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Nabu fordert Mut zur Wildnis im Garten

Vögel sind bedroht Nabu fordert Mut zur Wildnis im Garten

In den Gärten ist es still geworden, Lock- und Revierrufe der Vögel sind verstummt. Der Vogelwelt geht es nicht besonders gut. Nahrungsmangel, Straßenverkehr, Chemie-Einsatz, die intensive Landwirtschaft, aber auch Katzen bedrohen die Vögel. Gärten seien oft vogelunfreundlich angelegt, kritisiert der Naturschutzbund.

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Meisen im Garten.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Es ist stiller geworden im Garten. Die Paarungszeit der Vögel ist vorbei, das Brutgeschäft beendet. Die Vögel singen nicht mehr, um ihr Revier abzustecken oder die Weibchen anzulocken. Beerensträucher und Kirschbäume sind abgeerntet, die Nahrungsquellen, die sich Menschen und Vögel teilen, versiegen allmählich.

Ein guter Grund, bei der Wahl der Pflanzen an die gefiederten Freunde zu denken, um sie auch im Spätsommer mit Nahrung zu versorgen. Exotische Büsche sind zwar oft schön anzusehen, zwischen Obstbäumen und Sträuchern, die auch zu dieser Jahreszeit noch Früchte tragen, fühlen sich Vögel allerdings wesentlich wohler.

„Monotoner, kurz gemähter Rasen, eingefriedet mit blauen oder gelben Koniferen, verdient den Begriff Garten nicht“, sagt Bernd Ewert vom Naturschutz- (Nabu) Kreisverband Neuruppin. Kies und Schotter gehören für ihn nicht in den Garten.

Totholz in Ewerts Hausgarten

In seinem Hausgarten in Zechlinerhütte gibt es Kletterpflanzen, Totholz, Komposthaufen und Blumenwiesen mit Fruchtständen, Brennnesseln und feucht gehaltene Lehmhaufen. „So entstehen Oasen, in denen es Freude macht, Tiere zu beobachten. Das ist spannender als viele Fernsehsendungen“, sagt er. Und es weckt den Forscherdrang. „Wer Lust dazu hat, kann Tagebuch führen und vorkommende Arten registrieren. So bekommt man auch als Hobbyforscher die Schwankungen in der Natur mit.“ Viele Naturschutzstationen sind auf die Mithilfe von ehrenamtlichen Helfern angewiesen, um den Bestand und die Entwicklung heimischer Arten untersuchen zu können.

Pflanzen sollten auch mal wuchern dürfen

Pflanzen sollten auch mal wuchern dürfen.

Quelle: Felsch

Angesichts der schwindenden Arten ist das dringend notwendig, denn mittlerweile können fast alle Vogelarten als bedroht eingestuft werden. „Der Vogelwelt geht es insgesamt nicht gut“, sagt Bernd Ewert. Haben sie bei ihrem Zug in wärmere Gefilde die Fangnetze überlebt, so gibt es in Europa weitere Hindernisse. Nahrungsmangel, Straßenverkehr, Chemie-Einsatz, die intensive Landwirtschaft, aber auch die von vielen Menschen geliebten Katzen bedrohen die Vögel.

Katzen töten pro Jahr Milliarden Vögel

2013 erschien in der Zeitschrift „Nature Communications“ eine Studie, wonach Katzen jährlich 1,4 bis 3,7 Milliarden Vögel töten. In Deutschland gibt es etwa 8,4 Millionen Hauskatzen. Legt man die Studie zugrunde, kommt man auf eine unvorstellbar hohe Zahl von jährlich 200 Millionen getöteten Vögeln in Deutschland. Für den Naturschutzbund wohl etwas zu hoch gegriffen, dennoch – so finden die Nabu-Mitglieder – sind es zu viele Katzen. Ihre Besitzer sollten die Tiere in der Brutzeit, wenigstens in den Morgenstunden, im Haus behalten.

Für Garten- und Grundstücksbesitzer gibt es viele Möglichkeiten, etwas Wirkungsvolles für die Natur zu tun und das kann auf vielfältige Weise geschehen: Heimische Wildkräuter wachsen lassen, wilde Bereiche als Rückzugsgebiete dulden und möglichst wenig Flächen versiegeln. Von Wildstauden profitieren auch Insekten, von denen wiederum die Vögel leben. Die Anzahl von Insekten und anderen Kleintieren ist auf einer Blumenwiese oder in einem Staudendickicht etwa 10 bis 20 mal höher als auf einer gewöhnlichen Rasenfläche.

Sträucher und Hecken sind Vogelschutzräume

Nistkästen bieten Vögeln Brutmöglichkeit. Tränken oder ein Gartenteich sorgen dafür, dass Vögel in heißen Sommern nicht verdursten. Wer Sträucher und Hecken bewusst pflanzt, bietet Nahrung und Nistmöglichkeiten. Weiden sorgen im Frühjahr für erste Bienennahrung, Holunder liefert noch im frühen Herbst Beeren und Efeu ist als letzte Nektarquelle im Jahr ein gefundenes Paradies für Schmetterlinge, Wespen und Bienen. Auf Ziergehölze wie Flieder, Rosen, Goldregen und Hortensien, muss dennoch nicht verzichtet werden und auch für Obst und Gemüse finden sich ganz sicher Plätze. Mit Kletterpflanzen und Topfkulturen können auch kleine Oasen effektiv genutzt werden.

Nabu rät, die Pflege im Garten zu reduzieren

Um einen Garten für Vögel aufzuwerten, reicht es oft schon aus, wenn die Pflege reduziert wird. Hier ist der Mut zu einem Stückchen Wildnis im Garten gefragt, der mit allerlei tierischen Gästen belohnt wird. Die Ausgaben für einen Laubsauger können eingespart werden, denn unter dem Laub finden Rotkehlchen, Amseln und Drosseln Würmer und Insekten. Abgeblühte Fruchtstände von Stauden und Wildpflanzen sind ebenfalls eine gute Nahrungsquelle. Schließlich heißt der Stieglitz nicht umsonst auch Diestelfink. Er benötigt seinen langen spitzen Schnabel, um Samen von Disteln, Kletten und anderen Korbblütlern aus ihren reifen oder verdorrten Blütenständen zu picken. „Die Mischung macht es“, sagt Ewert und appelliert an die Gartenbesitzer, Komposthaufen anzulegen, auf Gifteinsatz zu verzichten und Vögeln, Igeln, Fledermäusen, Maulwürfen und Erdkröten ein naturnahes Refugium zu bieten. „Die Tage der Offenen Gärten sind eine gute Möglichkeit sich mit anderen Naturfreunden auszutauschen und voneinander zu lernen“, sagt Bernd Ewert.

Von Cornelia Felsch

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