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Ostprignitz-Ruppin Musikkultur-Chef verlässt Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Musikkultur-Chef verlässt Rheinsberg
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00:18 02.09.2016
René Serge Mund, Geschäftsführer der Musikkultur-Gesellschaft Rheinsberg, wird die gute Atmosphäre der Prinzenstadt missen. Quelle: Celina  Aniol
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Rheinsberg

Die Gesellschafterversammlung ist gerade zu Ende, der Umzug nach Berlin steht an diesem Dienstagnachmittag noch bevor. René Serge Mund greift zu einer Gitanes und schaltet den Espressoautomaten ein. „Ich will jetzt die Freiheit genießen“, sagt er. „Ich freue mich richtig auf die Null-Termine-Zeit.“ In Berlin, wo er jetzt hinzieht, will der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Musikkultur Rheinsberg erst einmal Luft holen, sich um die in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigten Freunde kümmern. Durch die viele Arbeit, auch an den Wochenenden und abends, sei das zu kurz gekommen. „Aber ich will mich nicht beklagen: Ich habe es mir so ausgesucht, und die Arbeit in Rheinsberg hat mir Spaß gemacht“, sagt der 68-Jährige, bevor er über die Prinzenstadt und die Begegnungen in ihren Kulturbetrieben zu schwärmen anfängt. „Es war eine tolle Zeit hier.“

Anfang 2014 kam Mund nach Rheinsberg, damals als neuer Geschäftsführer der Kammeroper. Wenige Monate später fusionierte aber das Sommerfestival, das weltweit als Schmiede für junge Sänger bekannt ist, mit der Musikakademie, die sich bundesweit mit Kursen für junge Instrumentaltalente einen Namen gemacht hatte. Er wird Chef des neuen Gebildes, die bisherigen Geschäftsführer beider Häuser zu künstlerischen Leitern degradiert.

Die meisten waren anfangs gegen die Fusion

„Wenn man Fusion sagt, dann erstarren alle erst einmal“, erzählt der gebürtige Malteser, der zuvor in einigen Kulturbetrieben der Republik, aber auch als Volkswirt bei der Europäischen Union und beim Internationalen Währungsfonds in Washington gearbeitet hatte. Das Eis zu brechen, das aus der Angst wegen Entlassungen, wegen negativer Veränderungen für die einzelnen Institutionen entsteht, sei nicht einfach gewesen. „Es waren viele gegen die Fusion, nur wenige dafür.“ Und viele Gespräche nötig gewesen, um Mitarbeiter von den Vorteilen zu überzeugen, die aber auf der Hand liegen.

Die neue Gesellschaft bekommt mehr Geld vom Land, das Mehrheitsgesellschafter ist, als die beiden eigenständigen Häuser zuvor zusammen. 1,5 Millionen Euro waren es 2015 und 2016. Dabei handelt es sich nicht mehr um projektbezogene Unterstützung, sondern institutionelle Förderung, die eine relativ sichere Bank ist. Zudem können Musiker der beiden Häuser, ohne zu betteln, auf Ressourcen und Mitarbeiter der jeweils anderen Institution zugreifen. Da die Musikkultur mit Unterbeschäftigung gestartet ist, hat es keine Entlassungen gegeben. Auch die Verwaltung könne effizienter arbeiten, selbst wenn die Verschmelzung in diesem Bereich noch nicht ganz vollzogen ist, genauso wie im künstlerischen Bereich, wo die Zusammenarbeit noch stärker werden soll. „Es gab noch kein einziges gemeinsames Projekt – was nicht zuletzt am Geld lag.“ Das zu forcieren, sei aber schon die Aufgabe des neuen Geschäftsführer Thomas Falk, der ab 1. September seine Arbeit offiziell übernimmt.

Seit dem Zusammenschluß fließt mehr Geld nach Rheinsberg

Auch den Kampf ums Geld werde sein Nachfolger weiterführen müssen, sagt Mund, während er seinen zweiten Espresso trinkt – allerdings unter besserem Vorzeichen als er selbst. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass die beiden Institutionen unterfinanziert sind – damals wollte es aber keiner hören.“ Nach vielen Gesprächen habe er nun den Eindruck, dass das Problem erkannt wird. „Das ist schon viel wert.“ Es gab auch inzwischen Sondermittel für Investitionen in Höhe von 100 000 Euro. Das Geld wurde in die Ausstattung der frisch sanierten Räume und für neue Instrumente ausgegeben.

Auch für Projekte gab es 2015 und 2016 eine Extrasumme von je 100 000 Euro. „Es wäre aber auch wichtig, dass sich die anderen Gesellschafter, der Landkreis und die Stadt, in dieser Frage bewegen und ihre Subventionen erhöhen.“ Das sei trotz klammer Kassen gerechtfertigt, weil die Gesellschaft nicht nur ein kultureller Magnet ist, sondern auch für wirtschaftliche Blüte der Region sorge. Es gehe aber nicht darum, vom vorhandenen Kuchen ein größeres Stück abzubekommen, sondern den Kulturetat aufzustocken und das Plus nach Rheinsberg fließen zu lassen, stellt Mund klar. Immerhin hat der Bund die Rolle Rheinsbergs erkannt und am Montag bekanntgegeben, dass er die Musikakademie wieder fördern will und ihr in den nächsten drei Jahren insgesamt 300 000 Euro überweist.

Künstlerisch sollen beide Häuser eigenständig bleiben

Die Situation der beiden früher eigenständigen Häuser sei heute bestens bis gut, sagt der Fusionsmacher. Die Kammeroper erlebte 2015 mit 400 000 Euro Einnahmen und 12 000 Gästen ein Rekordjahr, an das 2016 knapp heranreicht. In der Musikakademie sieht es nicht ganz so gut aus. Die Strategie, weniger Veranstaltungen anzubieten, um eine bessere Auslastung mit weniger Geld hinzubekommen, sei nicht bislang aufgegangen, berichtet Mund, der es trotz allem für richtig hält, an dieser Linie festzuhalten. Die Kurse an der Akademie seien aber gut ausgelastet, es gab sogar einen Anstieg. Unter dem Strich ist die Fusion aus Sicht des Fusionsmachers gelungen. „Auch, weil ich darauf Wert gelegt habe, dass die beiden Institutionen nicht verwässert werden, ihre künstlerische Selbstständigkeit behalten dürfen und ihre Identität weiterpflegen – nur jetzt eben unter einem Dach“, sagt Mund, bevor er den letzten Espresso vor seinem Umzug schlürft.

Von Celina Aniol

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