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Museum Neuruppin plant Sonderausstellung

Traditionsfeuerlöscher Minimax Museum Neuruppin plant Sonderausstellung

Mit der „Spitztüte“ von Graaff fing 1902 alles an – seit 1905 werden in Neuruppin Feuerlöscher hergestellt. Das Museum plant eine Sonderausstellung zum Thema Minimax und Feuerlöschgerätewerk und sucht dafür noch Exponate, Fotos und Erinnerungen. Am Dienstag trafen sich 22 Zeitzeugen und Interessierte, um die Schau zu unterstützen.

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Die berühmte Minimax-Spitztüte.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ist es Zufall oder Absicht? Beinahe könnte man meinen, dass der große Stadtbrand im Jahre 1787, bei dem die Stadt Neuruppin fast zur Gänze niederbrannte, Jahre später der Grund dafür war, dass in Neuruppin tausende und abertausende Feuerlöscher hergestellt wurden. Aber das ist pure Spekulation. Fakt ist, dass die Firma Minimax im Jahre 1905 seine Feuerlöscherproduktion nach Neuruppin verlegte. Das Unternehmen wurde 1902 von Wilhelm Graaff gegründet, der die von ihm erfundene „Spitztüte“, den ersten massentauglichen Feuerlöscher, patentieren ließ. Der Name „Minimax“ besagt kurz und knapp: ein Minimum an Gewicht, Preis und Aufwand – ein Maximum an Einfachheit und Leistungsfähigkeit. Und frei nach dem ehemaligen Werbeslogan „Feuer breitet sich nicht aus, hast Du Minimax im Haus“ wäre Neuruppin 115 Jahre früher möglicherweise vom Brand verschont geblieben. Vielleicht aber auch nicht.

Unter den Interessierten waren viele ehemalige Mitarbeiter des Feuerlöschgerätewerkes Neuruppin – da kamen schon beim ersten Treffen viele Er

Unter den Interessierten waren viele ehemalige Mitarbeiter des Feuerlöschgerätewerkes Neuruppin – da kamen schon beim ersten Treffen viele Erinnerungsstücke zusammen.

Quelle: Regine Buddeke

„Das Ding hat nichts getaugt“, sagt Hans Schreiber vehement. „Die Spitztüte sah gut aus, war aber eine absolute Krücke.“ Schreiber weiß, wovon er spricht – 1962 fing er als 30-Jähriger im VEB Feuerlöschgerätewerk Neuruppin an, dem DDR-Nachfolger der 1945 enteigneten Minimax-Werke. Und arbeitete dort bis kurz nach der Wende in der Abteilung Forschung und Entwicklung.

Hans Schreiber ist einer der 22 Gäste, die am Dienstagabend der Einladung des Neuruppiner Museums gefolgt sind. Museumsleiter Hansjörg Albrecht beschreibt kurz den dahinterstehenden Plan: Noch in diesem Jahr möchte sein Haus eine Ausstellung zur Geschichte des Minimax-Werks und der VEB Feuerlöschgerätewerk Neuruppin zeigen – an der schon heftig gearbeitet wird. Das Museum sucht nun Zeitzeugen und ehemalige Mitarbeiter, die noch Exponate, Fotografien oder einfach ihre Erinnerungen beisteuern können. Alles ist wichtig, was einen Einblick in den Arbeitsalltag dieses einst großen Arbeitgebers in der Neuruppiner Innenstadt vermitteln könnte. Wer hat hier gearbeitet und woran? Welche Ausbildungsberufe gab es? Welche Produkte und wie wurde geforscht? Wie gestalteten sich die Auslandsbeziehungen – fuhr man zu Messen? Und schmerzliches Thema: die Abwicklung des Betriebes nach der Wende.

„Ich komme mir vor wie bei einer Belegschaftsversammlung der Brigade der sozialistischen Arbeit“, sagt Helmut Schneider schmunzelnd. Wie viele in der Besucher-Runde hat er zu DDR-Zeiten im Feuerlöschgerätewerk gearbeitet. Schon bei der Vorstellungsrunde werden erste Erinnerungen ausgetauscht. Ursula Krüger hat 30 Jahre als Hans Schreibers Laborantin gearbeitet.

Historisches Minimax-Werbeplakat

Historisches Minimax-Werbeplakat

Quelle: Regine Buddeke

„Ich habe noch meine Praktikumsarbeit- und auch sonst noch eine Menge beizutragen.“ Gudrun Müller war einige Jahre die Direktionssekretärin: „Von drei oder vier Direktoren. Habe ich die wohl alle fertiggemacht?“, fragt sie im Scherz. Alles in allem sei es eine schöne Zeit gewesen. „Ich durfte mit zur Messe – das war toll.“ Auch Ulrich Hartig denkt gern an seine 14 Jahre im Werk zurück. „Wir haben Dinge getan, die man heute als haarsträubend bezeichnen würde“, gesteht er. Etwa einen Regler aus dem Westen besorgt und ihn „im Rahmen der sozialistischen Neuerer-Bewegung“ nachgebaut, sagt der ehemalige Hauptbuchhalter. Das bestätigt Hans Schreiber: „Wir mussten uns selbst viel erarbeiten und uns Stück für Stück ans Weltniveau herantasten“, beschreibt er den sozialistischen Neubeginn des Volkseigenen Betriebes nach dem Rückzug von Minimax nach der Enteignung. Schreiber hat einen ganzen Stapel Akten, Bücher und Schriftstücke fürs Museum mitgebracht: „Ich bin froh, dass ich das jetzt alles loswerde.“ Selbst das „Wort der Treuhand“ liege noch in seinem Keller. „Sie forschen? Jetzt wird verkauft!“, habe der neue Chef, der nach der Wende kam, auf marktwirtschaftliche Prinzipien gepocht und sich damit nicht bei allen beliebt gemacht.

Schon wenig später hat sich herauskristallisiert: spannende Abteilungen waren sowohl die Stanzerei als auch die Bleierei. Siegfried Ringleb berichtet: „Schnupfen oder Husten? Das gab es in der Bleierei nicht. Die Säure hat jeden Keim weggefressen .“

„Ich hatte 20 Jahre lang einen Minimax-Feuerlöscher im Trabi“, berichtet Stadtführer Ulrich Gaebler, der sich wie einige andere Gäste für das Geschichtliche interessiert. Und wenn man sich in Internet-Auktionshäusern umschaut, gibt es tatsächlich noch Angebote á la „Antiker Netzmittellöscher Bauart Nz 10 HfS VEB Neuruppin“.

Vieles an Material für die geplante Ausstellung ist schon vorhanden. Dieter Gorsleben bezeichnet sich selbst als „Verursacher“ der Ausstellung. 30 Jahre lang hat er alles über das Werk zusammengetragen und es im Handwerksmuseum gezeigt. Nach dessen Aus liegen die Schätze brach. „Ich bin froh, dass das Museum die Ausstellung übernommen hat“, so Gorsleben. Denn das ist nicht wenig: Informationstafeln, technische Zeichnungen von Nass- und Trockenlöschern, Schaumhandfeuerlöschern oder auch Tetralöscher und Kohlensäureschnee-Löscher. Es wird wohl dank der Gesprächsrunde noch einiges dazukommen. Die am Dienstag gebildeten Arbeitsgruppen werden sich regelmäßig treffen – bis die Sonderausstellung steht. „Noch in diesem Jahr“, versichert Museumsmitarbeiterin Dorothea Leicht.

Hinweis: Zeitzeugen können sich ans Museum Neuruppin wenden,  03391/ 35 51 00

Von Regine Buddeke

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