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Nach dem Beipass folgt der Einlauf

Wittstock Nach dem Beipass folgt der Einlauf

Krankengeschichten können auch manchmal amüsant sein – zumindest dann, wenn sie von Autoren mit viel Selbstironie geschildert werden. Solche Geschichten hörten die Teilnehmer des 72. Literaturcafés am Mittwochnachmittag in der Wittstocker Bibliothek. Und weil Frauentag war, gab es für die weiblichen Besucher auch eine kleine Überraschung.

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Georgia Arndt las in der Wittstocker Bibliothek Amüsantes über Kur und Krankheiten.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Krankheitsgeschichten, besonders wenn sie einen selbst oder Angehörige betreffen, sind eher weniger lustig anzuhören. Anders dagegen, wenn Autoren mit spitzer Feder und immer einem Hauch von Selbstironie die ihrigen beschreiben. Und so drehte sich beim 72. Literaturcafé am Mittwochnachmittag in der Wittstocker Bibliothek alles um das Thema Kur und den Rehaprozess.

Doch bevor das Publikum die Geschichten beziehungsweise Textpassagen von Bibliotheksleiterin Georgia Arndt vorgelesen bekamen, durften sie sich zunächst wieder mit Kaffee, Tee und Kuchen versorgen. Anlässlich des internationalen Frauentags gab es für die anwesenden Damen, die deutlich die Mehrheit der Zuhörer ausmachten, noch selbstgebastelte Blumen.

Toilettengang vor versammelter Ärzteschaft

Die Lesung fand unter dem Motto „Meine Kur hat einen Schatten“ statt, dem Titel des sehr amüsant geschriebenen autobiografischen Buches von Oliver Pötzsch. In dem Buch beschrieb der Autor, wie er mit Anfang 40 nach einer Herz-Operation in eine Kurklinik zur Reha kam. „Herzinfarkte kommen meistens ungelegen“, zitierte Georgia Arndt den Autoren. In seinem Fall konnte ein solcher vermieden werden, allerdings zum Nachteil einer geplanten Promotiontour für sein Buch.

Für die weiblichen Besucher gab es selbstgebastelte Papierblumen zum Frauentag

Für die weiblichen Besucher gab es selbstgebastelte Papierblumen zum Frauentag

Quelle: Christian Bark

Die Bibliotheksleiterin beschränkte sich in der Lesung auf den Krankenhausaufenthalt von Pötzsch, der für den Autoren etwas völlig Neues und Verstörendes in seinem Leben bedeutete. So kamen bei Ganzkörperrasur und Einlauf trotz Gleitgels und attraktiver Krankenschwestern wenig erotische Gefühle beim Patienten auf. Dieser beschrieb den Weg des Katheters durch die Blutgefäße bis zum fast ganz verkalktem Herzkranzgefäß bei vollem Bewusstsein, den nach der Beipasslegung entwürdigenden Geschäftsaufenthalt auf einer Kunststofftoilette mitten im Mehrbettzimmer während der Visite sowie die Jutebeutel seiner Mitpatienten zur Aufbewahrung wichtiger Habseligkeiten. Bei der anschließenden Reha sollte einiges Ungewohntes passieren.

Im davor gelesenem Buch von Christian Faschke „Tanz den Fango mit mir“ ging es um eine andere Körperregion: den Rücken. Dabei musste sich der Autor nach einem Bandscheibenvorfall gegenüber anderen Rückenpatienten schämen, keine OP erhalten zu haben oder Kassenpatient zu sein.

Schon 72 Nachmittage voller Kurzweil

Seit Oktober 2009 findet in der Wittstocker Bibliothek in regelmäßigen Abständen das Literaturcafé statt. In der Regel liegen die Termine auf dem zweiten Mittwoch im Monat.

Bereits zum 72. Mal gab es die unterhaltsame Lesung. Die Themen sind immer bunt gestreut – jedoch nie allzu ernst, sondern häufig amüsant.

Gut 50 Zuhörer besuchten die Lesung am Mittwochnachmittag. Damit sind die Kapazitätsgrenzen des Raumes in der Bibliothek schon fast erschöpft, wie Georgia Arndt informierte.

In der Kurklinik erwarteten ihn einige Hürden. Zum Beispiel fuhr der Fahrstuhl nicht in seine Etage und obwohl er ein Viertel seines Hausrats mitgenommen hatte, reichte das Gepäck wahrscheinlich immer noch nicht, die gesamte Kur damit zu überstehen. Gerade die ernsthaften Rückenprobleme erwischen 80 Prozent aller Deutschen mindestens einmal im Monat, wie aus Faschkes Buch hervorging. So auch Zuhörerin Magda Bütow. Die 71-jährige Wittstockerin war nach einer OP an der Wirbelsäule erst im vergangenen Jahr zur Reha in Bad Wilsnack gewesen, wie sie erzählte. Aber solche Pannen wie Christian Faschke in seiner Kurklinik habe sie in dem Prignitzer Kurort nicht erleben müssen.

Und so mussten Magda Bütow und die anderen Zuhörer oft herzhaft über die amüsanten Passagen der Autoren lachen. Einige nickten auch amüsiert, weil sie sich an ähnliche Erlebnisse erinnerten. Wenig mitreden konnte dabei die Vorleserin. „Ich kenne die Kur nur aus der Literatur“, stellte Georgia Arndt gleich am Anfang der Lesung klar. Und bei den Schilderungen der beiden Autoren müsse sie es sich genau überlegen, ob sie jemals einen Kurantrag stellen würde. Eins stand am Ende aber fest,wie Arndt sagte: „Die Frauen haben sich an diesem Frauentag herzlich auf Kosten der kränklichen Männer amüsiert.“

Das nächste Literaturcafé findet am Mittwoch, 12. April, um 14 statt. Diesmal taucht Georgia Arndt in die Geschichte der märkischen Adelsfamilie Gans zu Putlitz ein. Der Kostenbeitrag liegt bei 5 Euro.

Von Christian Bark

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