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Mutmaßlicher Steuerhinterzieher vor Gericht

Neuruppin Mutmaßlicher Steuerhinterzieher vor Gericht

Ein 50-jähriger Geschäftsmann muss sich seit Donnerstag vor dem Neuruppiner Amtsgericht wegen Steuerhinterziehung verantworten. Der Neuruppiner soll als Autohändler für 2008 nicht jeden Monat wie es Pflicht ist, die Umsatzsteuervoranmeldung abgegeben haben. Er sei davon ausgegangen, dass er jährlich wie im Vorjahr zahlen musste.

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Quelle: dpa

Neuruppin. Er wollte alles richtig machen und keine Scherereien mit dem Finanzamt bekommen, beteuert ein ehemaliger Autohändler aus Neuruppin. Doch es gab Ärger mit der Behörde. Sie zeigte den 50-Jährigen an. Seit Donnerstag muss er sich wegen Steuerhinterziehung im sechsstelligen Bereich vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Laut Anklage soll er im Jahr 2008 keine Umsatzsteuer gezahlt und dadurch einen Schaden von mehr als 300 000 Euro verursacht haben.

Geschäft lief super

Sein Mandant sei sehr nervös. „Er steht das erste Mal vor einem Strafgericht“, sagte Verteidiger Robert Unger. Doch der Angeklagte schilderte seine Lebensgeschichte ohne Wenn und Aber. Demnach entschloss sich der gelernte Kfz-Schlosser nach einem Jahr Arbeitslosigkeit, sich selbstständig zu machen. Am 1. März 1992 gründete er seine eigene Firma, einen Autohandel. „Die ersten zwei Monate lief es schlecht, danach super“, sagte er am Donnerstag. Nach vier Jahren kam die erste Steuerprüfung – und ein böses Erwachen. Der Angeklagte hatte für einen Geschäftspartner Autos vermittelt – in der irrigen Annahme, die Provision sei umsatzsteuerfrei. Mit dem Gewinn eines Hausverkaufes konnte er die Steuerschuld damals aber begleichen.

Angeklagter glaubte, alles richtig gemacht zu haben

2001 übernahm er von einem Berliner Händler einen großen Wagenbestand. „Ich habe jeden Tag zehn Autos verkauft.“ Sein Kundenstamm wurde größer. Er hatte Kunden aus Italien und Spanien, holte Autos aus Frankreich. Den Export übernahm seine damalige Lebensgefährtin über ihre eigene, 2006/07 gegründete Firma. Aus Sicht der Finanzbehörde eine Scheinfirma.

Über Jahre musste der Geschäftsmann alle drei Monate eine Umsatzsteueranmeldung abgeben. Sein Umsatz ging zurück. Nach seiner Berechnung kam er für 2007 auf eine zu zahlende Umsatzsteuer von 500 Euro: Die Steuerzahlung wurde auf jährlich umgestellt. Anfang 2008 erhielt er ein Schreiben vom Finanzamt. Daraus war für ihn ersichtlich, dass es bei diesem Modus blieb.

Finanzamt zeigte ihn wegen Steuerhinterziehung an

Nicht gelesen hatte er offensichtlich das Kleingedruckte, wonach man bei einer Änderung des Umsatzes das Finanzamt informieren muss. Damals lag sein Umsatz deutlich über dem Grenzwert. Er hätte also monatlich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben müssen. „Das wusste ich nicht. Ich dachte, ich sei Jahreszahler“, sagte er.

Im Juni 2011 reichte er dann die Steuererklärungen für die Jahre 2007 und 2008 ein. Umso schockierter war er, als er 2015 einen Brief der Finanzbehörde bekam – mit zwölf Strafanzeigen, die, derentwegen er nun auf der Anklagebank sitzt.

Für die Verhandlung sind sechs Tage angesetzt. Am Dienstag soll eine Steuerfahnderin gehört werden.

Von Dagmar Simons

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