

Feier am 15. und 16. Juli geplant

Das Ergebnis hätte er gern seinen Müllerkollegen vorgeführt, doch am Mühlentag hat jeder in seiner eigenen Mühle zu tun. Die Vorbereitungen für den 15./16. Juli laufen aber bereits. Dann feiert die Müllerfamilie offiziell den zweihundertsten Geburtstag der Mühle mit allen fachkundigen und -unkundigen Besuchern.

Vorführungen sind auch an anderen Tagen möglich. Unter der Telefon-Nummer 03391/50 47 00 können sich Interessenten anmelden.

Von Cornelia Felsch

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